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D21-Digital-Index: 84 Prozent der Deutschen sind online

Die deutsche Gesellschaft wird langsam digitaler, doch es öffnet sich eine Kluft zwischen Stadt und Land.

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D21-Digital-Index: 84 Prozent der Deutschen sind online

Es geht ein wenig voran mit der digitalen Gesellschaft in Deutschland. Mit Stand Sommer 2018 waren 84 Prozent der deutschen Bevölkerung online, was einem Zuwachs von drei Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr entspricht. Nach einer mehrjährigen Stagnation ist der Digitalisierungsgrad zugleich zum zweiten Mal in Folge um zwei Zähler gestiegen und liegt mit 55 Punkten auf seinem bisherigen Höchststand. Dieser Index soll für den Grad der gesellschaftlichen Digitalisierung der Bevölkerung in Privat- und Arbeitsleben stehen.

Die Zahlen stammen aus der Studie zum digitalen Lagebild der Republik für die Jahre 2018/19 der Initiative D21, die das seit 1999 bestehende Netzwerk aus Politik und Wirtschaft am Dienstag in Berlin im Beisein von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Facebook-Managerin Sheryl Sandberg vorgestellt hat.

Für die repräsentative Untersuchung haben Meinungsforscher von Kantar TNS im Auftrag von D21 Interviews mit 20.406 Teilnehmern ab 14 Jahren zwischen August 2017 und Juli 2018 durchgeführt. Um den Index zu errechnen, haben sie die Komponenten Zugang, Nutzung, Kompetenz und Offenheit gegenüber Digitaltechniken zusammengefasst.

Die Zunahme des Digitalisierungsgrads ist schon in den vergangenen fünf Jahren vor allem auf eine bessere technische Ausstattung zurückzuführen: Nur beim Subindex "Zugang" verzeichnen die Demoskopen eine "nachhaltig positive Entwicklung". Der Zuwachs speist sich maßgeblich aus der zunehmenden Verbreitung des mobilen Internets, das inzwischen 68 Prozent der Bevölkerung bei einem Plus von vier Prozentpunkten einsetzen.

Die Werte bei Nutzungsverhalten und Kompetenz stagnieren, die Deutschen können also mit den Entwicklungen im Digitalumfeld nach Ansicht der Forscher "gegenwärtig gerade so Schritt halten". Der Faktor Offenheit nahm in den vergangenen fünf Jahren sogar geringfügig ab.

Die jüngere Generation ist bereits seit Längerem geradezu vollständig online. Die 50- bis 59-Jährigen ziehen seit Beginn der Messung kontinuierlich nach und nutzen heute zu über 90 Prozent das Internet. Die Generation zwischen 60 und 70 Jahren holt weiter stark auf und ist nun zu beinahe 80 Prozent online. Erst bei den über 70-Jährigen ist die Steigerungsrate deutlich verhaltener, hier ist noch immer mehr als jeder Zweite offline.

Die zunehmende Bindung gesellschaftlicher Teilhabe an die digitale Welt verdeutlicht auch Risiken, warnen die Autoren: Je mehr die Digitalisierung in den Alltag der meisten Menschen hineinwachse, umso mehr verlören die Abseitsstehenden den Anschluss. Momentan kommen noch 16 Prozent der Befragten nicht bewusst mit dem Internet in Berührung, das entspricht hochgerechnet rund zehn Millionen Menschen. Mangelndes Interesse und die Komplexität der digitalen Welt halten die meisten Offliner davon ab, sich ins Netz zu wagen.

Nach wie vor existieren zum Teil enorme Unterschiede in der Internetnutzung, insbesondere abhängig von Alter, Geschlecht oder Bildung. Eine weitere Kluft hat sich zwischen den Großstädten und dem ländlichen Raum aufgetan: Die Bewohner urbanen Raums haben mit 58 Indexpunkten einen um fünf Punkte höheren Digitalisierungsgrad als die Landbevölkerung.

Menschen in größeren Städten nutzen das Internet "länger, vielfältiger und häufiger". heißt es in der Studie. Ihre Kompetenzen seien höher, "die Offenheit ist deutlich größer". Auf dem Lande dominiere die "Gruppe der konservativen Gelegenheitsnutzer", während in der Großstadt eher "reflektierte Profis, progressive Anwender und Technikenthusiasten" das Bild prägten. Urbane Menschen bestellen insbesondere öfter Dienstleistungen im Internet oder streamen mehr als auf dem Land. Als Grund dafür vermuten die Forscher neben einer geringen Verfügbarkeit auch technische Hemmnisse in Form ungenügender Übertragungsraten.

Spitzenreiter bei der generellen Internetnutzung sind Hamburg, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein, sie teilen sich mit je 87 Prozent Platz eins. Lediglich die östlichen Bundesländer bleiben noch unter 80 Prozent. Bei der mobilen Internetnutzung setzt sich Berlin mit einem Sprung von elf Punkten mit 75 Prozent an die Spitze vor Hamburg und Bremen mit 73 Prozent.

Das beliebteste Endgerät der Deutschen ist mit 75 Prozent das Smartphone, auf Rang zwei bleibt das Notebook mit 64 Prozent. Wearables wie Fitnessarmbänder oder Smartwatches sowie Sprachassistenten wie Amazons Alexa oder Google Home sind Nischenprodukte mit einer Nutzungsrate von 5 beziehungsweise 4 Prozent. Knapp sechs Prozent verfügen über Erfahrungen mit Smart-Home-Anwendungen wie Heimrobotern oder vernetzten Haushaltsgeräten.

In Streamingdienste wie Netflix schauen vor allem die Jüngeren rein, etwa fast 40 Prozent der unter 30-Jährigen. In sozialen Medien sind zwei Drittel der Deutschen aktiv. Mit Abstand am weitesten verbreitet ist WhatsApp. Selbst bei den über 65-Jährigen chatten 20 Prozent darüber. Facebook ist bei 41 Prozent der Deutschen im Einsatz, YouTube nutzt jeder Dritte. Die beruflichen Netzwerke Xing und LinkedIn erreichen nur einen Bruchteil. Fast alle unter 30-Jährigen sind in sozialen Netzwerken aktiv. Die Quote liegt bei besser Gebildeten mit 78 Prozent deutlich höher als bei gering Gebildeten mit nur 42 Prozent.

Mit Anfeindungen in sozialen Netzwerken geht mittlerweile nach eigenen Angaben bereits die Hälfte der Befragten "souverän" um, das ist ein Anstieg von 13 Prozentpunkten gegenüber 2017. 57 Prozent trauen sich zu, "Fake News" zu identifizieren, acht Prozentpunkte mehr als beim vorherigen D21-Index. 61 Prozent geben an, mehrere Quellen bei der Internetrecherche anzuzapfen – ein Anstieg um fünf Punkte.

Das größte Unbehagen bereiten den Menschen autonome Fahrzeuge, 69 Prozent fühlen sich bei dieser Vorstellung unwohl. Ab einem Alter von 50 Jahren sind es sogar drei Viertel. Die höchsten "Wohlfühlwerte" erhalten Implantate zur Überwachung und medikamentösen Steuerung von Krankheiten. Im Bedarfsfall können sich 41 Prozent vorstellen, sich solche Geräte einsetzen zu lassen, nur ein Viertel fühlt sich damit eher unwohl.

Zunehmend erkannt haben die Bundesbürger, dass es viele Internetanwendungen nicht "kostenlos" gibt: Drei Viertel und damit fünf Prozentpunkte mehr als 2016 wissen, dass die Gegenleistung für kostenlose Apps in der Analyse gesammelter Daten besteht. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) erhöht bei einem Drittel das Vertrauen in einen verantwortungsvollen Umgang mit ihren persönlichen Daten: 37 Prozent gehen davon aus, dass Dritte damit sorgfältiger mit ihren Informationen umgehen. Nur 21 Prozent fühlen sich aber aufgeklärter über den Umgang mit ihren Daten.

Die meisten Fachbegriffe aus der digitalen Welt kennt die Mehrheit der Deutschen nach wie vor nicht. Folglich können viele Menschen dem öffentlichen Diskurs über technikgetriebene aktuelle und künftige Entwicklungen in der Arbeitswelt, der Medizin oder im Heimbereich nur eingeschränkt folgen. Aktuell traut sich etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung zu, "Cloud" oder "Künstliche Intelligenz" zu erklären oder deren Bedeutung zu kennen. Nur noch zwei von fünf Befragten können "Algorithmus" einordnen, mit "Bots" nur 19, mit "Smart Meter" nur neun Prozent etwas anfangen. Viele verbinden selbst Begriffe, die sie angeblich verstehen, mit falschen Erläuterungen.

Jeder dritte Onliner will künftig bewusst öfter offline sein, Tendenz steigend. Gerade die jüngere Generation der bis 30-Jährigen sowie Personen mit Bürotätigkeit wünschen sich mehr Digital Detox. Großstädter wollen dagegen am wenigsten auf das Internet verzichten. Insgesamt überwiegen aus Sicht der Deutschen die Vorteile der digitalen Welt: 41 Prozent finden, dass es negative Auswirkungen auf ihr tägliches Leben hätte, wenn es kein Internet und keine vernetzten Geräte mehr gäbe – 2013 waren es 29 Prozent. (olb)

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