DSL-Turbo Vectoring: Bundesnetzagentur zieht Regulierungsentwurf zurück

Die deutsche Regulierungsbehörde zieht den umstrittenen Vectoring-Entwurf aus Brüssel zurück und entgeht damit womöglich einer Schlappe. Ein neuer Vorschlag ist angekündigt. Die Wettbewerber wundern sich über das Vorgehen.

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Die Bundesnetzagentur zieht ihren umstrittenen Regulierungsentwurf für das Vectoring im Nahbereich der Telekom-Hauptverteiler zurück. Für die nächste Woche kündigt die Regulierungsbehörde einen neuen Entwurf an, der die Bedenken der EU-Kommission ausräumen soll. Brüssel hatte starke Bedenken gegen das Vorhaben vorgebracht und im Mai ein Prüfverfahren eingeleitet. Eine Sprecherin der EU-Kommission bestätigte gegenüber heise online, dass die Bundesnetzagentur den Antrag zurückgezogen hat.

Vectoring: der VDSL-Beschleuniger

Kaum ein Netzthema wird so kontrovers diskutiert wie das Vectoring: Mit der neuen Technik lassen sich bis zu 100 Mbit/s aus einem VDSL-Anschluss kitzeln - kein Wunder, dass die Telekom das anbieten möchte. Die Konkurrenz befürchtet aber eine Re-Monopolisierung des Markts, da Vectoring einen exklusiven Zugriff auf die letzte Meile erfordert. Kritiker befürchten zudem weitere Verzögerungen beim zukunftsträchtigen Glasfaserausbau.

Mit der auch hierzulande heftig umstrittenen Entscheidung will die Bundesnetzagentur der Telekom erlauben, die Vectoring-Technik auch in den Nahbereichen der Hauptverteiler (Hvt) der Telekom einzusetzen. Beim Vectoring bleibt anderen Anbietern der Zugriff auf die Teilnehmeranschlussleitungen in dem Bereich verwehrt. Die EU-Kommission fürchtet, dass diese technisch bedingte Bündelung dem Regulierungsziel des freien Zugangs zur letzten Meile entgegensteht und somit dem Wettbewerb schaden könnte. Auch der politische Beirat der Behörde war mit dem Vorstoß nicht glücklich.

Der Rückzug des Entwurfs aus dem Notifizierungsverfahren mit der Kommission lässt auf starken Widerstand in Brüssel schließen. Mit dem neuen Entwurf will die Bundesnetzagentur die Kritik der Kommission aufnehmen. "Ich gehe davon aus, dass wir die Bedenken der Kommission ausgeräumt haben", erklärte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann. "Damit können wir jetzt die Regelungen für den Vectoring-Einsatz in den Nahbereichen zeitnah festlegen."

Was genau die Bundesnetzagentur ändern will, sagt sie nicht. Wettbewerber sollen "in mehr Gebieten selber die Vectoring-Technik einsetzen können", erklärte die Behörde am Donnerstagnachmittag. Auch sollen die "Zugangsbedingungen für den ersatzweise anzubietenden virtuellen Zugang zur 'letzten Meile' an den Kabelverzweigern verbessert" werden. Darüber hinaus werde die Bundesnetzagentur mit der Kommission an der "Ausgestaltung der konkreten Zugangsbedingungen" für ein Layer-2-Zugangsprodukt arbeiten.

Die Wettbewerber kommen in den vagen Ausführungen nicht vor, sie fühlen sich von der Behörde übergangen. "Da die Marktteilnehmer den angekündigten, neuen Entwurf nicht im Vorfeld prüfen konnten, gehen wir davon aus, dass uns die Bundesnetzagentur eine ausreichende Frist zur Stellungnahme des neuen Beschlusses einräumen wird", forderte der Geschäftsführer des Breko-Verbands, Stephan Albers. Grundsätzlich begrüßt der Breko aber, dass die Regulierungsbehörde "nun offensichtlich die Notbremse gezogen" hat.

Auch VATM-Chef Jürgen Grützner wundert sich über die "erstaunliche Vorgehensweise" der Behörde und kritisiert, dass die Ankündigung "außer der vagen Andeutung" von Verbesserungen nichts Konkretes enthalte. Grützner wundert sich zudem, "dass die Anmerkungen und Vorschläge von BEREC, dem Gremium der europäischen Regulierungsbehörden, nicht abgewartet werden. Dies wäre zur Findung der optimalen Lösung sicher extrem hilfreich." Auch der Bundesverband Glasfaser will den neuen Entwurf erst einmal sehe. "Abzuwarten bleibt nun, ob die neuen Regelungen nun tatsächlich zu Verbesserungen im Regulierungsregime führen", sagte Buglas-Chef Wolfgang Heer.

Was die EU-Kommission angeht, ist das aktuelle Verfahren mit dem Rückzug der Bundesnetzagentur erledigt. "Der deutsche Regulierer kann nun auf dem Austausch mit der Kommission und BEREC aufbauen, um die beste Lösung für einen flächendeckenden Netzausbau einerseits und attraktive Zugangslösungen für Wettbewerber andererseits zu finden", erklärte eine Kommissions-Sprecherin. Das Vectoring-Verfahren geht damit in eine neue Runde. (vbr)