Crowdfunding: Forscher wollen verschollenen Satelliten reaktivieren

Eine 1999 aufgegebene Sonde taucht nun wieder in der Nähe der Erde auf und funkt noch immer. Die NASA kann sie nicht mehr kontaktieren, aber einige Forscher geben sich nicht geschlagen: Sie wollen ISEE-3/ICE eine dritte Mission geben.

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Von
  • Martin Holland

Zeichnung der Sonde ISEE-3/ICE

(Bild: NASA)

Ein Team aus Ingenieuren, Programmierern und Wissenschaftlern will in Kooperation mit der NASA den 1978 gestarteten und seit 2008 verschollenen Satelliten ISEE-3/ICE reaktivieren. Weil die US-Weltraumagentur dafür aber keine finanzielle Unterstützung leisten kann, sammeln sie auf RocketHub Geld für ihr Vorhaben. Zuvor waren im Februar erstmals seit 2008 wieder Signale des Satelliten empfangen worden. Die könne man zwar entziffern, teilte die NASA dann mit, aber an den Radioantennen des Deep Space Network sei die Technik, um Befehle an ISEE-3/ICE zu schicken, schon vor 15 Jahren abgebaut worden. Es sah so aus, als könnte man dem Satelliten bei seiner neuerlichen Annäherung an die Erde zwar lauschen, aber nicht mehr mit ihm kommunizieren.

Im Rahmen des Programms ISEE (International Sun-Earth Explorer) hatte die NASA zusammen mit der ESA insgesamt drei Satelliten gestartet. Die dritte, ISEE-3, wurde 1978 gestartet und erforschte vom Lagrange-Punkt L1 (wo sich zwischen Sonne und Erde deren Schwerkräfte aufheben) aus die Interaktion zwischen dem Magnetfeld der Erde und der Sonne. 1982 wurde die Sonde dann aber in ICE (International Cometary Explorer) umbenannt und auf eine neue Mission geschickt.

Nach mehreren Swing-bys verfolgte sie den Kometen P/Giacobini-Zinner, dessen Schweif sie am 11. September 1985 durchflog. Das war Monate bevor gleich eine ganze Reihe von Sonden den Halleyschen Kometen erreichte, zu dem die NASA aus finanziellen Gründen keine eigene Mission entsandt hatte. Die Bahn von ISEE-3/ICE wurde dann so gesetzt, dass es 2014 zu dem neuerlichen Treffen mit der Erde kommen würde. Der dafür verantwortliche Missionsdesigner Robert Farquhar ist heute 81 Jahre und besonders eng mit der Sonde verbunden. Er hat wichtige Dokumente zu der Mission aufbewahrt, die nun durchsucht würden.

Einen möglichen Befehl an ISEE-3/ICE hatte XKCD vorgeschlagen.

(Bild: XKCD, CC BY-NC 2.5 )

Die Sonde selbst war in den 90er Jahren zur Beobachtung der Sonne eingesetzt worden, bevor sie 1997 aufgegeben wurde. Ihre Solarpaneele versorgten sie aber weiter mit Strom und bis 2008 konnte die NASA ihr Signal empfangen. Dass sie nun bei dem von langer Hand geplanten Rendezvous mit der Erde noch immer funktionstüchtig ist, überraschte Forscher und Ingenieure aber offensichtlich. Nun wollen sie die Sonde in eine Position nahe der Erde manövrieren und ihre hoffentlich weiterhin funktionstüchtigen Instrumente (1999 arbeiteten noch 12 von 13) der Forschung zugänglich machen. Ohne das weiter zu erläutern sprechen sie auch davon, "einen weiteren Kometen zu jagen".

Auch wenn über das Deep Space Network keine Kommunikation mit ISEE-3/ICE mehr möglich ist, existieren Radioantennen, mit denen Befehle gesendet werden können, etwa an der Morehead State University im US-Bundesstaat Kentucky. Empfangen wurde ihre Signale inzwischen nicht nur am Arecibo-Observatorium sondern auch mit einer 20-Meter-Antenne in Bochum. Nun müsse man die Original-Befehle in Erfahrung bringen und eine Möglichkeit entwickeln, die Hardware zu emulieren, mit der die Kommunikation einst bewerkstelligt wurde. Unter anderem dafür benötige man nun 125.000 US-Dollar und viel Zeit bleibe nicht: Damit ISEE-3/ICE in Erdnähe verbleibt und angefunkt werden kann, müsse das gewünschte Manöver Mitte Juni diesen Jahres abgeschlossen sein (mho)