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DSGVO: Mittelstandsverband warnt vor "Entdigitalisierung"

Viele Mittelständler seien mit der Umsetzung der DSGVO überfordert und bräuchten mehr Zeit, sagt der Mittelstandsverband. Der E-Commerce könnte erheblich darunter leiden.

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Arbeitsplatz mit Computer

Grundsätzlich erwarten der Umfrage zufolge sieben von zehn Unternehmen in Deutschland Vorteile für einheitliche Wettbewerbsbedingungen in der EU durch die neue Grundverordnung.

(Bild: dpa, Daniel Naupold)

Knapp eine Woche nach Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung hat der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) vor einer "Entdigitalisierung unserer Wirtschaft" gewarnt. "Die Mittelständler brauchen deutlich mehr Zeit, um ihre Unternehmen komplett DSGVO-konform zu machen", sagte Verbandspräsident Mario Ohoven gegenüber dpa.

Bei Verstößen gegen die Verordnung sollte die Politik die Sanktionen ein halbes Jahr aussetzen,"um den Firmen die berechtigten Ängste zu nehmen". Ohoven vergisst dabei allerdings zu erwähnen, dass es bereits eine Übergangsfrist von 2 Jahren gab, um die Bestimmungen der DSGVO umzusetzen: Sie trat am 24. Mai 2016 in Kraft trat und wurde am 25. Mai 2018 endgültig wirksam.

Die DSGVO

Nach zwei Jahren Übergangsfrist trat die DSGVO am 25. Mai in Kraft. Sie soll den Datenschutz in Europa vereinheitlichen und den Kontrolleuren mehr Macht geben. Zuvor hat es noch einmal jede Menge Verunsicherung gegeben.

Seit 25. Mai soll das neue Regelwerk EU-weit nun für einen besseren Datenschutz sorgen. So wird die Verarbeitung personenbezogener Daten durch Unternehmen, Vereine oder Behörden jetzt deutlich strenger geregelt. Bei Verstößen drohen saftige Strafen – für Unternehmen Zahlungen bis zu 20 Millionen Euro oder 4 Prozent des Jahresumsatzes.

"Mir macht große Sorgen, dass viele Mittelständler ihre digitalen Aktivitäten einschränken oder sogar einstellen", sagte Ohoven. "Hier droht eine Entdigitalisierung unserer Wirtschaft." Aus Angst vor unbeabsichtigten Verstößen und Abmahnungen würden beispielsweise Newsletter eingestellt oder Homepages deaktiviert – und damit auf Umsatz im E-Commerce verzichtet.

Laut Ohoven ist die Angst durchaus berechtigt: "Wir wissen von einschlägigen Anwälten und Vereinen, die sich auf ihre Weise auf die DSGVO 'vorbereitet' haben und jetzt anfangen, im Netz gezielt nach potenziellen Opfern für Abmahnungen zu suchen."

Dem BVMW zufolge bringt die DSGVO bis zu 60 Prozent Mehrbelastung im Bereich Datensicherheit, vor allem durch Bürokratie. Das Regelwerk ziele auf international agierende Konzerne ab, treffe aber vor allem die mittelständischen Unternehmen, so die Kritik. (axk)

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