Cyberbunker: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Betreiber

Das Rechenzentrum in einem Bunker an der Mosel soll als Basis für viele Verbrechen gedient haben. Die Staatsanwaltschaft will dem Hoster Beihilfe nachweisen.

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Ein Raum in dem "Cyberbunker"

(Bild: Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz)

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Ein halbes Jahr nachdem die Polizei die Räume eines "Bulletproof Hosters" in Traben-Trarbach an der Mosel durchsucht hatte, erhebt die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz Anklage gegen vier Niederländer, drei Deutsche und einen Bulgaren. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeschuldigten Beihilfe zu zahlreichen Straftaten vor, darunter Drogenhandel, Botnetz-Attacken und Datenhehlerei. Auch Links zu Kinderpornografie und Mordaufträge fanden sich auf den Servern.

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Ende September hatten mehr als 700 Einsatzkräfte das Gelände des Bunkers in Traben-Trarbach durchsucht und mehr als 800 Server vom Netz genommen, darunter viele virtuelle Server. Vorangegangen waren vier Jahre strafrechtliche Ermittlungen, die schließlich zum Zugriff führten. Seither sind sechs der Angeschuldigten in Untersuchungshaft. Ein Zwanzigjähriger wartet in Freiheit auf die Verhandlung, die wegen des geringen Alters zweier Beschuldigter vor der Jugendkammer des Landgerichts in Trier geführt werden soll.

Das Verfahren sei komplex, erläuterte Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer bei der Vorstellung der Ermittlungsergebnisse am Dienstag. Auf der einen Seite stellen die technischen Ermittlungen die Polizei vor Kapazitätsprobleme. So wurden Datenspeicher mit einer Kapazität von insgesamt zwei Petabyte beschlagnahmt, die von einer zwanzigköpfigen Sonderkommission und zuarbeitenden Polizeibehörden in den vergangenen Monaten grob gesichtet wurden.

"Cyberbunker" in Traben-Trarbach (122 Bilder)

Das Gelände
(Bild: Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz)

Eine Herausforderung war es auch, auf das interne Mailsystem des "Cyberbunkers" zuzugreifen. Einige vollverschlüsselte Server konnten die Ermittler noch nicht sichten. Die interne Kommunikation zwischen Hoster und Kunden war zentral, um den Angeschuldigten nachzuweisen, dass sie nicht lediglich als technische Dienstleister agierten, die von der Haftung ausgeschlossen sind, sondern willentlich an den Straftaten mitwirkten.

Gegen die Cyberbunker-Betreiber konnten die Ermittler allerdings nicht alleine vorgehen. "Nach deutschem Recht bedeutet Beihilfe, dass immer auch eine Haupttat vorliegt", erläuterte Oberstaatsanwalt Jörg Angerer. Deshalb mussten die Ermittler auch erst die Straftaten selbst aufklären, die auf den vom Cyberbunker gehosteten Websites verübt wurden. Hier halfen unter anderem die Staatsanwaltschaft in Köln und Frankfurt aus.

Bei der Suche nach Straftaten hatten die Ermittler eine reiche Auswahl: So gehörte der "Wall Street Market" zu den Kunden des Cyberbunker, wo laut bisherigen Erkenntnissen unter anderem 2,6 Tonnen Marihuana, 160 Kilo Kokain und 68 kg Methamphetamin gehandelt wurden. Auf einem anderen Server fanden die Ermittler etwa den Darknet-Marktplatz "Flugsvamp", über den 90 Prozent des Online-Drogenhandels in Schweden abgewickelt worden sein soll.

Auch das Mirai-Botnetz, das mehr als eine Million Telekom-Router zum Absturz brachte, wurde auf Servern in Traben-Trabach verwaltet. Der Urheber der Attacke wurde bereits 2017 in Köln verurteilt. Von Phishing-Diensten bis hin zu illegalen Streaming-Portalen fand sich fast alles auf den Servern. Nur eins fehlte: Legale Angebote fanden die Ermittler nach eigenen Angaben bisher nicht.

Die Staatsanwaltschaft ist zuversichtlich, die Beteiligung der Cyberbunker-Betreiber gerichtsfest nachweisen zu können. Dabei beschränken sich die Strafverfolger aber auf nur sieben Tatkomplexe. "Das liegt schlicht am Aufwand, den die Auswertung der sichergestellten Daten gemacht hat", erklärte Angerer. So müsse den inhaftierten Angeklagten baldmöglichst der Prozess gemacht werden.

Die Ermittlungen hätten die bisherigen Annahmen bestätigt, erklärte Angerer. So habe sich mittlerweile auch einer der Angeschuldigten ausführlich geäußert. Die restlichen Angeschuldigten schweigen aber bisher zu den Vorwürfen. Voraussichtlich im Sommer soll der Prozess in Trier beginnen. Die Aufarbeitung der gefunden Daten soll nach Angaben des LKA mehrere Monate bis zu einem Jahr dauern. Eigens eingestellt werden fünf neue Daten-Ermittler, die baldmöglichst die Arbeit aufnehmen sollen. (vbr)