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Darknet-Server vom Netz genommen – sieben Festnahmen

Mehrere hundert Einsatzkräfte haben am Donnerstagabend erstmals in Deutschland einen "Bulletproof-Hoster" ausgehoben. Untergebracht war er in einem Bunker.

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Deutschen Ermittlern ist ein Schlag gegen international agierende Cyberkriminelle gelungen: Am Donnerstag seien bei einer Aktion in Rheinland-Pfalz mit mehreren Hundert Einsatzkräften sieben Tatverdächtige festgenommen worden, unter anderem Betreiber eines illegalen Rechenzentrums, teilte das Landeskriminalamt am Abend mit.

Ein im nördlichen Rheinland-Pfalz betriebener Server sei vom Netz genommen und sichergestellt worden. Bei den Verdächtigen handle es sich um Mitglieder einer international agierenden Bande.

Ein LKA-Sprecher sagte am Abend, gegen die Festgenommenen werde wegen Waffenhandels, Kinderpornografie und Drogenhandels ermittelt. "Alles, was man sich im Darknet vorstellen kann", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Trier.

Von dem Rechenzentrum aus sei auch der weltweit zweitgrößte Darknet-Marktplatz "Wall Street Market" betrieben worden, den Ermittler im Frühjahr zerschlagen hatten. Über die Online-Plattform wurden neben Rauschgift unter anderem auch ausgespähte Daten, gefälschte Dokumente und Schadsoftware gehandelt, wie es damals hieß. Auch ein Angriff auf Telekom-Router vor drei Jahren sei von dem Rechenzentrum ausgegangen, teilte das LKA am Donnerstag mit. Ende 2016 waren über eine Million Anschlüsse von Telekom-Kunden offline gegangen.

Update 27.9.2019, 13:32 Uhr: Der Darknet-Server sei in einem ehemaligen NATO-Bunker in Traben-Trarbach untergebracht gewesen, ergänzt das LKA Rheinland-Pfalz. Insgesamt würden nach einem nun fast fünf Jahren dauernden "umfangreichen und äußerst zeit- und arbeitsintensiven" Ermittlungsverfahren 13 Personen beschuldigt.

Erstmals sei es deutschen Ermittlungsbehörden gelungen, einen "Bulletproof-Hoster" auszuheben, der Kunden Schutz vor staatlichem Zugriff bieten und Ermittlungen vereiteln soll. In dem "Cyberbunker" genannten Gebäude seien zahlreiche Webseiten gehostet worden, über die international agierende Kriminelle Drogen und gefälschte Dokumente sowie gestohlene Daten vertrieben, Kinderpornografie verbreitet und groß angelegte Cyberangriffe durchgeführt haben sollen.

Ein Kunde des Cyberbunker gewesen sein soll neben "Wall Street Market" "Cannabis Road", über die 87 Verkäufer von illegalen Drogen aller Art registriert waren. Weiter wurde das Forum "Fraudsters" im Bunker gehostet, über mehrere tausend Betäubungsmittelgeschäfte abgewickelt worden seien. Außerdem waren im Bunker gehostet worden die Plattformen "Flugsvamp 2.0" "orangechemicals", "acechemstore" und "lifestylepharma".

Die Beschuldigten – darunter eine Frau – sind im Alter von 20 bis 59 Jahren. Sieben Tatverdächtige wurden aufgrund von Haftbefehlen festgenommen. Gegen sechs der Männer und die Frau - vier Niederländer, einen Bulgaren und zwei Deutsche - wurden Haftbefehle wegen Flucht-, und Verdunklungsgefahr erlassen. Die Ermittlungsrichterin erließ außerdem 18 Durchsuchungsbeschlüsse. (anw)