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DLD-Konferenz: Rocket Internet als Kaderschmiede Europas

Gemütliche Cafeteria bei Google oder harter Drill bei den Samwers? Bei seinem Auftritt in München pries Oliver Samwer die beinharte Konkurrenz, die im Inkubator der drei Brüder herrsche.

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DLD-Konferenz: Rocket Internet als Kaderschmiede Europas

Oliver Samwer auf der DLD 15

(Bild: DLD)

Rocket Internet ist kühler als Google. Wer in Kalifornien arbeitet, bekommt einen weichen Sessel und kann in eine hübsche Cafeteria gehen. Wer bei Rocket Internet anfängt, kommt auf eine Kadettenschmiede wie die West-Point-Akademie und hat die Chance, richtig zu klotzen. Das verkündete Oliver Samwer in München, sichtlich stolz auf den Börsengang seiner Firma. Monatlich bewerben sich 8000 Kadetten bei ihm.

Im Jahre 2005 trat Marc Samwer auf dem von Hubert Burda Media veranstalteten Digital Lifestyle Day im Nymphenburger Schloss auf und wurde für den Verkauf des Auktionshauses Alando an eBay sowie den Kauf der Klingelton-Abzocker Jamba gefeiert. 2015 eröffnete sein Bruder Oliver Samwer den zweiten Tag der DLD-Konferenz und erntete Applaus für den Börsengang von Rocket Internet. Zwar startete man schwach, doch konnte man schließlich zeigen, dass man auch in Deutschland an die Börse gehen kann. "Früher war es der Börsengang in Amerika, doch jetzt sehen die Leute, das so etwas auch in Europa geht. Wir haben es ihnen vorgemacht, als ganz gewöhnliche Menschen", erklärte Samwer.

Im Interview mit Stefan Winners von Hubert Burda Media betonte Samwer, dass Rocket Internet eine Firma mit flachen Hierarchien ist, in der eine beinharte Konkurrenz das Geschäft belebt. "Wir sind zu 50 Prozent eine technische Firma und beschäftigen in Berlin mindestens 5000 Techniker und IT-Spezialisten", erklärte Samwer, der die Gesamtzahl der Mitarbeiter auf 25.000 schätzte. Von sich wollte er wenig mehr preisgeben, als dass er ständig versucht, möglichst wenig "nutzlos" zu schlafen und daher Nachtflüge bevorzuge.

Seine Firma verglich der Unternehmer mit Volkswagen. Dort habe man eine einzige Plattform, auf der Wagen wie der Tiguan und Touareg enstünden. "Auch wir haben so eine Plattform", erklärte Samwer, der das Wort "Inkubator" als Bezeichnung für Rocket Internet vehement ablehnte. "Wir nutzen unsere Plattform für Ideen, die wir als disruptive Firma entwickeln."

Samwer beklagte sich über die negative Presse, die seine Firma vor allem in Deutschland begleitet. In den USA würden die Erfolge der Firma durchweg positiver gesehen. Man werde im Übrigen den US-Markt nicht attackieren, sondern auf die Segmente schauen, in denen man gewinnen könne. "Google hat eine Cafeteria und andere schicke Sachen, aber schauen Sie nach Berlin, da werden von den richtigen Leuten richtige Firmen aus dem Boden gestampft. Rocket ist das West Point des Internet", erklärte Samwer in Anspielung an die amerikanische Akademie, die im Ruf steht, eine besonders harte Militärausbildung zu haben. (Detlef Borchers) / (axk)

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