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Dark Souls Remastered angespielt: Vermurkste Neuauflage

Mit Dark Souls:Remastered will Publisher Bandai Namco alte und neue Fans wieder in das geheimnisvolle Anor Londo schicken. Herausgekommen ist aber nur ein liebloser HD-Patch, den man auch kostenlos liefern könnte.

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Dark Souls Remastered angespielt: Vermurkste Neuauflage

(Bild: Andreas Müller)

Anor Londo, Schandstadt oder Ornstein und Smough – bei diesen Namen schnalzen die Einen mit der Zunge und die Anderen wenden sich stöhnend ab. Als Dark Souls vom japanischen Entwickler From Software 2011 erschien, ging ein Ruck durch die Videospielelandschaft: Ein Spiel, so ganz anders als die anderen. Schwer, kompromisslos und geheimnisvoll zog es die Spieler in ihren Bann. Der Vorgänger Demon’s Souls hatten diesen eigenwilligen Mix aus Action-Rollenspiel und Survival Horror zwar eingeführt, doch erst jetzt kam der Erfolg.

Bis heute gilt Dark Souls als der beste Vertreter dieser sogenannten Soulsborne-Spiele. Nur die Technik wollte nicht so recht und zwang die damalige Konsolengeneration in die Knie: Niedrige Frameraten machten das Spiel in vielen Momenten zu einer Ruckelorgie. Selbst die verspätete PC-Version konnte diese Mängel nicht beheben. Modder behoben zwar schnell gröbste Schnitzer, wie die niedrige Auflösung, doch die Enttäuschung über die miese Technik blieb. Zeit also, mit einer Remastered-Version alle Fehler zu beheben.

Das Gute zuerst: Es ist alles da, was die Fans an Dark Souls lieben. Noch immer geht ein Kribbeln durch die Spieler, weil der Tod hinter jeder Ecke lauert und noch immer ist es ein ungemein befriedigendes Gefühl, wenn ein riesiger Endgegner nach scheinbar endlosen Versuchen besiegt wird. Schnell geht hier nichts. Wo andere Spiele auf Tempo und Spektakel setzen, endeckt Dark Souls die Langsamkeit. Ruhe, Geduld und immer wieder Training sind die Erfolgsrezepte, um sich in dieser manchmal verwirrenden Open-World zurechtzufinden.

Dark Souls Remastered (4 Bilder)

Verwaschene Texturen, kaum Kontraste: Die Remastered-Version ist technisch eine Enttäuschung.
(Bild: Andreas Müller)

Das ist aber nur die eine Seite, denn oft fragten sich die Spieler, ob das nun Absicht oder ein Bug war: Ein Dämon, der tölpelhaft in den Abgrund springt; Gegner, die durch Wände hindurch angreifen oder eine Kollisionsabfrage, die in manchen Szenen eher Glück, als Können herausforderte. Die Fans akzeptierten diese Details als Feature. Manchmal passten die schrägen Spielmomente auch wunderbar in eine geheimnisvolle Spielwelt, die kaum Antworten gab und in der sich die Spieler alles erarbeiten mussten – von der richtigen Tastenkombination beim Sprung bis zu den Storydetails.

Die Remastered-Version wurde vom polnischen Entwickler QLOC umgesetzt. Sie unterstützt eine 4K-Auflösung und eine konstant hohen Framerate von 60 fps für ruckelfreies Spielen. Das war es aber auch schon: Keine auffälligen neuen Animationen, keine besonderen Lichteffekte. Besonders ärgerlich sind die kaum vorhandenen Kontraste, die in dunklen Gegenden wie Finsterwald oder Schandstadt die Gegnererkennung und die Wegfindung zur Glückssache machen. Jeder Bug aus der Originalversion ist auch hier zu finden. Als Spieler fragt man sich zwangsläufig, ob hier nicht einfach die alte Version mit einer höheren Auflösung portiert wurde und die schnellere CPU aktueller Konsolen den Rest erledigt.

Das wäre alles halb so schlimm, wenn Publisher Bandai Namco die Remastered-Version für die Besitzer des Originals kostenlos anbieten würde, wie etwas Bethesda mit Skyrim HD. Stattdessen werden selbst treue Fans zur Kasse gebeten. Besonders hart trifft es PC-Spieler: Die beliebte Prepare to Die-Edition ist von Steam verschwunden. Als Ersatz bietet der Publisher einen 50 Prozent – Gutschein für die Besitzer der Originalversion. Ein unbedingter Kaufgrund ist das nicht.

Das hat dieser Klassiker nicht verdient. Dark Souls: Remastered ist ein liebloser HD-Patch, der außer einer besseren Frameraten nichts Besseres zu bieten hat. Kostenlos wäre es noch ok, aber fast zum Vollpreis grenzt diese Marketingpolitik an Abzocke. Besonders im Vergleich zum wunderschönen PS4-Remake von Shadow of the Colossus ist das eine riesige Enttäuschung für die Fans und Neueinsteiger. Letztere werden sich wohl verwundert den Kopf schütteln, warum ein solch hässliches Spiel überhaupt zum modernen Videoklassiker werden konnte. Publisher Bandai Namco hat sich mit dieser Remastered-Version keinen Gefallen getan: Diese Neuauflage scheint ein Schnellschuss zu sein, um beinharte Fans ein letztes Mal zur Kasse zur bitten.

Dark Souls: Remastered ist am 25. Mai für Windows (ab 35,95 €), PS 4 (ab 19,99 €) und Xbox One (ab 20,99 €) erschienen und kostet ca. 50 Euro. Wir haben es ein paar Stunden auf der PS4 angespielt.

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