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D21-Digital-Index: Deutsche fallen bei Internetkompetenz zurück

Einen Tag vor dem IT-Gipfel der Bundesregierung vermasselt ihr die neue Onliner-Studie die Laune: Deutschland verliert ein paar Meter auf dem Weg in die digitale Gesellschaft, droht die Anforderungen nicht zu meistern.

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Internetnutzung nach Bundesländern

(Bild: initiatived21.de)

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Allen digitalen Agenden und Strategien zum Trotz: Die Politik muss einen Tag vor dem "nationalen IT-Gipfel"eine neue Hiobsbotschaft der Marktforscher zu den Kompetenzen der Deutschen im Umgang mit Internet und Computern verdauen. Laut dem am Dienstag in Berlin vorgestellten D21-Digital-Index 2016 sind zwar inzwischen 79 Prozent der Bevölkerung online – das ist aber nur ein Prozentpunkt mehr als 2015.

Noch schwererer wiegt, dass sich der Gesamtindex, der für den Grad der gesellschaftlichen Digitalisierung der Bevölkerung in Privat- und Arbeitsleben stehen soll, sogar leicht verschlechtert hat: Er sank von 52 auf 51 von 100 erreichbaren Punkten und liegt damit wieder auf dem Stand von 2013. Damals hatten die Auguren erstmals die neue Messgröße eingeführt.

Gerätenutzung nach Alter und Berufstätigkeit

(Bild: initiatived21.de)

Die miesen Zahlen stammen aus einer repräsentativen Umfrage, die Kantar TNS im Auftrag der Initiative D21 zwischen März und August durchführte. Ein Fazit: "Auch in diesem Jahr hält die Gesellschaft gerade so mit den steigenden Anforderungen der Digitalisierung mit." Insbesondere in den Dimensionen Kompetenz und Offenheit schneidet die Bevölkerung im Vergleich zum Vorjahr um 5 beziehungsweise 4 Punkte schlechter ab.

Der leichte Zuwachs beim Internetzugang geht vor allem aufs Konto der Generation 50 plus. Insbesondere die über 70-Jährigen legen hier sechs Prozentpunkte zu. Die 14- bis 49-Jährigen warem zuvor schon fast ausnahmslos online. Parallel wird das Internet zunehmend mobil. So haben 66 Prozent der Deutschen Smartphones, während es im vorigen Jahr 60 Prozent waren. Insgesamt gehen jetzt 59 Prozent mobil ins Netz, fünf Prozentpunkte mehr als 2015. Der harte Kern der Offliner liegt bei 18 Prozent.

72 Prozent der Bevölkerung nutzen Suchmaschinen, 37 Prozent beziehen mehrere Quellen mit ein und nicht mehr als 15 Prozent betrachten Ergebnisse jenseits der ersten Trefferseite. Etwa die Hälfte der Deutschen hat keine Erfahrung oder Kompetenz beim Online-Banking und beim Posten in sozialen Netzwerken. Mit Begriffen der digitalen Welt kennen sich viele nicht aus: Apps sind zwar 72 Prozent bekannt, Cloud und Cookies aber nur noch je 52 Prozent, Industrie 4.0 sagt nur 15, Big Data 14 und Share Economy 13 Prozent etwas. Mit "Smart Meter" können nur 5, mit dem Pendant "intelligenter Stromzähler" immerhin 22 Prozent etwas anfangen.

"Selbst Berufstätige und Bessergebildete stehen vielen neuen Anwendungen und Anforderungen mit eher niedriger bis mittlerer Digitalkompetenz gegenüber", heißt es in der Studie. Probleme würden oft noch autodidaktisch gelöst. Institutionalisierte, systematische Weiterbildung durch und in den Unternehmen finde deutlich seltener statt, sei aber dringend nötig, "da die Gesellschaft mit der Komplexität der Digitalisierung scheinbar zunehmend schlechter zurechtkommt".

"Dass wir uns als Gesellschaft auf einem mittleren Digitalisierungsniveau bewegen und immer nur gerade so mit den Entwicklungen mithalten, darf uns nicht zufriedenstellen", erklärten Hannes Schwaderer und Robert Wieland aus der D21-Spitze. Digitalkompetenzen sollten als "zentrale Kulturtechnik im 21. Jahrhundert" gefördert werden. "Wir müssen sicheres Wissen aufbauen, um vor allem diffusen Ängsten entgegenwirken zu können." Digitale Logik zu verstehen sei unverzichtbar, um sich sicher und selbstbestimmt in der digitalen Welt zu bewegen.

Als "interessantes Ergebnis" wertete es Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), "dass die Zahl derjenigen steigt, die sich bewusst Zeit nehmen, offline zu sein". Dieses Vorhaben von 26 Prozent der Bürger signalisiere nicht Skepsis, sondern "einen souveränen Umgang mit der Digitalisierung". (anw)