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DVB-T: RTL zieht sich aus terrestrischer Verbreitung zurück

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RTL ist von diesem Donnerstag (1. August) an im Raum München nicht mehr terrestrisch zu empfangen. Der größte deutsche Privatsender ziehe sich aus der Verbreitung per DVB-T (Digital Video Broadcasting-Terrestrial) zurück, bestätigte RTL-Sprecherin Bettina Klauser am Mittwoch in Köln einen Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Bis zum 31. Dezember 2014 werde RTL die terrestrische Verbreitung bundesweit einstellen. Der RTL-Ausstieg setzt auch die öffentlich-rechtlichen Sender unter Druck. "Wir sind in großer Sorge", sagte die WDR-Rundfunkratsvorsitzende Ruth Hieronymi der dpa. "Und zwar deshalb, weil die Kosten für die terrestrische Verbreitung nach dem RTL-Ausstieg an denen hängen bleiben, die noch bleiben."

Insgesamt 1,17 Millionen Haushalte, die das RTL-Programm derzeit noch terrestrisch empfangen, werden bis Ende nächsten Jahres entweder darauf verzichten oder sich umstellen müssen. Sie können zum Beispiel zu Kabelanbietern wechseln oder sich eine Satellitenschüssel aufs Dach stellen. RTL rechnet damit, dass die Zuschauer dies ganz überwiegend tun werden. "Wir gehen nicht davon aus, dass der Ausstieg aus DVB-T einen merklichen Einfluss auf Marktanteile haben wird", sagte Klauser.

RTL begründet den Rückzug damit, dass DVB-T der mit Abstand teuerste Verbreitungsweg sei. Die Kosten pro Haushalt lägen um ein Vielfaches über denen von Kabel oder Satellit – bei gleichzeitig weit geringerem Angebot an Sendern. "Daher war unser Ziel, zu einem effektiveren Standard wie zum Beispiel DVB-T2 zu wechseln, um dem Zuschauer weitere Programme gegebenenfalls auch in HD-Qualität bieten zu können", erläuterte Klauser.

"Hierfür müsste die Mediengruppe RTL Deutschland Investitionen im mittleren zweistelligen Millionenbereich tätigen. Die dafür erforderliche Planungssicherheit war aber leider nicht gegeben." Es sei keineswegs sicher, dass die terrestrischen Frequenzen auch über das Jahr 2020 hinaus beim Rundfunk bleiben würden. Die Bundesnetzagentur will die Frequenzen möglichst für Breitband-Internet im ländlichen Raum zur Verfügung stellen. "Tatsächlich haben wir angeregt, die Frequenzen zu versteigern", sagte Bundesnetzagentur-Sprecher René Henn.

Hieronymi gab zu bedenken, die Öffentlich-Rechtlichen könnten sich nicht so einfach zurückziehen wie ein kommerzieller Sender, da sie die Grundversorgung der Bevölkerung sicherstellen müssten. Es müsse jetzt schnell Gespräche mit den Bundesländern und der Bundesnetzagentur geben, forderte sie. Die Ausstiegspläne der RTL-Gruppe wurden erstmal im April dieses Jahres bekannt. (axk)