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DFL will Bundesliga-Bilder künftig selbst produzieren

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Die Deutsche Fußball Liga (DFL) zieht in Sachen Fernsehrechte derzeit ein Kaninchen nach dem anderen aus dem Hut. Nach der überraschenden Vergabe der Pay-TV-Rechte für die kommenden drei Spielzeiten an die bis dato völlig unbekannte Arena Sport Rechte und Marketing GmbH, kündigte DFL-Chef Werner Hackmann nun an, dass man künftig selbst die Bilder von Spielen der ersten und zweiten Bundesliga produzieren und den Rechteinhabern zur Verfügung stellen will. Für das so genannte Basissignal ist derzeit noch die Nürnberger FairPlay Productions zuständig, die für Premiere in den Stadien zudem die Live-Sendungen produziert und Kameraleute, Regisseure und Techniker stellt.

Es handele sich bei dem Schritt um eine "strategische Entscheidung mit Blick auf die Zukunft der Liga", erklärte Hackmann. Der DFL-Aufsichtsrat hatte zuvor die Gründung einer eigenen Produktionsgesellschaft beschlossen, die vom ehemaligen Bundesliga-Profi Josef Nehl geleitet werden soll. Da der DFL die technischen Mittel für die aufwändigen Produktionen in mehreren Stadien gleichzeitig fehlen, müssen aber wohl auch in Zukunft wieder Verträge mit Spezialisten wie FairPlay Productions oder dem Münchner Konkurrenten Plazamedia geschlossen werden. Die EM.TV-Tochter Plazamedia – bis 2004 selbst Produzentin des Basissignals – hatte zuletzt Aufträge von der Unity-Media-Tochter Arena zur Produktion der künftigen Bundesliga-Live-Sendungen erhalten.

Obwohl die DFL betont, schon länger über eine Produktion des TV-Signals in Eigenregie nachgedacht zu haben, dürfte die jetzige Offensive auch mit den Anbandelungen zwischen Premiere und der Deutschen Telekom zusammenhängen: Während der Münchner Pay-TV-Sender als großer Verlierer aus dem Rechtepoker im vergangenen Jahr hervorging und derzeit mit leeren Händen dasteht, sucht die Telekom noch einen Partner mit der erforderlichen Sendelizenz für die Übertragung der Bundesliga im Internet. Öffentlich diskutiert wurde sogar ein Modell, wonach IPTV-Live-Bilder, für die sich die Telekom die Rechte gesichert hatte, nicht nur über das neue VDSL-Netz, sondern in Nicht-Ausbaugebieten auch über Satellit und Digitalbox auf die Fernsehbildschirme von Premiere-Kunden gelangen sollen.

Strikt gegen eine solche Variante ist nicht nur Arena, das pro Saison rund 300 Millionen Euro in das Exklusivrecht investiert, Live-Bilder aus der Bundesliga im traditionellen Fernsehen zeigen zu dürfen, sondern auch die DFL – und mit dem Finger auf dem Basissignal haben die Proficlub-Vertreter auch außerhalb von Gerichtssälen ein effektives Druckmittel zur Hand. Dass die Verbindungen zwischen der DFL und Arena womöglich auch nicht ganz koscher sind, belegt unter anderem eine lange Zeit geheim gehaltene Beteiligungsvereinbarung, die der Deutschen Fußball Liga eine Option auf zehn Prozent an Arena einräumt – und dies unter Umständen sogar kostenlos.

Grund für das Optionsangebot, das der DFL offenbar schon vor der Entscheidung über die Vergabe der audiovisuellen Verwertungsrechte bis 2009 unterbreitet wurde, war laut Süddeutscher Zeitung der kurzfristige Absprung von Kabel Deutschland (KDG). Arena und KDG hatten sich zunächst als "Konsortium deutscher Kabelnetzbetreiber" gemeinsam um die TV-Rechte beworben – unter anderem, um die in den Ausschreibungsbedingungen für die Pay-TV-Rechte geforderte Reichweite von mindestens 40 Prozent der deutschen Haushalte (rund 14 Millionen) zu erreichen.

Weil KDG-Chefberater Tony Ball dann aber mehr gewollt haben soll, als ausgemacht – "I want it all", schreibt die SZ –, kam es zum Streit und zum Ausscheiden von KDG aus der Zweck-Ehe. In einer Nachtentscheidung habe sich die Arena-Mutter Unity Media aber entschlossen, die Bundesliga-Fernsehrechte auch alleine zu kaufen. Das 10-Prozent-Angebot sei dabei als "Zuckerstück für die DFL" gedacht, heißt es in der Süddeutschen. Arena ist landesweit bislang nur mit Decoder über Satellit sowie über Kabel lediglich in Hessen und Nordrhein-Westfalen zu empfangen. (pmz)