Dadamachines: Kickstarter-Projekt für Musik-Roboter gestartet

In allem ist Musik, sogar in Haushaltsgeräten. Die Dadamachines schlagen mit Motoren und Schlägeln auf Kaffetassen, Bierflaschen und anderen Klangkörpern ein, automatisiert per MIDI.

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(Bild: Dadamachines)

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Johannes Lohbihler, Techniker und DJ aus Berlin, stellt sich dem allgemeinen Trend zur Virtualisierung der Musikinstrumente entgegen. Statt mit Sequenzern nur Software-Programme zu steuern, baut er Motoren, die mit ihren Stößeln auf realen Gegenständen dängeln: Glasflaschen, Töpfen, Tamborines, Domino-Schachteln – erlaubt ist alles, was Lärm macht.

Aus seiner Idee hat er nun ein Produkt gemacht, die Dadamachines. Sie bestehen aus einem MIDI-Controller, der sich über USB und DIN-Buchsen mit beliebigen Sequenzern verbinden lässt. Die Kontrollbox hat zwölf Ausgänge mit jeweils 12 bis 24 Volt Gleichspannung, die sich per MIDI ansteuern lassen. Dazu liefert Lohbihler passende Motoren, Solenoid genannt, die auf Notenbefehl mit ihrem Metallstößel losdängeln – andere Köpfe lassen sich aufschrauben oder -kleben.

Passend dazu gibt es verschiedene Adapter für die Solenoids: Auf die "Material Drum" kann man Schraubenmuttern oder Reiskörner streuen, den "Little Wingman" stellt man auf eine Trommel, oder spannt einen Schlägel in den Mallet-Adapter ein, der dann automatisiert auf die Pauke haut. Es lassen sich aber auch andere Gleichspannungs-Motoren an den Controller anschließen.

Über Adapter lassen sich die Solenoid-Motoren mit Schlägeln verbinden, hier beispielsweise der Malet-Adapter. Für größere Drum-Sticks existieren noch stabilere Ausführungen, deren Bauanleitung Lohbihler als Open-Source-Dateien veröffentlichen will

(Bild: Dadamchines)

Um die Alltagsgegenstände besser mit den Solenoid-Motoren zu verbinden, gibt es zudem Adapter für Mikrofon-Ständer-, Lego, Makerbeam und Gummibänder, damit sie während der Performance nicht auseinander hüpfen. Richtig in Position gebracht, kann man das Schlagwerk mit einer beliebigen MIDI-Software ansteuern und bekommt ein originelles Roboter-Schlagzeug. Einige Hersteller wie Ableton bieten sogar spezielle Softwaremodule (Ableton Connection Kit) mit besonderen Steuerfunktionen an. Die Motoren reagieren auf "Note on" und "Note off", die Stärke steuert man über die Notenlänge und kann so Akzente setzen. Passend dazu gibt es von Dadamachines eine Steuer-Software, mit der sich Werte für das Pre-Delay, Velocity-Kurven und die Gate-Time einstellen lassen, damit das Ensemble auch tight zusammenspielt.

Der MIDI-Controller lässt sich per USB oder DIN-Buchse anschließen, eine CV-Erweiterung ist geplant.

(Bild: Dadamachines)

Bastler können den Controller wie einen Arduino programmieren, die Steuer-Software ist Open Source. Für den Expansionport will Lohbihler später eine Erweiterung anbieten, die eine Kontrolle per Steuerspannung (CV) erlaubt, wie sie modulare Synthesizer nutzen.

Der Entwickler führte sein System bereits auf mehreren Kunst-Ausstellungen und Workshops vor, unter anderem für Audi und das Goethe Institut, sowie auf den Maker Faires auf der Maker Faire Berlin 2015 und der Make Munich 2016. Am heutigen Mittwoch startet seine Kickstarter-Kampagne, in der man verschiedene Sets der Dadamachines zu Preisen zwischen 89 und 1150 Euro vorbestellen und sponsern kann. Ein mittleres Set mit einem MIDI-Controller, sechs Motoren und einigen Adaptern kostet beispielsweise 400 Euro; später soll es für 550 Euro über den Ladentisch gehen. Liefern will Lohbihler die ersten Sets im September. Wenn die Kampagne erfolgreich ist, will er weitere Adapter und Motoren über einen Webshop auf der Dadamachines-Seite vertreiben. Ausprobieren lassen sich die Dadamachines auf der Superbooth in Berlin vom 20. bis 22. April.

Maker Faire Berlin 2016: Kurze Vorstellung der Dadamachines.

Update 15:08 Uhr: Die Kickstarter-Kampagne hat ihr Finanzierungsziel von 20.000 Euro inzwischen erreicht. (hag)