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DAB+ für große Teile Österreichs

In Österreich gibt es erstmals eine bundesweite Lizenz für Digitalradio. Ende 2020 soll das Signal 63 Prozent der Haushalte erreichen.

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Altes Radio

Ein (angeblich) betriebsbereiter Rundfunkempfänger aus dem 20. Jahrhundert

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Österreich hat erstmals eine bundesweite Lizenz für Digitalradio. Ab 2. April 2019 darf und muss die Firma ORS comm zehn Jahre lang DAB+ in Österreich verbreiten. Das geht aus einem Bescheid der Kommunikationsbehörde Austria (KommAustria) hervor (Az. KOA 4.520/18-003). Bislang gibt es in Österreich erst einen DAB+-Sender, seit April sendet die Firma RTG vom DC Tower 1 in Wien.

Das nun angekündigte bundesweite DAB+-Signal wird zunächst elf Radioprogramme verbreiten, überwiegend Musikformate. Sie werden in MPEG HE-AACv2 kodiert sein und, mit zwei Ausnahmen, eine Nettobitrate von 66 kbit/s aufweisen. Nur ein Programmbetreiber, die Fachhochschule Technikum Wien, hat zusätzlich die Verbreitung von Standbildern und Text gebucht.

Die Übertragungskapazität des DAB+-Signals wäre höher, doch haben sich keine weiteren zahlungswilligen Radiobetreiber gefunden. Weder Marktführer ORF noch die nichtkommerziellen Freien Radios sind an einer DAB+-Ausstrahlung interessiert. Dem steht nicht entgegen, dass der Lizenzinhaber ORS comm dem Senderbetreiber ORS gehört, der wiederum zu 60 Prozent im Eigentum des ORF steht. Die restlichen 40 Prozent gehören der österreichischen Raiffeisen-Gruppe.

Diese Abdeckung erwartet der Amtssachverständige Ende 2020.

(Bild: Faksimile KommAustria-Bescheid)

ORS comm hat sich zu einem Ausbauplan verpflichtet, dessen vierte und letzte Stufe im Herbst 2020 in Angriff genommen wird. Dann werden 14 Sender in Betrieb sein. Mindestens 63 Prozent aller Haushalte sollen dann in Innenräumen DAB+ empfangen können, 83 Prozent im Freien. Der Amtssachverständige erwartet sogar fast 80 Prozent Versorgung in Innenräumen.

Auf Nachfrage und bei entsprechendem Einwurf von Münzen wäre ORS comm bereit, die Versorgung auf Tunnel und Hauptverkehrsrouten auszudehnen. Gleiches gilt für einen möglichen Ausbau auf über 90 Prozent technische Reichweite.

KommAustria-Vorsitzender Michael Ogris erwartet denn auch keine explosionsartige Zündung sondern "eine eher schleichende Erfolgsgeschichte" für DAB+. Auch die Lizenzerteilung selbst hat nach Angaben der Behörde länger gedauert als erwartet. Grund war die notwendige Frequenzkoordination mit den Nachbarstaaten Österreichs, die noch nicht alle nationale Digitalradiopläne hatten.

(ds)