D21-Digital-Index: "Die Deutschen haben Lust auf Digitalisierung"

Der harte Kern der Nonliner schmilzt auf 14 Prozent, der Digitalisierungsgrad steigt auf 58 von 100 Punkten. "Digitale Vorreiter" stellen die größte Gruppe.

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(Bild: Photographee.eu/Shutterstock.com)

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86 Prozent der deutschen Bevölkerung sind online, zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Zugleich hat der Digitalisierungsgrad der Gesellschaft um drei Zähler zugelegt und liegt bei 58 von 100 Punkten. Dieser Index steht für den Grad der gesellschaftlichen Digitalisierung der Bevölkerung im Privat- und Arbeitsleben. Grund für das Plus sind erstmals Steigerungen aller vier Subindizes Zugang, Nutzungsverhalten sowie Kompetenz und Offenheit gegenüber digitalen Themen.

Das sind Kernzahlen aus dem Lagebild der digitalen Gesellschaft für 2019/20 der Initiative D21. "Die Deutschen haben Lust auf Digitalisierung", interpretierte D21-Präsident Hannes Schwaderer die Ergebnisse. Es gebe aber auch noch viel zu tun, um die Menschen hierzulande "für den umfassenden Strukturwandel zu wappnen". Entscheidend sei dafür eine "zeitgemäße Bildung".

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Für die repräsentative Studie hat das Marktforschungsinstitut von Kantar im Auftrag von D21 20.322 Teilnehmer ab 14 Jahren zwischen August 2018 und Juli 2019 interviewt. Für einen erhöhten Zugang zum Netz sorgt wie vor hauptsächlich das Smartphone: Die mobile Internetnutzung ist um sechs Prozentpunkte auf 74 Prozent gestiegen. Auch 81 Prozent der Menschen zwischen 60 und 69 Jahren und 52 Prozent der über 70-Jährigen sind mittlerweile "drin". Die 90-Prozent-Marke bei Onlinern hat Hamburg erreicht, gefolgt von Berlin, Niedersachsen und Schleswig-Holstein mit je 88 Prozent.

Personen mit hoher Bildung sind zu 97 Prozent online, mit mittlerer zu 92 Prozent, mit niedriger zu 64 Prozent. Teils gründet diese digitale Kluft in der Struktur der niedrigsten Bildungsgruppe: Gut die Hälfte der darin Erfassten ist älter als 60 Jahre und weiblich. Dabei handelt es sich jeweils um Gruppen mit einer generell noch unterdurchschnittlichen Internetnutzung.

71 Prozent aller Befragten nutzen soziale Medien, 64 Prozent WhatsApp, 42 Prozent Facebook und 40 Prozent YouTube. Ein Twitter-Konto haben neun Prozent. Messenger-Dienste wie Threema, Signal oder Wire verwenden drei Prozent. 36 Prozent gehen davon aus, dass sie bei manchen Apps oder in sozialen Medien vertreten sein müssen, um keine beruflichen oder privaten Nachteile zu erleiden. 92 Prozent geben an, in sozialen Netzwerken noch nie beleidigt oder angegriffen worden zu sein.

Internet-Recherchen etwa über Google und Instant-Messaging-Dienste nutzt die Mehrheit der Bürger mindestens einmal pro Woche. Fast zwei Drittel der Befragten nutzen Office-Programme, gut die Hälfte bezahlt online – jedoch kaum über das Smartphone – oder ordert Dienstleistungen im Netz. Knapp die Hälfte der Bevölkerung spielt am Computer oder streamt Musik, Filme oder Serien über das Internet. Sprachassistenten wie Siri oder Alexa geben sechs Prozent ein oder mehrmals pro Woche Befehle.

Ein gutes Viertel der Deutschen hat bereits erlebt, dass manche Dienste wie ein Check-in zu einem Flug oder eine Arztterminanfrage nur noch online erledigt werden konnte. Programmieren können 13 Prozent der Bevölkerung, Webanwendungen gestalten 21 Prozent. Begriffe wie "Fake News" oder "Künstliche Intelligenz" sagen 68 beziehungsweise 61 Prozent etwas. Mit "Algorithmus" können 43 Prozent etwas anfangen, mit "Blockchain" 14 Prozent. Bei Nachfragen, was hinter diesen Phänomenen steckt, müssen viele aber passen. So wissen etwa nur 33 Prozent, dass sich hinter "Cloud" eine externe Speicher- oder Recheninfrastruktur verbirgt.

Drei Viertel sind der Meinung, dass man in fünf Jahren ohne das Internet kaum noch auskommen wird. Ebenso halten sie Grundkenntnisse in der Digitalisierung für eine notwendige Voraussetzung für Chancen auf dem Arbeitsmarkt. 36 Prozent meinen dabei, dass Schulen für diese Anforderungen fit machen und die nötigen Fähigkeiten im Umgang mit der Digitalisierung vermitteln sollen. (olb)