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DNS-Mirrors als Retter in der Not

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Mit einem heiklen Vorschlag für mehr Stabilität im Domain Name System (DNS) hat sich ICANN-Präsident Rod Beckstrom zu Wort gemeldet. Beckstrom riet in einer Analyse der Situation des ägyptischen DNS dazu, Ausfälle von Länderdomains durch Secondary Server außerhalb des jeweiligen Landes mindestens teilweise aufzufangen. "Normalerweise möchten die Administratoren bei Ausfällen der Primary Server, etwa nach dem Erdbeben in Haiti, dass die Secondaries mit den zuletzt empfangenen Zonendaten weiterarbeiten", schreibt Beckstrom im Blog der ICANN.

Dadurch könnten Nutzer in anderen Ländern zumindest auf die Seiten zugreifen, die von ihrer Region aus erreichbar seien. Im Fall Ägyptens, dessen Länderadresszone .eg ab dem 27. Januar nicht mehr erreichbar war, hätten die dortigen Administratoren, das Netzwerk Ägyptischer Universitäten (EUN) und der Telekomregulierer NTRA, die ICANN gebeten, für den Weiterbetrieb der Secondary Server zu sorgen, auch über die vorgesehene Zeit, nach der solche Secondary-Daten normalerweise als veraltet verworfen werden.

Laut Beckstrom müssen aus der Erfahrung mit Ägypten verschiedene Lehren gezogen werden, insbesondere müsse über eine feste Regelung zur Einführung von Secondary Servern außerhalb des jeweiligen Landes diskutiert werden. Manche Länder – wie etwa die USA – verfügen derzeit lediglich über Secondary Server im eigenen Land. Die ICANN werde die für Länderdomainfragen innerhalb des eigenen Gremiendschungels zuständige ccNSO bitten, sich mit der Frage zu beschäftigen.

Der Vorsitzende der ccNSO, Chris Disspain, zeigte sich laut US-Berichten eher skeptisch und verwies darauf, dass die Verwalter der Länderdomains souverän entscheiden können müssten, wo ihre Server stehen. Als wenig wahrscheinlich gilt auch, dass solche Vorschriften für die Betreiber der Länderdomains die Zustimmung des ICANN-Regierungsbeirats (GAC) finden. Beim UN-Gipfel zur Informationsgesellschaft hatten sich die Regierungen eigens auf eine Klausel geeinigt, nach der kein Land sich in den Betrieb einer nationalen TLD eines anderen Landes einmischen dürfe.

Der Weiterbetrieb einer TLD auf solch einer Grundlage – möglicherweise gegen den Willen nationaler Behörden – könnte die ICANN auf politisch sensibles Pflaster führen, auch wenn Beckstrom im Fall Ägyptens immerhin auf entsprechende Wünsche der .eg-Betreiber verweist. Ohnehin ist das Thema, wie ICANN mit Redelegationen umgehen soll, seit Jahren heiß diskutiert. Eine Arbeitsgruppe der ccNSO, die für klare Regeln sorgen soll, lieferte kürzlich einen vierten Zwischenbericht ab. (vbr)