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Daimler führt seine Geräusche für Elektroautos vor

Seit 1. Juli müssen neu zertifizierte Elektroautos auch bei langsamem Tempo hörbar sein. Daimler führt vor, was die Toningenieure ausgetüftelt haben.

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Ein Mercedes-Benz EQC auf dem Akustikprüfstand.

(Bild: Daimler)

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Seit zwei Wochen muss in neu zertifizierten Hybrid-, Elektro- und Brennstoffzellenfahrzeugen das Acoustic Vehicle Alerting System (AVAS) eingebaut werden, damit andere Verkehrsteilnehmer langsame E-Autos akustisch wahrnehmen können. Anlässlich dessen führt Daimler vor, welche Geräusche seine Elektroautos machen sollen.

Dabei soll es sich um ein unaufdringliches, aber gut wahrnehmbares Geräusch handeln, das ab dem Start lauter und ab 20 bis 30 km/h wieder ausgeblendet wird. Das hier als Beispiel vorgeführte Elektro-SUV EQC soll keinen "Science-Fiction-Sound" haben, der dem Auto "fremdartig übergestülpt" werde, sondern das bereits vorhandene Geräusch des Fahrzeugs betonen. Der Sound würde dabei im Interieur nicht als störend wahrgenommen.

(Quelle: Daimler)

Das Grundgeräusch des Fahrzeugs wird bei Daimler zunächst in der Simulation und später im Akustikprüfstand und auf der Teststrecke optimiert. "Dabei geht es vor allem darum, die relevanten Fahrzeugkomponenten in ihren akustischen Eigenschaften zu einem abgestimmten Gesamtfahrzeug zu entwickeln", schildert Daimler.

Beim AVAS gehe es zusätzlich darum, Geräusche zu ergänzen, wo eigentlich keine sind, die sich aber ins Gesamtfahrzeuggeräusch einfügen. Das Klangmuster solle auf der einen Seite dezent und auf Dauer nicht störend sein, aber gleichzeitig gut hörbar und intuitiv zuzuordnen.

Die Rahmenbedingungen für den Klang des AVAS seien detailliert, erläutert Daimler. Das gelte für die Mindest- und Maximallautstärke sowie für bestimmte Geräuschanteile. Vorgegeben ist auch der Geschwindigkeitsbereich, in dem der Sound hörbar sein muss. In diesem Rahmen könne jeder Fahrzeughersteller seinen eigenen "Elektrosound" frei gestalten.

Für die EU, Japan und China unterscheide sich Daimlers AVAS-Sound nur gering. Für die USA gelten andere Anforderungen, beispielsweise an die Lautstärke. Außerdem muss das Fahrzeug bereits im Stand bei eingelegtem Gang ein Geräusch von sich geben, das bis 30 km/h lauter wird. Das AVAS darf dabei in nahezu allen Ländern nicht abschaltbar sein.




Akustische Warnsignale bieten Autohersteller bereits seit Jahren an. Renault beispielsweise setzt "Z.E. Voice" (Geräusch auf Soundcloud) seit Markteinführung seiner ersten Elektrofahrzeuge 2012. Nissan, das mit dem Leaf einen der weltweit meistverkauften E-Autos herstellt, hatte 2010 das System "Approaching Vehicle Sound for Pedestrians" eingeführt. BMW bietet optional einen akustischen Fußgängerschutz seit 2013 in Europa an. Für den VW E-Golf sowie den Hybrid Golf GTE gab es den optionalen E-Sound in Deutschland seit Mitte 2015, für den Smart Fortwo Electric Drive seit Produktionsbeginn ab Werk. BMW hat für die Geräuschkulisse seiner Elektroautos den Hollywood-Komponisten Hans Zimmer engagiert. (anw)