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Cyber-Attacke: Israelische Armee reagiert mit Bombenangriff im Gaza-Streifen

Israels Armee wehrt einen Cyber-Angriff ab und zerstört anschließend das Gebäude, von dem er ausgegangen sein soll. Es wäre der erste Fall dieser Art.

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Die israelische Armee IDF (Israel Defence Forces) hat nach eigenen Angaben auf einen nicht näher spezifizierten Cyber-Angriff mit dem Bombardement eines Hauses im Gaza-Streifen reagiert. Dabei soll die Operationszentrale zerstört worden sein, von der der Angriff ausging.

Dies wäre der erste dokumentierte Fall eines Militärschlags als unmittelbare Reaktion auf einen Cyber-Angriff. Die IDF schreibt die Attacke der islamistischen Terrororganisation Hamas zu.

Der Cyber-Angriff soll am Samstag begonnen haben und sei zunächst von zwei Spezialeinheiten der IDF und einer Gruppe des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet gestoppt worden, berichtet die Times of Israel. Aus dem Gaza-Streifen wurden zudem in den vergangenen Tagen hunderte Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert, worauf die israelische Armee mit Bombardements militärischer Ziele in dem Palästinensergebiet reagierte; auf beiden Seiten gab es zahlreiche Tote und Verletzte.

Zu Art und Umfang des Cyber-Angriffs sowie zur Abwehrmethode machte ein namentlich nicht genanntes Militärmitglied in der Times of Israel keine genauen Angaben – der Angriff sei "wenig fortschrittlich" gewesen und habe "die Lebensqualität der israelischen Bürger schädigen" sollen. Man sei den Angreifern jedoch jederzeit "einen Schritt voraus" gewesen. Die IDF schreibt die Aktion der Terrorgruppe Hamas zu. Nach der Abwehr des Angriffs bombardierten IDF-Kampfjets das Gebäude im Gaza-Streifen, in dem sich das Hauptquartier der Cyber-Einheit der Hamas befunden haben soll.

Auf Twitter veröffentlichte die IDF zudem ein Bild vom Gebäude des angeblichen Hamas-Cyberhauptquartiers vor seiner Zerstörung und schrieb dazu, man habe es ins Visier genommen – das Haus ist im Bild rot markiert. In Anspielung auf ausführbare Windows-Dateien folgt die zynische Bemerkung: "HamasCyberHQ.exe wurde entfernt" (HamasCyberHQ.exe has been removed").

Ein IDF-Sprecher sagte, nach diesem Luftschlag habe die Hamas keine Cyber-Kapazitäten mehr. Der IDF-Sprecher veröffentlichte zudem auf seinem Twitter-Account ein kurzes Video, das die Bombardierung zeigen soll.

Dass Staaten Cyber-Attacken zum Schutz ihrer Infrastruktur mit entsprechenden Gegenschlägen beantworten, ist unter dem Begriff "Hackback" seit Längerem in der Diskussion und bereits ein diplomatisch akzeptiertes Mittel geworden. Auch die Bundeswehr sieht sich mit ihrem neuen "Zentrum Cyber-Operationen" für solche Abwehrschläge gerüstet, und der Einsatz wird von Innenminister Seehofer befürwortet. Allerdings dürfte der Vorfall im Gaza-Streifen der erstmals dokumentierte bewaffnete militärische Angriff als unmittelbare Reaktion auf eine Cyber-Attacke darstellen.

Bereits 2011 hatten die USA erwogen, Hackerangriffe auf ihre IT-Infrastruktur zum Kriegsgrund gegen fremde Staaten zu erklären. Inzwischen diskutieren die Staaten der westlichen Bündnisse – EU, NATO und G7 – über eine neue "Cyberdiplomatie", die ab einer bestimmten Stufe der Eskalation eines Konflikts auch militärische Schläge als Abwehrmittel bei Cyber-Attacken einschließt. (tiw)