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Crypto Wars: NSA-Chef wirbt für Verschlüsselung

"Verschlüsselung ist fundamental für die Zukunft", betonte NSA-Direktor Michael Rogers in Washington. Wer diese Tatsache anzweifle, verschwende seine Zeit. Die Krypto-Debatte müsse trotzdem geführt werden.

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Crypto Wars: NSA

(Bild: c't)

Michael Rogers, der Leiter der des US-Geheimdiensts NSA, hat sich für starke technische Verfahren zur Datensicherheit ausgesprochen. "Verschlüsselung ist fundamental für die Zukunft", befand er am Donnerstag bei einer Diskussionsrunde der US-Denkfabrik Atlantic Council in Washington. Der Kampf um die Cybersicherheit erfordere einen stärkeren Einsatz entsprechender Schutzmechanismen. Es sei schließlich davon auszugehen, dass es zunehmend zu massiven Hacker-Attacken auch auf Regierungseinrichtungen komme.

Rogers spielte dabei auf den Angriff auf die Bundespersonalbehörde OPM an, bei der neben anderen persönlichen Daten von 22 Millionen Bediensteten auch die Fingerabdrücke von 5,6 Millionen Beschäftigten abhanden kamen. Es bringe daher nichts, Verschlüsselung als "schädlich" abzutun und wegsperren zu wollen. "Wir müssen uns aber fragen, was der beste Weg für uns ist, uns mit dieser Grundlage auseinanderzusetzen", erläuterte der Admiral. Die "sehr legitimen Bedenken aus verschiedenen Perspektiven" seien im Blick zu halten.

Admiral Michael S. Rogers leitet die NSA, den Militärgeheimdienst CSS und das militärische US Cyber Command.

Seit über einem Jahr läuft eine neue Krypto-Debatte, in der vor allem Vertreter von Sicherheitsbehörden Zugriff auf verschlüsselte Kommunikation über Vorder- oder Hintertüren fordern. Mit an vorderster Front steht dabei FBI-Chef James Comey, dem insbesondere die standardmäßigen Verschlüsselungspraktiken von Apple und Google auf Mobilgeräten ein Dorn im Auge sind. Rogers selbst hatte voriges Jahr eine Pflicht für Hersteller ins Spiel gebracht, Zugangsschlüssel aufzuteilen und die Komponenten bei verschiedenen Einrichtungen mehr oder weniger sicher zu verwahren. Auf Anordnung hin könnten diese dann zusammengefügt werden.

Zu einem derartigen konkreten Ansatz äußerte sich der NSA-Direktor nun nicht mehr. Bei der Veranstaltung ging es vor allem um das von ihm ebenfalls geleitete US-Cyberkommando und den Auftrag der Informationssicherung, den die NSA neben der Kommunikationsüberwachung zu erfüllen hat. Mit keinem Wort erwähnte Rogers auch die zahlreichen umfangreichen Programme der NSA, um Kryptografie zu brechen oder schon im Standardisierungsverfahren zu schwächen beziehungsweise Versuche Hintertüren in Programme und IT-Geräte einzubauen.

Wenig hält Rogers demnach von der oft gehörten Forderung, den Datenschutz zugunsten der Sicherheit einzuschränken. "Die Bedenken rund um die Privatsphäre sind größer als je zuvor", meinte Rogers. Man müsse versuchen, beiden Geboten gerecht zu werden, was eine große Herausforderung darstelle. Genauso wenig bringe es, Terroristen pauschal das Recht auf Meinungsfreiheit abzusprechen, um ihre Propaganda aus dem Internet zu verbannen. Hier müssten Grundrechte miteinander abgewogen werden. Zensur berühre "das Herz" des gesamten US-amerikanischen Verfassungskonstrukts. (Stefan Krempl) / (mho)

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