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Daimler-Chef: Mehr Elektroautos nicht so gut für die Bilanz

Der Wandel in der Autoindustrie kostet Zeit und vor allem sehr viel Geld. Daimler-Chef Zetsche warnt die Aktionäre schon mal vorsichtig, was das nach den Bestwerten von 2017 für die kommenden Jahre bedeuten könnte.

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Daimler-Chef: Mehr Elektroautos nicht so gut für die Bilanz

(Bild: Daimler)

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Die Milliardeninvestitionen in die Elektromobilität werden beim Autohersteller Daimler nicht ohne Folgen für die Bilanz bleiben. Darauf hat Vorstandschef Dieter Zetsche die Aktionäre auf der Hauptversammlung am Donnerstag in Berlin eingestimmt. "Mehr Elektroautos sind gut für die CO2-Bilanz. Aber nicht so gut für unsere Konzern-Bilanz – jedenfalls vorübergehend", sagte Zetsche. Das vergangene Jahr hatte der Konzern mit einem Rekordgewinn abgeschlossen.

Der Wandel hin zu einer emissionsfreien Mobilität sei eine betriebswirtschaftliche Herausforderung. "Deshalb geben wir beim Thema Effizienz keinen Deut nach", sagte Zetsche. Daimler will das erste vollelektrische Auto der Marke EQ von 2019 an produzieren, neun weitere Modelle sollen folgen. Zudem soll es bis 2022 in jedem Mercedes-Segment eine elektrifizierte Variante geben.

Um die Investitionen stemmen zu können, hatte Zetsche in der Pkw-Sparte Mercedes-Benz im vergangenen September bereits ein neues Sparprogramm aufgelegt, das über die kommenden Jahre einen Spielraum von zusätzlichen 4 Milliarden Euro liefern soll. Unter anderem sollen Produkte schneller auf den Markt gebracht werden, bei den Material- und Produktionskosten wollen die Stuttgarter effizienter werden. Spartenfinanzchef Frank Lindenberg hatte da bereits angedeutet, dass es zumindest für eine Übergangsphase etwas geringere Renditen geben könne. Elektroautos hätten zumindest am Anfang eine deutlich kleinere Gewinnspanne als die Verbrenner-Modelle.

Zetsche betonte erneut auch, wie wichtig der Diesel sei, um den Kohlendioxid-Ausstoß zu senken. "Ohne jeden Zweifel: Wir Automobilhersteller stehen in der Verantwortung, wenn es darum geht, individuelle Mobilität, Klimaschutz und Luftreinhaltung in Einklang zu bringen", sagte er.

Fahrverbote lehnte er explizit ab, zudem sprach er sich indirekt auch gegen die inzwischen von vielen geforderte Hardwarenachrüstung von Diesel-Autos aus: Daimler befürworte, "was technisch sinnvoll und finanziell verantwortbar" sei. "Hierfür sind die angekündigten Software-Updates für über drei Millionen Fahrzeuge eine wirksame und vergleichsweise schnelle Lösung."

Von den Möglichkeiten des autonomen Fahrens zeigte sich Zetsche weiterhin überzeugt. In den vergangenen Wochen waren in den USA bei Unfällen mit einem Roboterwagen des Fahrdienstvermittlers Uber sowie mit einem Tesla-Auto mit eingeschaltetem Fahrassistenten zwei Menschen ums Leben gekommen. "Wir wollen die Sicherheit auf den Straßen weiter verbessern", sagte Zetsche. "Genau deshalb treiben wir das autonome Fahren voran. Es wird die Zahl der Unfälle signifikant verringern."

Optionen für eine Zusammenarbeit mit dem neuen Großinvestor Li Shufu aus China werde Daimler ausloten, sagte Zetsche. "Wir sind in China offen für alles, was im Einklang mit den Interessen unseres langjährigen Partners BAIC steht", betonte er. Li, der Gründer des Autokonzerns Geely, hatte im Februar überraschend fast zehn Prozent der Anteile an Daimler gekauft und war damit auf einen Schlag größter Einzelaktionär geworden. "Unterm Strich bietet die Beteiligung von Li Shufu viele neue Chancen", sagte Zetsche.

Mercedes Generation EQ (10 Bilder)

Daimler hat im September 2016 in Paris mit der Studie Mercedes Generation EQ eine eigene Marke für einen Neuanfang bei der E-Mobilität angekündigt.

(dpa) / (anw)

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