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Crowdfunding mit Kryptowährungen: 10 Prozent aller ICO-Gelder werden gestohlen

Bei den Initial Coin Offerings bieten Projektmacher neue Kryptogeldtokens zum Verkauf an, um Geld für ihr Vorhaben einzunehmen. Laut einer Studie ein Milliardengeschäft – das auch Betrüger und Hacker auf den Plan ruft.

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(Bild: Steve Buissinne, gemeinfrei (Creative Commons CC0))

Initial Coin Offerings, kurz ICOs, sind eine Mischung aus Risikokapital und Schwarmfinanzierung auf Basis von Kryptowährungen – im vergangenen Jahr hat diese Form der Beteiligung an Blockchain-Projekten Milliarden eingebracht. Doch der Hype zieht auch Kriminelle an: Im Schnitt würden zehn Prozent der Gelder gestohlen, die in einen ICO fließen sollten, wie aus einer Studie der Beratergesellschaft EY hervorgeht. Für die Studie wurden insgesamt 372 ICOs herangezogen, die im vergangenen Jahr Kryptogeldtoken für umgerechnet 3,7 Milliarden US-Dollar an ihre Geldgeber verkaufen konnten.

Sowohl die Projektmacher als auch die Investoren seien dabei Ziel der Übeltäter. Eine beliebte Strategie sei es, die echte Website des ICO-Projekts mit DDoS-Angriffen aus dem Netz zu schießen. Dann werde über Messenger-Kanäle, Social-Media und Foren die URL einer gefälschten Angebots-Seite verbreitet, die interessierte Investoren verleitet, ihr Kryptogeld auf die Adressen der Kriminellen zu schicken. Ebenfalls gab es Fälle, in denen Hacker sich direkt der echten Projektseiten bemächtigen konnten und dort die Zieladresse für Kryptogeld-Zahlungen austauschten. Einmal angewiesen, lässt sich so eine Transaktion nicht mehr rückgängig machen.

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Ein aktuelles Beispiel zeigt, dass noch nicht mal ein tatsächlicher Verkauf von Kryptowährungstokens stattfinden muss. So bot der durch Medienberichte kolportierte ICO des Messengers Telegram – angeblich ein milliardenschweres Vorhaben – vielen Trittbrettfahrern ein willkommenes Vehikel für Betrugsversuche. Telegram-Gründer Pavel Durov warnte inzwischen persönlich vor Scammern und ihren Fake-Webseiten; Telegram hat eine eigene Seite eingerichtet, auf der Nutzer dubiose Kaufangebote für angebliche Messenger-Tokens namens Grams melden können.

Dass so hohe Summen zusammenkommen, erklären die EY-Berater in ihrer Studie unter anderem mit der Schwierigkeit, ein ICO-Projekt transparent zu bewerten. Der Markt sei chaotisch, unreguliert und hektisch; die Angst, das nächste große Ding zu verpassen, im Jargon auch FOMO ("Fear of missing out“) genannt, beeinflusse viele Anleger. In manchen Fällen pumpten die Investoren umgerechnet 300.000 US-Dollar pro Sekunde in einen gerade laufenden Tokenverkauf. Auch die Whitepaper, in denen die Macher das Projektvorhaben schildern, seien teilweise irreführend.

Betrüger nutzen diese Nervosität und mangelhafte Informationslage auch für Kursmanipulationen: US-Berichten nach streuten Unbekannte Mitte Januar zum Beispiel gezielt Fake News, um den Kurs des Kryptogeldtokens Genesis Vision (GVT) kurzfristig von 30 auf 45 US-Dollar hochzupumpen – und dann Kasse zu machen. Ausgangspunkt war demnach ein Investment-Tipp eines als John McAfee posierenden Twitter-Fake-Accounts, der massiv verbreitet wurde. Der echte McAfee interessiert sich seit Längerem für die verschiedensten Krypto-Währungen und teilt seine Meinung regelmäßig über Twitter mit.

Insgesamt könnte sich der Hype um die ICOs auch schon wieder etwas abschwächen, stellte man bei EY fest. Im Vergleich zu Beginn des Jahres habe die Dynamik im letzten Quartal 2017 abgenommen. Diverse Finanzaufsichten, etwa die Bafin in Deutschland, haben Investoren bereits vor dieser Investmentform gewarnt, China und Südkorea sie sogar komplett verboten. Oftmals, so die Studienautoren, müsse man sich auch die Sinnfrage stellen: Braucht die Geschäftsidee wirklich eine eigene Kryptowährung und eine Blockchain? (axk)

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