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Cybermobbing: Bericht beklagt Gewaltzunahme gegen Lehrer

Nicht nur Schüler leiden unter Cybermobbing sondern auch zunehmend Lehrer. Neben psychischer und gefühlter Gewalt nehme auch die physische Gewalt zu. Das geht aus einem Bericht des Bayerischen Kultusministeriums hervor.

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(Bild: dpa, Nicolas Armer)

Das Bayerische Kultusministerium hat dem Bildungsausschuss im Landtag am Donnerstag in München einen Bericht zu Gewalt gegen Lehrkräfte vorgelegt. Demnach seien Lehrer zunehmend Verleumdungen, Beleidigungen oder Bloßstellungen in Sozialen Netzwerken ausgesetzt.

Der Bericht beklagt, dass es nicht beim Cybermobbing bleibe, sondern auch die physische Gewalt gegen Lehrer zunehme. Offen lässt der Bericht, wie hoch die Anzahl von Cybermobbing-Fällen in Bayern ist, da das Kultusministerium zum Schutz der Pädagogen keine Zahlen erhebe.

Schüler nehmen nicht nur Mitschüler verstärkt öffentlich aufs Korn, sondern haben es auch leicht, wenn sie sich an einen Lehrer rächen wollen. In Sozialen Netzwerken lassen sich ungeliebte Lehrer recht einfach namentlich an den virtuellen Pranger stellen. Mit anonymen Social-Media-Accounts oder über die ebenfalls anonyme Schülerbeichte auf Instagram können Kinder und Jugendliche einzelne Lehrer diffamieren, ohne befürchten zu müssen, erkannt zu werden.

Besonders problematisch: Die Beiträge sind öffentlich zugänglich und über einen langen Zeitraum verfügbar. Für die betroffenen Lehrer ist das ein Problem, denn sie sehen sich dadurch hohem psychischen Druck ausgesetzt. Zum einen schürt es Ängste, als Pädagoge versagt zu haben, zum anderen sich eingestehen zu müssen, die Kindern und Jugendlichen nicht im Griff zu haben. Dazu kommt der Druck, dass Vorgesetzte mitlesen könnten und entsprechende Untersuchungen starten oder die Leistung des Lehrers schlecht beurteilen.

Viele Lehrer bemängeln, in solchen Situationen von ihrem Dienstherr allein gelassen worden zu sein. Der Landtag hatte deshalb die Staatsregierung im Oktober 2017 damit beauftragt, über die bestehenden Unterstützungsangebote und Präventionsmaßnahmen bezogen auf Gewalt gegen Lehrkräfte zu berichten. Dabei ging es sowohl um psychische, physische sowie gefühlte Gewalt.

"Der Bericht des Staatsministeriums enthält viele Präventions- und Unterstützungsangebote wie etwa kollegiale Fallberatung oder das Programm PIT - Prävention im Team", sagte der bildungspolitische Sprecher der Freien Wähler, Michael Piazolo. Entscheidend sei aber, Gewalt gegen Lehrer zu verhindern. Vor allem Cybermobbing gegenüber Lehrern sei zu einem großen Problem geworden. „Auch wenn hier das Staatsministerium verstärkt an Maßnahmen arbeitet, muss es zeitnah Lösungen präsentieren.“

Der Bericht enthält keine konkreten Zahlen, denn anders als bei anderen Ministerien werden vom Kultusministerium dazu keine Erhebungen durchgeführt. Außerdem sind Lehrer nicht dazu verpflichtet, ihre Vorgesetzten über Cybermobbing-Fälle zu informieren. Das gilt nur für schwere Straftaten wie Körperverletzungen oder Erpressung. Experten gehen deshalb davon aus, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt. An eine verpflichtende Meldung und eine genaue Erhebung der Vorfälle denkt das Kultusministerium derzeit nicht. Man befürchtet, Lehrer könnten dadurch abgeschreckt werden, sich Rat und Hilfe bei der kollegialen Fallberatung oder PIT zu suchen.

Ansonsten bleibt den Lehrern nur die Strafverfolgung. Der Vorsitzende des Bayerischen Realschullehrerverbands (brlv), Jürgen Böhm, sagte: "Jedem Schüler muss klar sein, dass Cybermobbing kein harmloser Streich ist, sondern eine Straftat, die geahndet wird und weitreichende Konsequenzen hat." (mit Material der dpa) / (olb)

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