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Das Aus für Googles Smartphone-Marke Nexus?

Schon länger geht das Gerücht um, die nächsten Nexus-Smartphones kämen von HTC, würden aber nicht mehr Nexus heißen. Doch was Google genau plant, bleibt unbekannt. Eine Analyse und Einschätzung.

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Das Gerücht, Google werde zukünftig Android-Smartphones nicht mehr unter der Marke Nexus verkaufen, bekommt neue Nahrung: Angeblich seien Prototypen der nächsten Nexus-Generation von HTC aufgetaucht, nur halt ohne den Namenszug Nexus. Bei Prototypen lässt das üblicherweise zwar keine weiteren Schlüsse zu, doch sollen sie durchaus ein final wirkendes Google-Logo getragen haben.

Unklar ist aber weiterhin, was das bedeuten würde: Ändert Google beim HTC Sailfish und Marlin einfach nur das Design und hebt den Firmennamen mehr hervor? Schließlich steht auf den wenigsten Smartphones zusätzlich zum Herstellername auch noch eine Bezeichnung der Baureihe. Vielleicht kommen die Modelle analog zum Pixel C unter einem anderen Namen, etwa als Pixel-Modelle, und weitere Nexus-Modelle folgen später? [Update 2.9.] Tatsächlich tauchen inzwischen Gerüchte auf, Google wolle die HTC-Modelle als Pixel und Pixel XL vermarkten. [/Update]

Oder lässt Google die Marke Nexus wirklich sterben zugunsten einer neuen Marketing-Strategie? Also statt Nexus- nur noch Google-Smartphones? Dazu würde passen, dass es schon lange kein neues Nexus-Tablet mehr gegeben hat.

Google-Chef Sundar Pichai erzählte vor einigen Monaten, man wolle den eigenen Smartphones mehr Funktionen spendieren, um mit anderen Herstellern zu konkurrieren – ob es sich dabei um bessere Hardware oder um zusätzliche Android-Funktionen und Apps handelt, ließ er offen. Bisher läuft auf den Nexus-Modellen, aber auch auf dem edleren Tablet Pixel C, ein Vanilla-Android ohne weitere Ergänzungen.

Mit Android- und App-Erweiterungen könnte sich Google allerdings nur von der Konkurrenz abheben, wenn es diese nicht allen anbietet. Das würde den Android-Markt deutlich verändern, weil Google langfristig mehr und mehr Android-Erweiterungen für sich selbst behalten könnte – zudem willkürlich ausgewählte –, statt sie im AOSP-Projekt anderen Herstellern zur Verfügung zu stellen.

Bisher ist Google ganz im Gegenteil bei den eigenen Apps nicht nur freigiebig, sondern zwingt die Hersteller offenbar sogar, sie vorzuinstallieren – lediglich einigen interessanten Alternativen wie CustomROMs oder dem Desktop-Derivat Remix OS gewährt Google keinen Zugang zu den Apps und damit zum App-Supermarkt Google Play.

Zudem: Was für Erweiterungen könnten das sein? Allzu viel Sinnvolles erledigen die App-Beigaben der Konkurrenten nicht, und haufenweise sinnvolle Erweiterungen findet man einfach im Play Store – für alle Geräte. Einen wichtigen Vorteil hat Google sogar jetzt schon auf seiner Seite: Die schnelleren Updates. Die Nexus-Geräte bekommen die Security-Updates zuverlässig sofort, nur Blackberry hält mit (oder überholt auch mal), und auch die größeren Updates kommen bei den Nexus-Modellen schneller als bei allen anderen – die Kontrahenten hingegen liefern lange nicht für alle Geräte gerade der mittleren und niedrigen Preisklassen überhaupt irgendwann Updates.

Damit bleiben dann doch Hardware-Vorteile. Der Stift von Samsungs brennendheißer Note-Serie, die Spitzenkameras beispielsweise von Sony und Samsung, die Modulbauweise des Moto Z, Dual-SIM, stärkere Akkus, robuste Geräte – da wäre Platz nach oben, auch wenn die Nexus-Geräte seit dem 6 und vor allem dem hervorragenden 6P durchaus Oberklasse-Ambitionen haben, nachdem die Vorgänger eher die vernünftige Mittelklasse vertreten.

Doch warum dann gerade HTC als Hersteller? Deren letzte Flaggschiffe krankten abgesehen vom tollen Gehäuse ja gerade an fehlenden High-End-Features, vor allem die Kamera hinkte hinterher, auch dem Nexus 6P weit hinterher. Auch den Gerüchten zu den beiden HTC-Modellen war bislang nichts kehrtwendiges zu entnehmen. Mehr Einfluss auf die eigenen Android-Geräte – wir sind gespannt, wie Google das umsetzt. (jow)