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DVD-Brenner: Alle schwenken zu Plus-Minus, Vorsicht bei 8X

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Endlich wächst zusammen, was zusammen gehört. So haben in der vergangenen Woche sowohl Toshiba als auch HP, die bisher ausschließlich das Minus- beziehungsweise Plus-Format unterstützen, neue 8X-Plus-Minus-Brenner angekündigt.

Toshibas SD-R5272 soll DVD+R und DVD-R mit 8X beschreiben und die RW-Varianten mit 4X (CD-Rs 32X, CD-RWs 16X). Zusätzlich kommt noch eine Slim-Variante SD-R6372 für Notebooks auf den Markt, die R-Medien mit 4X und RWs mit maximal 2,4X beschreibt (CD-Rs 16X, CD-RWs 10X). HPs DVD420i, und die externe Version 420e, kommt bei DVDs auf dieselbe Geschwindigkeit wie der SD-R5272, brennt aber CD-Rs mit 24X und CD-RWs mit 10X.

Somit bleibt allein Philips als letzter Plus-Mohikaner übrig. Doch auch von den Niederländern ist bald ein Schwenk zu Plus-Minus zu erwarten, brachte doch unlängst ihr Partner BenQ eine Plus-Minus-Firmware für den gemeinsam entwickelten Brenner DW-800A/DVDRW824K heraus, dessen Hardware sich auch in dem aktuellen HP-Brenner DVD400i verbirgt. So wollte Philips denn auch auf Nachfrage keine Vermutungen dementieren, dass der für Juni/Juli vorgesehene Dual-Layer-Brenner DVDRW885K sowohl Plus als auch Minus schreiben können wird. Eventuell, so munkelt man bei Philips hinter verschlossenen Türen, werde gar für den aktuellen DVDRW824K noch ein kostenpflichtiges Update für eine Plus-Minus-Firmware geben. Der Markt verlange dies einfach. Besonders Computerneulinge stünden dem Formatchaos sehr skeptisch gegenüber und verlangten deshalb nur Plus-Minus-Brenner im Laden.

Doch in diesem neuen Formateinerlei ist längst nicht alles Friede, Freude Eierkuchen, wie ein aktueller Test von 8X-Brennern in der am Montag erscheinenden Ausgabe des Computermagazins c't zeigt. Dort mussten 15 aktuelle 8X-DVD-Brenner im Kreuzvergleich mit neun Rohlingsmarken zeigen, wie gut ihre Brennqualität bei solch hohen Geschwindigkeitenn ist. Das Ergebnis ist erschütternd. Zwei Drittel der Brenner waren nicht in der Lage, auch nur eine DVD bei 8X mit spezifikationskonformen geringen Fehlerraten zu beschreiben. Als Folge entstehen Datenfehler beim Auslesen der DVDs, Player können sie nicht mehr richtig abspielen und zeigen Blockartefakte und Aussetzer, oder die Scheiben werden erst gar nicht erkannt. Damit bestätigen sich die Befürchtungen, die c't gegenüber einem Fehlstart bei 8X in einem kurzen Test bereits Anfang Januar geäußert hatte.

Die Gründe für die zum Teil katastrophalen Ergebnisse liegen in dem enormen Zeitdruck und Preisverfall, unter den sich die Branche derzeit setzt. Kaum sind die 8X-Brenner in den Läden, überschlagen sich die Hersteller schon mit Ankündigungen für 12X-, 16X- und Dual-Layer-Brenner. Den Ingenieuren bleibt so kaum Zeit, die Schreibstrategien der Brenner auf die neuen 8X-Medien abzustimmen. Bestenfalls können sie die Brennergebnisse mit später veröffentlichten neuen Firmwareversionen verbessern, aber auch dies gelingt nicht immer. Ebenso scheinen die neuen 8X-Dyes der Rohlinge sehr empfindlich auf kleinste Schwankungen bei der Laserstärke zu reagieren. Nur wenn alle Parameter optimal aufeinander abgestimmt sind, ist die gebrannte DVD in Ordnung. Die Schwankungen in der Massenfertigung der DVD-Brenner und -Rohlinge sind dafür anscheinend aber momentan noch zu hoch. Eine wichtiger Schritt in Richtung fehlerfrei gebrannter Rohling stellt die neue von Philips entwickelte "Walking OPC" dar, die die Laserstärke während des gesamten Brennvorgangs überwacht und nachregelt.

Was jedoch nach wie vor fehlt, ist eine Software, mit der jeder Anwender selbst die Qualität seiner gebrannten DVD überprüfen kann. Eine kurze Leseprüfung gibt nämlich keine Auskunft darüber, wie sich die DVD in einem anderen Player abspielen lässt und ob noch genügend Spielraum zur längeren Lagerung vorhanden ist. Der taiwanische Laufwerkshersteller LiteOn hatte mit "KProbe" ein solches Tool für seine eigenen Brenner entwickelt, sich dann aber davon distanziert, da es den eigenen Ansprüchen nicht genüge. (hag) / (ad)