"DSL zum Mitnehmen" startet in Berlin

Mit einer G3-Funktechnik und Kampfpreisen will Airdata der Deutschen Telekom im Breitbandmarkt bald bundesweit Konkurrenz machen.

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Von
  • Stefan Krempl

Die Stuttgarter Telekommunikationsfirma Airdata will der Deutschen Telekom im Breitbandmarkt bundesweit mit einer G3-Funktechnik und Kampfpreisen Konkurrenz machen. Nach der weit gehenden Abdeckung ihrer Heimatstadt startet die Aktiengesellschaft daher das Angebot "Portable DSL" Ende der Woche zunächst in der Hauptstadt mit einem ersten Sender auf dem "Park Inn"-Hotel am Alexanderplatz. "Berlin hat für uns Priorität, weil es dort eine eingeschworene Internet-Community gibt", erklärt Firmenmitgründer Christian Irmler die Wahl des Szenebezirks Mitte als Startpunkt für die flächendeckende Versorgung der Hauptstadt. "Bis Mitte 2005 werden wir aber unser 'DSL zum Mitnehmen' in 30 bis 60 Städten hierzulande eingeführt haben."

Das Pilot-Funkgebiet in Berlin ist noch recht klein, der Empfang stark abhängig von der Höhe der umgebenden Gebäude. Der Provider DNS:NET, mit dem Airdata das Angebot in Berlin realisiert, wirbt mit einer hohen Sendeleistung im Umkreis eines Kilometers vom Alex und einer maximalen Reichweite der Funkstrahlen bis zu drei Kilometer. Bei ersten Tests funktionierte der Datenempfang in den an Mitte angrenzenden Gebieten des Prenzlauer Bergs besser als in den Hinterhöfen im Scheunenviertel in unmittelbarer Nähe des Senders.

Auf jeden Fall erhofft sich Irmler vom Berlin-Start eine "Signalwirkung" für "Portable DSL". Die Preise sind entsprechend niedrig gehalten: Die Profi-Flatrate, die Downloads mit bis zu 1024 und Uploads mit bis zu 128 Kilobit pro Sekunde bietet, kostet ohne Zeit- und Volumenbegrenzung 19,95 Euro. Der Tarif Flat-Basic mit Downloads in doppelter und Uploads in einfacher ISDN-Geschwindigkeit schlägt mit 9,95 Euro zu Buche. Dazu kommen Anschlusskosten von 24,95 Euro bzw. 14,95 pro Monat, ein Bereitstellungsentgelt in Höhe von 99 Euro sowie die Kosten für das 149 Euro teure, mit einer SIM-Karte laufende Modem.

Das "DSL zum Mitnehmen" basiert auf dem Funkstandard TD-CDMA (Time Division/Code Division Multiple Access), der für die reine Datenkommunikation optimiert ist und bisher vor allem in Südostasien, Südafrika und in Teilen der USA eingesetzt wird. Er ist auch unter dem Namen UMTS TDD bekannt und wird von einer gleichnamigen Allianz weltweit vermarktet. Airdata arbeitet bei der Umsetzung der Technologie mit dem kalifornischen Spezialisten IPWireless zusammen, von dem etwa das Modem stammt.

Das drahtlose Surfen mit dem Laptop ist bislang nur mit dem noch etwas umständlich über Ethernet anzuschließenden Zusatzgerät möglich, das etwa Zigarettenschachtel-groß ist und eine Akkulaufzeit von rund zweieinhalb Stunden aufweist. Um das Surfen deutlich zu vereinfachen, wollen die beiden Firmen bis zum Weihnachtsgeschäft hierzulande auch eine Lösung mit einer PC Card auf den Markt bringen. Darüber hinaus kann sich Irmler vorstellen, dass die Empfangstechnik in Router oder Terminals installiert wird. Dank der Flatrate und der reinen IP-Versorgung sei "Portable DSL" beispielsweise für die Überprüfung von Füllständen oder die Altersüberprüfung in Zigarettenautomaten gut geeignet.

Dass der von Telcos wie von Bürgerorganisationen vorangetriebene Ausbau von miteinander gekoppelten WLAN-Netzen dem standortungebundene Breitbandangebot von Airdata kaum noch Spielraum lässt, glaubt der Techniker nicht. Nach wie vor gebe es dort zu viele Versorgungslücken sowie Probleme mit der Bandbreite und der Abrechnung. Die kommerziellen WLAN-Angebote könnten beim Preis zudem nicht mithalten. Das normale UMTS wiederum erreiche nicht annähernd vergleichbare Bandbreiten. Irmlers Vision bleibt es so, "die mobile Datenkommunikation mit vernünftigen Bandbreiten für jedermann real werden zu lassen." Dafür habe er seit der Firmengründung 1998 auch schon so manchen Streit mit der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) ausgefochten und sich nach Zugeständnissen bei der Verknüpfung einzelner TD-CDMA-Zellen durchsetzen können. Genaue Nutzerzahlen zu Stuttgart, wo Airdata auch ein Schulprojekt mit ins Rollen gebracht hat, will er allerdings nicht herausrücken. Nur soviel verrät Irmler: "Die Teilnehmerzahlen steigen ständig." (Stefan Krempl) / (jk)