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Cyanogen: Microsoft investiert angeblich in Android-Rebellen

Der US-Softwareriese lässt einem Bericht zufolge ein paar Millionen für Cyanogen Inc springen. Das geht gegen Google: Die Android-Rebellen wollen Google die Kontrolle über das Betriebssystem entreißen.

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Cyanogen: Microsoft investiert angeblich in Android-Rebellen

Microsoft beteiligt sich an einer rund 70 Millionen US-Dollar schweren Investition in Cyanogen, berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen. Das Unternehmen Cyanogen Inc, vetreibt eine kommerzielle Version des von einer Community entwickelten Android-Derivats CyanogenMod. Neben Microsoft sind dem Bericht zufolge noch andere namhafte Investoren an einem Einstieg interessiert, was die Investitionssumme noch erhöhen könne.

Im vergangenen Jahr wurden neben Microsoft auch Yahoo, Samsung und Amazon mit Cyanogen in Verbindung gebracht. Wer auch immer in das Unternehmen investiert, dürfte dabei vor allem ein Interesse haben: Googles Kontrolle über die Mobilsphäre zu brechen. Das von Google initiierte Android hat allein bei Smartphones einen Marktanteil von über 80 Prozent.

Doch Google knüpft die Nutzung des Systems an Bedingungen, klagen verschiedene Hersteller und Wettbewerber. So soll der Suchmaschinenkonzern seine Anwendungen und Dienste auf Smartphones und Tablets bringen und die Konkurrenz benachteiligen. Ein Vorwurf, dem auch die EU-Kartellwächter inzwischen nachgehen. Cyanogen ist angetreten, Google diese Kontrolle über Android – und damit den Markt – zu entreißen.

"Wir wollen Google Android wegnehmen", sagte der selbstbewusste CEO Kirt McMaster vergangene Woche auf einer Android-Konferenz in San Francisco. "Unsere Version von Android ist offener, damit können wir mehr Partner an Bord holen und ihren Diensten direkten Systemzugang ermöglichen." Ein Privileg, das bei Android Google für seine Apps beansprucht. Auch CyanogenMod selbst ist Google ein Dorn im Auge: Die App zur Vereinfachung der Installation des Systems flog aus dem Play Store.

Für andere Unternehmen, die auf Google und Android angewiesen sind, ist ein offeneres System eine interessante Option. Samsung sucht schon länger einen zweiten Weg, um der Abhängigkeit von Google zu entgehen, kommt aber mit dem eigenen Tizen nicht richtig voran. Für Yahoo ist es eine Option, seine Dienste – wie etwa den eigenen Launcher – in ein Smartphone-System zu integrieren. Auch Amazon spielt im Geschäft mit Android-Geräten keine kleine Rolle.

Auch Microsoft kann von Cyanogens Offenheit profitieren. Der neue CEO Satya Nadella hat sich von der Strategie seines Vorgängers verabschiedet, dass Redmond eine Burg ist und alles selbst machen muss. Nadella erkennt an, dass viele Menschen andere Plattformen nutzen und Microsoft als Diensteanbieter auf diesen präsent sein muss. Office für iOS und Android war unter Ballmer nur schwer vermittelbar. Und schließlich könnte Cyanogen auch ein zweites Standbein sein, wenn sich Windows Phone als dauerhaft zu schwach erweisen sollte.

Analysten sehen in Cyanogen einiges Potenzial. "Cyanogen könnte eine größere Chance haben, ein drittes Mobil-Ökosystem zu etablieren als Microsoft", sagte Investmentbanker Rajeev Chand dem Wall Street Journal. Insbesondere in China seien alternative Android-Versionen sehr beliebt. Doch auch für Cyanogen ist der Weg ins Big Business ein steiniger: Nach einem Streit um Exklusivitätsrechte in Indien ist der chinesische Hersteller OnePlus wieder abgesprungen und entwickelt jetzt sein eigenes Android-Mod.

Update: Korrektur der Microsoft-Beteiligung im ersten Absatz. Der Windows-Konzern ist nur mit einer Minderheit an der Investitionsrunde beteiligt und trägt die genannten 70 Millionen nicht alleine. (vbr)

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