Cybercrime: Das Dunkelfeld wird größer

Das Bundeskriminalamt (BKA) und der Branchenverband Bitkom haben das Bundeslagebild Cybercrime sowie eine Bitkom-Umfrage zum Stand der Cyberkriminalität vorgestellt. Diese wächst im Dunkeln.

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Von
  • Detlef Borchers

Laut dem am Mittwoch vom Bundeskriminalamt (BKA) vorgelegten Bundeslagebild Cybercrime ist die Zahl der Internet-Verbrechen im vergangenen Jahr kaum größer geworden. Für 2013 verzeichnet das BKA insgesamt 64.426 Fälle, nachdem im Vorjahr 63.959 Vorfälle gemeldet worden waren – eine Zunahme von einem Prozent. Deutlich angestiegen ist die auch Zahl der Fälle, die das BKA dem Bereich "Datenveränderung / Computersabotage" zuordnet. Hier verzeichnet das BKA ein Plus von 16 Prozent auf 12.766 Straftaten. Laut einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom waren im vergangenen Jahr die Hälfte der Befragten mit Cyberangriffen konfrontiert.

BKA-Chef Jörg Ziercke und Bitkom-Präsident Dieter Kempf erläutern das Lagebild Cybercrime.

(Bild: Bitkom)

Insgesamt soll das Dunkelfeld bei Delikten wie Computersabotage, Online-Phishing und Erpressung mit Ransomware nach Aussagen von BKA-Chef Jörg Ziercke jedoch elfmal so groß sein. Der deutliche Unterschied im Vergleich zu den aktuellen Fallzahlen beruht laut BKA vor allem darauf, das bei der Berechnung des Dunkelfelds Fälle berücksichtigt werden, in denen allgemein das "Tatmittel Internet" zum Einsatz kam. BKA-Chef Ziercke warnte, dass das Gefährdungspotenzial für jeden Internetnutzer unverändert hoch sei. Kriminelle würden schnell und flexibel auf neue Sicherheitsstandards reagieren und ihre Methoden anpassen.

Damit die Strafverfolger nicht ins Hintertreffen geraten, forderte Ziercke "geeignete rechtliche Grundlagen und zeitgemäße Instrumente", um den Cyberkriminellen wirksam entgegentreten zu können. Der BKA-Chef forderte am Mittwoch in Berlin die Verkehrsdatenspeicherung und stimmte damit in den Tenor derjenigen ein, die sich für die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung aussprechen. Zudem wird Ziercke in der mit der Forderung zitiert, dass ein Schulterschluss von Strafverfolgungsbehörden, Wissenschaft und der Privatwirtschaft dringend geboten sei.

Seitens der Privatwirtschaft stellte Dieter Kempf vom Branchenverband Bitkom die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage unter 1000 Internetnutzern vor. Danach seien 55 Prozent der Befragten im vergangenen Jahr Opfer von Cybercrime geworden. Hochgerechnet wären dies also 29 Millionen Bundesbürger, die unter Cybercrime-Attacken gelitten hätten. Bei 40 Prozent der Befragten sei der Computer mit Schadprogrammen infiziert worden. Ziercke wie Kempf apellierten an die Bürger, Virenschutzsysteme und Firewall jeweils auf den neuesten Stand zu bringen.

In der Bitkom-Umfrage wird auch der Einfluss des NSA-Skandals deutlich: während 47 Prozent der Befragten vertrauliche Texte nicht mehr per Internet-Mail verschicken würden, sollen 16 Prozent der Befragten E-Mails verschlüsseln. Im Vorjahr waren dies nur 6 Prozent. Schwächer fiel der Anstieg bei der Nutzung von Anonymisierungsdiensten wie Tor aus; er stieg von 11 auf 16 Prozent. "Die stärkere Nutzung von Diensten zur Verschlüsselung und Anonymisierung ist eine direkte Folge der Abhöraffäre“, erklärte Kempf. Die Nutzung dieser wichtigen Verfahren stelle für viele Bundesbürger eine technische Hürde da, die "zu hoch" sei. Ein Drittel der Befragten scheue den technischen Aufwand. (vbr)