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Cyberpunk 2077: Coole Hacker mit Street Credibility

Cyberpunk 2077 ist das spannendste Spiel der Gamescom 2019. In der Demo zeigen die Entwickler, wie geschickt sie Shooter-Gameplay mit RPG-Mechaniken verbinden.

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(Bild: CD Projekt Red)

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CD Projekt Red weiß schon lange, wie man tolle Geschichten erzählt. Die Witcher-Spiele haben aber eine Schwäche gemeinsam: Das Gameplay, vor allem das Kampfsystem, konnte mit der ansonsten tollen Inszenierung nie so ganz mithalten. Mit dem kommenden Cyberpunk 2077 könnte sich das ändern. Shooter funktionieren als Videospiel bekanntermaßen gut, vertragen sich aber nicht immer mit RPG-Elementen. Auf der Gamescom-Präsentation beweist CD Projekt aber, dass man brachiale Shooter-Action doch hervorragend mit Rollenspiel-Fertigkeitsbäumen unter einen Hut bringen kann.

Die Gamescom-Demo entsprach großteils der Präsentation, die CD Projekt auf der E3 dem anwesenden Fachpublikum gezeigt hat. Selbst Hand anlegen konnten wir auch auf der Gamescom noch nicht, eine Entwicklerin spielte live vor. Zum ersten Mal bekamen wir aber die deutsche Sprachausgabe zu hören, die gut gelungen ist. Keanu Reeves, der die Figur Johnny Silverhand spielt und spricht, bekommt in der deutschen Fassung die Stimme von Benjamin Völz, der Keanu auch in den Filmen spricht.

Bei der in der Demo gezeigten Version sprang CD Projekt Red zwischen zwei verschiedenen Charakter-Bauvorschlägen hin und her, um verschiedene Herangehensweisen aufzuzeigen. Eine der beiden Figuren konnte gut hacken, die andere war eher auf physische Konfrontation ausgelegt. In Cyberpunk 2077 gibt es fünf Attribute für den Charakterbau: Körper (eine Mischung aus Kraft und Konstitution), Intelligenz, Reflexe, Technik und Coolness – die Cyberpunk-Version des traditionellen Charisma. Alle Attribute zweigen in untergeordnete Skills aus.

Nicht im Fähigkeitsbaum gelistet, aber trotzdem ganz wichtig: Street Credibility. Je mehr Ruf man sich im Spielverlauf aufbaut, desto mehr kosmetische Gegenstände werden für den Kauf freigeschaltet. Die Entwickler wollen, dass die Spieler den Style ihres Avatars ausführlich auf die eigenen Wünsche anpassen können.

Die Attribute und Fähigkeiten eröffnen in Cyberpunk 2077 eine Menge Möglichkeiten, gewitzt mit der Umwelt zu interagieren. Hacker können in den meisten Videospielen Türen hacken und Geschütztürme manipulieren. Das geht natürlich auch in Cyberpunk, man kann sogar Getränkeautomaten knacken, um Feinde mit einem Dosenreigen abzulenken. CD Projekt geht aber gleich mehrere Schritte weiter: In der Gamescom-Demo zwingt die Hacker-Spielfigur etwa einen zum Training abgestellten Boxroboter dazu, den menschlichen Sparringspartner bewusstlos zu schlagen.

Cyberpunk 2077 (11 Bilder)

(Bild: CD Projekt Red
)

Ein weiterer Gegner möchte gerade an einem smarten Fitness-Gerät Gewichte stemmen. Mit Hacker-Skills kann man die Maschine dazu überreden, maximales Gewicht auf die Stange zu laden – und den hilflosen Fitness-Freak damit zu zerquetschen. Weil diese Hacking-Tricks ins Level-Design integriert sind, soll man in Cyberpunk also immer wieder neue kreative Möglichkeiten entdecken, Unheil zu stiften.

Im weiteren Missionsverlauf erhält die Spielfigur dann noch Zugriff auf das Intranet der Bösewichte, das über den eingebauten Chip auch in den Körpern jedes Gegners läuft. Für den Hacker ist das praktisch die finale Evolution: Er kann seine Gegner nun zum Beispiel dazu zwingen, sich selbst die Kugel zu geben oder eine am Körper getragene Granate zu zünden. Das ist wie Deus Ex auf Steroiden.

CD Projekt Red holt die RPG-Systeme, die bei vielen Spielen einigermaßen unbemerkt im Hintergrund laufen, und stellt sie für jeden sichtbar ins Zentrum des Geschehens. Statt kleiner Boni auf Schaden und Lebenspunkte bekommt man hier Fähigkeiten an die Hand, die das Gameplay unmittelbar bereichern. Die Haudrauf-Variante der Spielfigur konnte zum Beispiel verschlossene Türen aufhebeln und einem feindlichen Geschützturm die Schusswaffe entreißen, um sie im Anschluss selbst zu verwenden. Damit könnte Cyberpunk eine Symbiose aus RPG und Shooter gelingen, die man nur selten findet.

(Quelle: Microsoft)

Dabei hilft, dass CD Projekt keine Angst vor erwachsenen Inhalten hat. Wird ein Gegner getroffen, dann sieht man das auch – nicht anhand schwebender Schadenszahlen, sondern durch fliegende Körperteile. Das macht die gewaltsamen Konfrontationen in Cyberpunk 2077 extrem intensiv. Wer mag, darf das Action-RPG aber auch pazifistisch angehen. Laut CD Project Red kann Cyberpunk 2077 durchgespielt werden, ohne einen einzigen Gegner zu töten. Nur wer hat angesichts all der kreativen Kampf-Fertigkeiten schon ausreichend Disziplin dafür?

Bleibt nur zu hoffen, dass CD Projekt Red das hohe Niveau des Demo-Levels über das gesamte Spiel durchhält. Cyberpunk 2077 kommt im April 2020 für PC, Xbox One und PS4 in den Handel. Eine Version für Google Stadia soll im weiteren Verlauf des Jahres folgen.

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(Bild: heise online / wie)

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(dahe)