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DLD: "The Next Next" - Wettbewerbsnachteile durch Datenschutz?

Die Internet-Szene findet den Datenschutz störend. Bei der Konferenz "Digital Life Design" in München wurde sie vom parlamentarischen Finanz-Staatssekretär Jens Spahn unterstützt, der Deutschland ein verkrampftes Verhältnis zum Datenschutz attestierte.

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DLD

(Bild: dpa, Tobias Hase)

Alljährlich landen die Digerati vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos in München, um bei der Konferenz Digital Life Design (DLD) eine Mischung aus Philosophie, Networking und luftigen Talks von Sponsoren wie etwa Airbus zu genießen. Es wird über Datenschutz, künstliche Intelligenz und das digitale Erbe diskutiert.

Die Keynote zum Auftakt kam von EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Verstoyer, weil DLD im September in Brüssel mit einer neuen Konferenz die "europäische Vision" fördern möchte. Sie lobte die von deutschen Ideen angeschobene Datenschutzreform der EU und kündigte an, genau zu schauen, was Internet-Konzerne mit den Daten ihrer Nutzer machen. "Jeder EU-Bürger soll das Recht haben, zu entscheiden, mit wem er Daten teilen will."

Ausgerechnet Jens Spahn, Staatssekretär im Finanzministerium opponierte gegen den Datenschutz. Für Spahn muss die öffentliche Diskussion über Datenschutz-Themen verändert werden, sonst treibe er europäische Firmen in einen "Todeskampf" mit Konkurrenten in aller Welt, bei dem sie nur verlieren können. Unumwunden postulierte er, dass der Datenschutz die Konkurrenzfähigkeit deutscher und europäischer Firmen behindere.

Kritisch stelle sich die Frage, ob "wir disruptiv genug sind", um den Kampf auf den Märkten aufzunehmen, meinte Spahn. Als Beispiel für die Ungleichheit verwies der Finanz-Staatssekretär auf die schleppende Entwicklung von eHealth in Deutschland. Bundesbürger seien es nicht gewohnt, für Gesundheitsleistungen zu bezahlen, wie dies in den USA der Fall sei. Daher habe eHealth in Deutschland einen sehr schweren Stand.

Das Lamentieren über Europa oder Deutschland hat auf der DLD eine nunmehr zehn Jahre lange Tradition. Umso erfrischender war der Auftritt des KI-Forschers Jürgen Schmidhuber vom Schweizer Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (IDSIA). Er bekannte frank und frei, überhaupt keine Probleme damit zu haben, wenn Google die Entwicklungen zur Spracherkennung wie DeepMind oder zur maschinellen Übersetzung aufkauft, die in der Schweiz und in Deutschland entwickelt wurden.

Luciano Floridi brachte ein "Data Donation Protocol" ins Gespräch.

(Bild: Detlef Borchers)

Seine Weltsicht zur weiteren Entwicklung von "Machine Learning" – wer weiß schon, was Maschinen selbst lernen wollen, wenn sie einmal intelligent sind – amüsierte das Publikum: Die Evolution habe den Menschen hervorgebracht, damit dieser eine Intelligenz hervorbringt, die die gesamte Galaxie besiedeln kann. Eine Gegenthese brachte Google-Philosophe Luciano Floridi hervor: "Mutter Natur hat einen Fehler gemacht. Der Mensch ist der Ausrutscher in der Evolution. So etwas wird nie wieder passieren."

Das In-Netz-Sein von Floridi, dieses Leben in einer "Infosphere", in der Informationen nicht statisch sind, sondern fortlaufend von Algorithmen verarbeitet werden, wird den Menschen verändern. Als Antwort auf die Keynote der EU-Kommissarin schlug Floridi am Ende des Tages ein europaweit gültiges "Data Donation Protocol" vor: jeder Mensch bestimmt, was nach seinem Tod mit seinen Daten passieren soll. Sie könnten gelöscht, von den Erben verkauft oder etwa der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden, ganz im Sinne des Digital Death Designs. (kbe)

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