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Crypto Wars 3.0: Chef der EU-Netzsicherheitsagentur fordert starke Verschlüsselung

Udo Helmbrecht, Direktor der EU-Agentur für Netz- und Informationssicherheit, meint, starke Verschlüsselung sei nötig, da sonst Kriminelle und Terroristen profitieren könnten.

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Enisa-Chef fordert starke Verschlüsselung

Nach den Anschlägen in Brüssel und Paris wird in Europa erneut über den Umgang mit der Verschlüsselung debattiert. Nicht nur die Mitgliedstaaten, sondern auch europäische Sicherheitsbehörden vertreten dabei konträre Positionen. So fordert Udo Helmbrecht, Direktor der EU-Agentur für Netz- und Informationssicherheit (Enisa), starke Verschlüsselung zu unterstützen, da eine Schwächung zu Verletzlichkeiten führe, die Kriminelle und Terroristen nutzen könnten. Europol-Direktor Rob Wainwright hatte im März zunächst vor Verschlüsselung gewarnt, bevor er sich im April gegen ein Verbot von Verschlüsselung aussprach.

Udo Helmbrecht

(Bild: Enisa)

Gegenüber heise online forderte Helmbrecht, dass "andere rechtliche Lösungen" gefunden werden müssten, um den Bedürfnissen der Strafverfolger entgegenzukommen. Er erinnert daran, dass der Lissabon-Vertrag den Schutz persönlicher Daten als Grundrecht anerkennt. Starke Verschlüsselung schütze nicht nur die Grundrechte des Einzelnen, sondern stelle auch das Vertrauen in den elektronischen Geschäftsverkehr her. "Einschränkungen der Verschlüsselung unterminieren Privatheit und schädigen die digitale Wirtschaft", erklärt Helmbrecht, "indem sie die Bemühungen unserer EU-Politiker konterkarieren, die europäische Wirtschaft zu stimulieren."

Auch EU-Kommissar gegen Hintertüren in Verschlüsselung

Erst kürzlich veröffentlichte die Enisa ein Positionspapier über "die freie Verwendung von Krypto-Tools für den Selbstschutz von EU-Bürgern". Darin erinnert die Enisa daran, dass die US-amerikanischen Kryptoexportregulierungen, die vor 15 Jahren aufgehoben wurden, der IT-Industrie geschadet haben. Die Liberalisierung hingegen habe zu einem schnell wachsenden internationalen Markt für Kryptoprodukte geführt.

Auch Andrus Ansip, Vize-Präsident der EU-Kommission, hat sich gegen jegliche Hintertüren in Verschlüsselungssystemen ausgesprochen. Während Großbritannien und Frankreich über weitergehende Zugriffsbefugnisse der Behörden debattieren, obgleich sie mit dem "Investigatory Powers Bill" in Großbritannien sowie dem nach den Charlie-Hebdo-Anschlägen verschärften französischen Sicherheitsgesetz bereits über große Eingriffsmöglichkeiten verfügen. Deutschland und die Niederlande hingegen sprechen sich derzeit noch gegen eine Regulierung aus. Deutschland setzt auf die Quellen-Telekommunikationsüberwachung. (anw)

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