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Crusoe: Nicht der Schnellste, aber sparsam

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Seit einigen Tagen misst das c't-Labor die Leistungsfähigkeit des TM5600-Prozessor von Transmeta. Nach den ersten Ergebnissen zur Speicher-Performance stehen nun weitere Benchmark-Resultate fest.

Der Crusoe steckt im Sony-Notebook Vaio PCG-C1VE mit 128 MByte Hauptspeicher, 12 GByte Festplatte, ATI Rage Mobility und einem 9-Zoll-Display mit 1024 x 480 Punkten Auflösung. Der Prozessor läuft wahlweise mit 300 MHz bei 1,2 Volt Kernspannung oder 600 MHz bei 1,6 Volt und kann im laufenden Betrieb zwischen beiden Frequenzen umgeschaltet werden. Er hat 128 KByte Level-1- und 256 KByte Level-2-Cache. x86-Code kann er nicht direkt ausführen, sondern übersetzt ihn vorher in seinen internen VLIW-Befehlssatz (very long instruction word). Um diesen Vorgang nicht dauernd zu wiederholen, speichert der Crusoe den übersetzten Code in einem Code-Morphing-Speicher. Dazu zwackt er sich 16 MByte vom Hauptspeicher ab, sodass für das Betriebssystem und Anwendungen nur 112 MByte übrig bleiben.

Bei 300 MHz ergibt der c't-Akkubenchmark eine Laufzeit von rund zwei Stunden. Sony gibt die Akku-Kapazität mit rund 20 Wh an. Demnach nimmt das Notebook insgesamt nur etwa 10 Watt Leistung auf – durchaus beachtlich, gönnen sich doch die meisten Notebooks zwischen 15 und 22 Watt. Im Leistungsvergleich bleibt der Crusoe freilich hinter einem gleichschnell getakteten Mobile Pentium III deutlich zurück:

Prozessor
 
Takt
[MHz]
BAPCo
SYSMark 2000
PovRay 3.1
chess2.pov
3DMark 2000
CPU Marks
UT
[fps]
Cinema
4D
Crusoe 30031124 PPS338,41,8
Crusoe 60050257 PPS5611,83,7
Pentium III 50086347 PPS7814,95,5
Pentium III 60092417 PPS8115,46,6
Vergleichsmessungen auf Acer TravelMate 522 TXV mit Pentium III-600 (mit SpeedStep), 128 MByte Hauptspeicher und ebenfalls dem ATI Rage Mobility.

Einige Benchmarks haben wir mehrfach hintereinander laufen lassen, um den Einfluss des Code Morphing (Übersetzen von x86-Maschinencode in Crusoe-Befehle) zu beobachten. In der Theorie sollte ein Benchmark beim zweiten Mal schneller laufen, da der Prozessor auf den Morphing-Speicher zurückgreifen kann und den Code nicht neu übersetzen muss. In der Praxis zeigt sich dieser Effekt tatsächlich bei einigen Benchmarks: So stieg die Frame-Rate von Quake III von 13,5 fps um 10 Prozent auf 14,9 fps im zweiten Lauf an. PovRay berechnete "desk.pov" im ersten Durchgang in 20 Sekunden und brauchte bei den Wiederholungen nur noch 16 Sekunden. (Beide bei 300 MHz gemessen.)

Jedoch blieben die Ergebnisse vom 3DMark 2000, Unreal Tournament oder der "chess2.pov"-Berechnung von PovRay konstant und auch die meisten Einzelwerte der BAPCo-Suite schwankten nur um die bei allen Systemen üblichen zwei Prozent. Diese Benchmarks führen offensichtlich die meisten Programmteile sowieso schon mehrfach aus, sodass der Geschwindigkeitsvorteil beim wiederholten Durchlaufen eines Code-Abschnitts in das Benchmark-Ergebnis mit eingeht. Beispielsweise besteht der BAPCo-Einzeltest "Elastic Reality" hauptsächlich aus dem Berechnen von 150 Einzelbildern. Nach dem ersten Bild sollte der Code komplett im Morphing-Speicher liegen, sodass der Crusoe die weiteren 149 Bilder mit maximaler Geschwindigkeit berechnen kann. Das Code Morphing müsste schon extrem langsam vonstatten gehen, um hier einen Einfluss zu messen.

Weitere Ergebnisse folgen in der c't-Ausgabe 22/00 (ab 23. Oktober im Handel).

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