DAB+ stört Polizeifunk in Nordrhein-Westfalen

Bei schwachem Empfang oder nah am DAB+-Sender geben Handfunkgeräte nur noch Knarzen oder Rauschen von sich. Für das kommende Wochenende hat die Bundesnetzagentur die sofortige, vorübergehende Abschaltung eines DAB+-Senders angeordnet.

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Von
  • Ernst Ahlers

Nach TV-Kabelkunden mit analogem Anschluss leiden nun auch Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS: Polizei, Feuerwehr, etc.) unter Störungen durch den jüngst in Betrieb gegangenen digitalen Hörfunk DAB+. Wie Der Westen berichtet, kommt es seit Anfang August in mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen zu Empfangsproblemen beim Polizeifunk. Betroffen sind vor allem VHF-Handfunkgeräte, die bei schlechter Empfangslage oder in unmittelbarer Nähe zum DAB+-Sender auf bestimmten Funkkanälen lediglich ein Knarzen oder Rauschen von sich geben und so keine Kommunikation mit der Einsatzleitzentrale mehr erlauben.

VHF-Polizeifunk und DAB+ nutzen unterschiedliche, aber dennoch nah benachbarte Frequenzen: [Update]Der Polizeifunk arbeitet zwischen 168 und 174 MHz, DAB+ zwischen 174 und 230 MHz. Unter anderem in Nordrhein-Westfalen funken manche DAB+-Sender am Bandanfang (Kanal 5A bei 174 MHz), sodass die Systeme nur durch 0,18 MHz Schutzabstand getrennt sind.[/Update] Ursache der Störungen sind deshalb offensichtlich unvermeidliche Nebenaussendungen der DAB+-Sender des Sendedienstleisters Media Broadcast. Nach Messungen der Bundesnetzagentur liegen die Nebenaussendungen aber im erlaubten Bereich. Die Bundesnetzagentur bestätigte ferner gegenüber heise online, dass auch die Handfunkgeräte der Polizei ihre technischen Vorgaben erfüllen. Die Störungen seien deshalb nicht vorhersehbar gewesen. Bislang behelfen sich die Polizisten mit dem Wechsel auf weniger stark gestörte Funkkanäle. Wegen einer angekündigten Großdemonstration in Dortmund hat die Bundesnetzagentur nun eine vorübergehende Abschaltung des dortigen DAB+-Senders mit sofortigem Vollzug verfügt. Beim Vorgängerstandard DAB trat das Problem nicht auf, weil DAB auf höheren Frequenzen und mit weniger Leistung ausgestrahlt wird.

Als mittelfristige Lösung kommt wahrscheinlich nur ein Wechsel der DAB+-Sender auf höhere Frequenzen in Frage, bis die BOS-Dienste mit digitalen Funkgeräten ausgerüstet sind. Der bundesweite Ausbau der TETRA-Netze schleppt sich allerdings schon seit Jahren hin. Der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) zufolge soll die bundesweite TETRA-Infrastruktur bis Ende 2012 errichtet sein. Dann stehen aber in den meisten Regionen noch Inbetriebnahme und Testläufe aus. (ea)