Das DE-CIX und das "Schland-Netz": Betreiber empört über Telekom-Pläne zum "Schengen-Routing"

In die Debatte im ein "nationales IP-Routing" greift die DE-CIX Management GmbH die Telekom scharf an. Die Betreiber des größten Internet-Knotens bezeichnen die Initiative zum "Schengen-Routing" als "reine Marketingaktion und Irreführung der Politik".

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Von
  • Holger Bleich

In die Debatte um ein "nationales IP-Routing", wie es die Deutsche Telekom jüngst vorgeschlagen hat, schaltete sich nun auch die DE-CIX Management GmbH als Betreiber des größten europäischen Peering-Knotens ein. Deren Geschäftsführer Harald Summa empörte sich über den Vorstoß von Telekom-Chef René Obermann. Er bezeichnete die Initiative als "reine Marketingaktion und Irreführung der Politik".

Wie andere Routing-Experten wies nun auch Summa darauf hin, dass es gerade die Telekom selbst sei, die einen Verbleib der Datenpakete im deutschen Rechtsraum behindere. Am öffentlichen DE-CIX-Peering nehmen laut Summa 220 deutsche Provider teil. Deren Datenverkehr verbleibe deshalb "schon heute innerhalb deutscher Grenzen und damit im deutschen Rechtsraum. Der Teil des deutschen Datenverkehrs, der über den DE-CIX 'gepeert' wird, folgt also längst einem nationalen Routing", bemerkte Summa.

Die Deutsche Telekom sei als einziger der Top-10-Anbieter, die zusammen 98 Prozent der Internetzugänge in Deutschland bereitstellen, bisher nicht am DE-CIX angeschlossen. Stattdessen organisiere sie den Transport ihres Datenverkehrs im Rahmen von Private Peerings direkt mit anderen Netzbetreibern. In einer solchen Topologie komme es nun einmal häufiger vor, dass Datenverkehr zwischen deutschen Betreibern den Weg über mehrere andere – auch ausländische – Netze nehme.

Das Ziel, die Angriffsfläche für ausländische Geheimdienste über kürzere Routing-Strecken zu reduzieren, teilt der DE-CIX Betreiber ausdrücklich. Die Pläne der Deutschen Telekom aber halte man "für öffentlichkeitswirksame Augenwischerei und einen Versuch, ihr altes Monopol in Deutschland de facto wieder herzustellen", sagte Summa.

"Wenn die Deutsche Telekom ebenfalls Datenverkehr über den DE-CIX austauschen würde, könnten wir gemeinsam als deutsche Unternehmen dafür sorgen, dass ein sehr großer Teil des deutschen Datenverkehrs auch im deutschen Rechtsraum bliebe." Damit liege "doch eine leicht verfügbare Lösung auf der Hand, die sowohl der Internetwirtschaft als auch den Bürgern nützen würde – und zwar ohne riesige Mehrkosten auf allen Seiten. Wir würden uns freuen, uns mit der Deutschen Telekom dazu an einen Tisch zu setzen." (hob)