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Darkwallet: Neue Bitcoin-Wallet verspricht volle Anonymität

Mit Darkwallet liegt eine neue Wallet-Software in Alpha-Fassung vor, die Bitcoin-Nutzern mehr Anonymität verspricht. Die Entwickler verstehen ihre Software als Kampfansage an alle, die Bitcoins ins bestehende Finanzsystem integrieren wollen.

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Die schon vorab heiß diskutierte Wallet-Anwendung Darkwallet liegt nun in der ersten Alphaversion vor, zunächst als Erweiterung für den Browser Chrome. Darkwallet soll Bitcoin-Nutzern prinzipiell vollständige Anonymität bei Zahlungen bieten, was damit auch Geldwäsche ermöglichen würde. Die Macher sehen sich als Anarchisten und gehen mit klaren Kampfansagen an alle Vereinnahmungen des Bitcoin durch Finanzwelt und staatliche Regulation an die Öffentlichkeit – was insbesondere in den USA für große Medienaufmerksamkeit sorgte.

Software für anonyme Zahlungen und Kampfmittel gegen Vereinnahmung des Bitcoins: die Darkwallet.

(Bild: Screenshot)

Prinzipiell bietet Bitcoin nur den Schutz der Pseudonymität: In der öffentlich einsehbaren Datei Blockchain sind alle Transaktionen verzeichnet und damit auch nachverfolgbar. Allerdings sind von den Zahlern und Empfängern nur die öffentlichen Bitcoin-Adressen bekannt, wobei solche Adressen in beliebiger Zahl generiert werden können. Das macht es schwierig, aber nicht unmöglich, die Person hinter einer Transaktion ausfindig zu machen.Wer Geldflüsse weiter verschleiern wollte, konnte bislang auf sogenannte Mixing-Dienste zugreifen.

Darkwallet will den Nutzern solche Möglichkeiten direkt an die Hand geben: Unter anderem ist eine Coinjoin genannte Technik implementiert, die ähnlich wie ein Mixing-Dienst Transaktionen der Darkwallet-Nutzer durchmischt und damit die Nachverfolgbarkeit in der Blockchain erschwert. Ebenfalls kommen sogenannte "Stealth Adresses“ zum Einsatz. Nutzer können sich eine solche Stealth-Adresse einrichten, daran gerichtete Zahlungen werden über andere Adressen umgeleitet, so dass die Zahlungseingänge in der Blockchain nicht öffentlich erkennbar sind.

Darüber hinaus bietet die Alpha auch Funktionen wie die Einrichtung einer Multisignatur-Wallet, bei der mehrere Parteien Zahlungen zustimmen müssen. Das Herunterladen und Vorhalten der kompletten Blockchain, so wie beim normalen Bitcoin-Core-Client, ist in der Alpha-Fassung nicht nötig.

Vorsicht, Alphaversion: Nutzer sollten sich beim Ausprobieren aufs Testnet beschränken, raten die Entwickler.

(Bild: Screenshot)

Die Macher betonen, dass Darkwallet noch in den Kinderschuhen steckt und raten daher von einer Benutzung mit echten Bitcoins ab. Vielmehr sollte das Programm im Testnet verwendet werden, einer nur zu Testzwecken gedachten alternativen Blockchain. Insbesondere Entwickler werden dazu aufgerufen, Darkwallet auszuprobieren und nach Fehlern und Lücke zu suchen.

Um die Darkwallet-Alpha anzutesten, muss man die Archiv-Datei herunterladen und entpacken. In Chrome geht man in den Einstellungen auf Erweiterungen, setzt einen Haken beim Entwicklermodus und wählt dann über „Entpackte Erweiterungen laden“ den entpackten Ordner aus. Dafür muss Chrome in der aktuellen Version 34 installiert sein.

Führende Köpfe hinter dem kontroversen Projekt sind der Entwickler Amir Taaki vom Kollektiv Unsystem und der mit der 3D-gedruckten Schusswaffe "Liberator“ in die Schlagzeilen gekommene Jura-Student Cody Wilson. Sie sehen Darkwallet nicht nur als Software, sondern als klare politische Aussage gegen jede Regulierung des Kryptogelds. „Bitcoin ist das nächste Schlachtfeld in Kampf gegen die supranationale Vorherrschaft des Staats. Digitale Anonymität [..] ist eins der letzten Werkzeuge der schrumpfenden Bastionen der Freiheit“, hieß es etwa in der Ankündigung zum ihrem Crowdfunding auf Indiegogo vom vergangenen Jahr, das über 50.000 US-Dollar für die Entwicklung einbrachte.

Das Video der Dark-Wallet-Macher zum Alpha-Release.

Dass ihr Werkzeug gegen die "Architektur der Unterdrückung“ aber auch Kriminellen mit handfesten Geldwäscheabsichten in die Hände spielen kann, scheint für die Macher kein Problem zu sein. "Freiheit ist eben eine gefährliche Sache“, erklärte Wilson dem Magazin Wired. Es gehe um den ursprünglichen, kryptoanarchistischen Gedanken des Bitcoins – eines digitalen Geldes ohne Staaten und Banken. Wann eine fertige Version von Darkwallet vorliegen soll, ist noch offen. Ebenso bleibt spannend, wie staatliche Geldwäschebekämpfer auf solche Software reagieren werden, wenn sie denn fertig ist. (axk)