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D21-Online-Index: Ein Viertel der Deutschen bleibt im digitalen Abseits

81 Prozent der Bundesbürger sind online – ein Plus von zwei Prozentpunkten gegenüber 2016. Auch bei der Internetkompetenz können die Deutschen leicht zulegen. Der harte Kern der Offliner bewegt sich aber kaum noch.

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D21-Online-Index: Ein Viertel der Deutschen bleibt im digitalen Abseits

Entwicklung der Internetnutzung seit 2001.

(Bild: D21-Digital-Index, CC BY-NC-SA 2.0)

Die Zahl der Internetnutzer ist 2017 im Vergleich zu 2016 wieder etwas stärker gewachsen als in den Vorjahren, in denen das Plus maximal bei einem Prozentpunkt lag. 81 Prozent der Deutschen sind mittlerweile online, was einer Steigerung um zwei Prozentpunkten entspricht. Dies geht aus der Studie zum Digital-Index der Initiative D21 hervor, den das seit 1999 bestehende Netzwerk aus Politik und Wirtschaft am Dienstag in Berlin präsentiert hat.

Das moderate Wachstum kommt erneut vor allem aus der Gruppe der über 50-Jährigen, da die jüngeren Generationen bereits fast vollständig online sind. Vor allem Smartphones, Tablets und Laptops erleichtern den Älteren den Weg ins Netz: Bei den 50- bis 65-Jährigen steigt die mobile Internetnutzung um 10 Punkte gegenüber 2016 auf 61 Prozent, während sie über alle Bevölkerungsgruppen hinweg um 5 Punkte auf 64 Prozent zulegt.

Zugleich liegt die Gruppe der Offliner bei 19 Prozent. Nur noch ein Prozent davon plant, im Lauf des Jahres ins Netz zu gehen. Die meisten Offliner seien "bereits im Rentenalter", ein weiterer Faktor sei eine "geringe Bildung". Offliner hätten kein Interesse an der digitalen Technik, heißt es weiter. Messaging-Apps seien ihnen nicht bekannt: "Für das eigene Leben sehen sie ohne das Internet daher auch keinen Nachteil."

Die sechs Prozent ausmachende Gruppe der "Minimal-Onliner" haben die Autoren ebenfalls in die Kategorie der "digital Abseitsstehenden" eingeordnet. Mit Smartphones könnten diese kaum etwas anfangen, jeder Zweite davon habe aber ein "einfaches Mobiltelefon". Online-Shopping oder Bezahlen übers Internet seien für sie "absolute Fremdwörter".

Insgesamt stehe hierzulande mit 16 Millionen Menschen "ein alarmierendes Viertel der Bevölkerung im digitalen Abseits". Die Teilhabe an der Gesellschaft sei zunehmend an die digitale Welt gebunden. Menschen, die sich diese nicht erschließen könnten oder wollten, würden zunehmend "von entscheidenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen ausgegrenzt".

Für die repräsentative Untersuchung haben die Meinungsforscher von Kantar TNS im Auftrag der Initiative D21 computergestützte persönliche Interviews mit 20.424 Teilnehmern ab 14 Jahren zwischen August 2016 und Juli 2017 durchgeführt. Errechnet haben sie wieder einen Index, der die Komponenten Zugang, Nutzung, Kompetenz und Offenheit gegenüber Digitaltechniken zusammenfasst und für den Grad der gesellschaftlichen Digitalisierung der Bevölkerung in Privat- und Arbeitsleben stehen soll. Der Wert stieg 2017 gegenüber dem Vorjahr um zwei auf 53 von 100 erreichbaren Punkten. Das Niveau bleibt damit relativ konstant auf mittlerem Niveau: 2015 lag er bei 52 Zählern.

Der Zuwachs geht hier vor allem auf das Konto der Bestandteile Digitalkompetenz und Offenheit gegenüber dem Internet, wo die Deutschen jeweils um drei Punkte zulegen. 65 Prozent der Bundesbürger stellen aus Datenschutzgründen nur wenige persönliche Informationen über sich ins Internet, was einem Plus von 5 Prozentpunkten entspricht. Genauso vielen ist bewusst, dass Internetdienste und Apps solche Daten an Dritte weitergeben. 54 Prozent können nach eigenen Angaben an Treffern von Suchmaschinen erkennen, welche davon Werbeanzeigen sind. 34 Prozent verlassen sich auf die Treffer auf der ersten Seite.

Fachbegriffe aus der digitalen Welt sind für viele nach wie vor böhmische Dörfer. "Cookies" und "Cloud" haben mit 58 beziehungsweise 56 Prozent noch den größten Bekanntheitsgrad, auch mit dem "Darknet" und "Künstlicher Intelligenz" können inzwischen knapp über die Hälfte der Deutschen etwas anfangen. "Bots" sagen nur 23 Prozent etwas, "E-Government" 19 Prozent. "Industrie 4.0" und "Big Data" sind je 21 Prozent ein Begriff, das sind je 7 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Bei der digitalen Kommunikation fühlen sich viele der Befragten deutlich weniger kompetent als bei der Informationsverarbeitung. Nur etwa einem Drittel fällt es leicht, Beiträge in sozialen Netzwerken zu posten. Allein 22 Prozent behaupten von sich, seriöse von unseriösen Nachrichten unterscheiden beziehungsweise "Fake News" erkennen zu können.

Gegenüber intelligenten Techniken, Geräten und Anwendungen hat ein Großteil der Bevölkerung Berührungsängste. Wearables nutzen fünf, Sprachassistenten wie Alexa, Cortana oder Siri nur drei Prozent. 47 Prozent würden sich unwohl fühlen, falls ein solcher virtueller Helfer zuhause diverse Anwendungen steuerte. Große Skepsis hegen die Bundesbürger auch gegenüber dem Einsatz von Assistenzrobotern oder selbstfahrenden Autos.

72 Prozent der Befragten betrachten flexible Arbeitszeiten als Teil einer modernen Arbeitswelt. Nur ein Sechstel der Berufstätigen verrichtet den eigenen Job aber zumindest teilweise von unterwegs oder von zuhause. Bei einem Viertel der Berufstätigen ohne Home Office oder Telearbeit stellt sich der Arbeitgeber quer. (anw)