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Crypto Wars: Neue Bundesbehörde soll Verschlüsselung knacken

Immer mehr Kommunikationsdienste verschlüsseln Nachrichten und schützen sie vor fremden Zugriffen. Die Bundesregierung will dem offenbar nicht tatenlos zusehen und eine Behörde mit dem Knacken der Kryptographie beauftragen.

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Hacker-Angriff

(Bild: dpa, Oliver Berg/Symbol)

Die Bundesregierung will einem Medienbericht zufolge eine neue Behörde einrichten, die Verschlüsselung und eigentlich abhörsichere Kommunikationstechnik knacken soll. Sicherheitsbehörden und Geheimdienste sollen angesichts der steigenden Beliebtheit von Verschlüsselungstechniken in die Lage versetzt werden Kommunikation weiter mitlesen zu können, berichten Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR. Vertreter des Bundesinnenministeriums und des Kanzleramts sollen den Abgeordneten der Koalitionsfraktionen die Pläne vorgestellt haben. Demnach wolle die Bundesregierung zwar keine Pflicht zur Schwächung von Kryptographie oder zur Einführung von Hintertüren, aber auch nicht auf den Zugriff auf Kommunikation verzichten.

Die neue Behörde soll dem Bericht zufolge "Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich (Zitis)" heißen und bereits 2017 ihre Arbeit aufnehmen. Sie solle als Dienstleister der Bundespolizei, dem Bundeskriminalamt und dem Verfassungsschutz zuarbeiten, aber nicht selbst überwachen. Bis 2022 soll die Behörde 400 Mitarbeiter beschäftigen, gesucht würden dafür vor allem IT-Spezialisten. Sie sollen die Techniken entwickeln, um Verschlüsselung zu umgehen, oder diese einkaufen beziehungsweise von befreundeten Staaten beschaffen. Das bezieht sich offenbar auf Sicherheitslücken, die von Herstellern noch nicht entdeckt wurden ("Zero-Days"), wie sie beispielsweise von der US-Bundespolizei FBI im Fall des iPhones der Attentäter von San Bernardino genutzt wurden.

Grund für den Schritt sei offenbar die zunehmende Verbreitung von Verschlüsselung, durch die Kommunikationsdienstleister wie etwa WhatsApp selbst keinen Zugriff mehr auf Inhalte haben, heißt es in dem Bericht weiter. Für Sicherheitsbehörden wird es dadurch offenbar schwieriger, Kommunikation mitzulesen. Die Bundesregierung bekennt sich demnach entgegen früherer Wünsche von Innenminister Thomas de Maizière zu Verschlüsselung zum Schutz von Kommunikation, will aber selbst nicht außen vor bleiben. Außerdem sei es auch nicht mehr geplant, Telekommunikationsanbieter zur Herausgabe von Kommunikationsdaten zu verpflichten und auch keine Hintertüren – die die Sicherheit insgesamt beeinträchtigen – zu fordern. (mho)

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