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Cybercrime: Task-Force der Polizei deckt Millionen-Betrug auf

Seit einem Jahr jagen Spezialeinheiten der niedersächsischen Polizei Kriminelle im Internet. Die Göttinger "Task-Force Cybercrime" hat jetzt einen großen Fang gemacht – darunte auch über 1000 wohl ahnungslose Helfer.

Cybercrime: Task-Force der Polizei deckt Millionen-Betrug auf

Task-Force Leiter Oliver Knabe stellt mit Innenminister Boris Pistorius die Ergebnisse im "EK Assistent" vor.

(Bild: Polizei Göttingen)

Internet-Spezialisten der Göttinger Polizei haben eine europaweit operierende Betrügerbande aufgespürt. Das Netzwerk habe Online-Versandhändler in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern um Waren im Wert von mindestens zehn Millionen Euro gebracht, sagte der Leiter der "Task-Force Cybercrime", Oliver Knabe, am Montag.

Beim "Ermittlungskomplex Assistent" geht es um einen groß angelegten Betrug. Die Ermittler sprechen von einem europaweiten und beständig weiterlaufenden Betrugs- und Geldwäschenetzwerk, welches Schäden im Millionen Euro-Bereich verursacht haben soll. Knabe sprach von einem Fall von straff und hierarchisch organisierter Kriminalität.

Mit einem großen Netzwerk von im Internet angeheuerten Helfern, die über die betrügerischen Vorgänge im Dunkeln gelassen wurden, haben die Täter hochwertige Waren bei Versandhändlern in Deutschland und anderen europäischen Ländern bestellt – darunter Smartphones und Drohnen. Die als "Warenassistent" oder "Verzollungsassistent" beschäftigten Helfer haben die Waren an ihrer Adresse entgegengenommen und weitergeleitet. Die Koordination der Warenagenten und -ströme erfolgte über eine Website auf einem Server in Rumänien, auf den die Ermittler Zugriff erlangen konnten.

Viele E-Mail-Nutzer kennen diese Mails, mit der solche Täter seit Jahren ahnungslose Helfer anwerben wollen. Damit das Arbeitsangebot seriös wirkt, übersenden die Täter den zunächst gutgläubigen Warenagenten sogar Arbeitsverträge. Damit gelangen die Täter nach Erkenntnissen der Polizei an die Personaldaten der Helfer, mit denen dann Kundenkonten eingerichtet und Bestellungen aufgegeben werden. Dabei kommen auch abgephishte Kreditkartennummern zum Einsatz.

"Bestellt wurde dabei eigentlich alles, was sich hinterher leicht zu Geld machen lässt", sagte Knabe. Bisher sind den Ermittlern etwa 18.000 entsprechende Einzeltaten bekannt und es wurden über 1000 Warenagenten ermittelt. Was die nicht wussten: Wer widerrechtlich erlangte Waren weiterleitet, kann sich als Geldwäscher strafbar machen, betont die Polizei. Zudem seien sie unter Umständen auch den zivilrechtlichen Forderungen der geschädigten Verkäufer ausgesetzt.

Die Göttinger Spezialeinheit mit derzeit 16 Mitgliedern war ebenso wie 11 weitere Internet-Task Forces der niedersächsischen Polizei im Oktober 2016 gegründet worden. Innenminister Boris Pistorius (SPD) würdigte die bisherigen Erfolge der Sonderermittler am Montag bei einem Besuch in Göttingen. Zugleich kündigte er an, dass die Polizei mehrere Dutzend weitere externe IT-Experten anheuern werde, um den Kampf gegen Internet-Kriminelle weiter zu verstärken. (Mit Material der dpa) / (vbr)

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