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Das Ende des analogen Fernsehens beginnt in Berlin

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Für acht Prozent der Berliner Haushalte, die ihr Fernsehsignal nicht via Kabel oder Satellit, sondern mit der guten alten Hausantenne oder einer Stabantenne direkt am Fernseher empfangen, wird es nun ernst: Morgen früh wird auf vielen Kanälen der analogen Endgeräte nur noch ein Flimmern zu sehen sein. Um Mitternacht werden die Sendeanlagen Berlin Alexanderplatz, Scholzplatz und Potsdam digitales Fernsehen nach dem DVB-T-Standard ausstrahlen.

Bereits seit November können die Berliner acht digitale Programme empfangen. Um Platz für weitere Programme zu schaffen, wird die analoge Ausstrahlung von Pro7, RTL, Sat1 und VOX nun komplett eingestellt. ARD und ZDF werden auf leistungsschwächere Kanäle verbannt, sodass in problematischen Empfangslagen kein Analogempfang mehr möglich sein wird.

Uwe Haaß, Koordinator für die DVB-T-Einführung bei der Gesellschaft zur Förderung der Rundfunkversorgung (GARV) hofft denoch auf einen reibungslosen Start in die digitale TV-Zukunft: "Wir haben in den letzten Wochen allein 2,5 Millionen Briefe an Haushalte in und um Berlin verschickt, um die Menschen auf die Umstellung vorzubereiten. Dazu kamen noch Info-Spots, die über das analoge Fernsehen ausgestrahlt wurden, Plakatwerbung und die Berichterstattung in den Medien. Auch auf der Homepage des "ÜberallFernsehens" wird kräftig geworben.

Um weiterhin über Antenne fernsehen zu können, benötigt man eine DVB-T-Settop-Box, wie sie von verschiedenen Herstellern ab 179 Euro angeboten werden. 70.000 Boxen wurden bereits verkauft, sodass theoretisch die Hälfte der geschätzten 150.000 Haushalte, die betroffen sind, nahtlos umsteigen können. Glaubt man dem Aussagen des Einzelhandels, wird allerdings ein Drittel der Boxen nicht von Antennenguckern, sondern von Kabelkunden erworben: Im Unterschied zum Kabelfernsehen fallen bei DVB-T neben GEZ-Gebühren keine weiteren Kosten an.

Aus diesem Grund kritisieren die Kabelnetzbetreiber die Einführung von DVB-T: "Statt auf das bereits vorhandene TV-Kabel als Königsweg in die Digitalisierung zurückzugreifen, werden für das Abenteuer DVB-T Gebührengelder und das Budget von privaten Haushalten verschleudert", meint Peter Stritzl, Gesellschafter der in Berlin aktiven Kabelgesellschaft ewt in einer Stellungnahme gegenüber heise online. Der Privatmann werde kräftig zur Kasse gebeten, so Stritzl weiter, schließlich sei für jeden Antennen-Haushalt pro Fernseher und pro Videorecorder für parallele Aufnahmen eine separate Set-Top-Box notwendig. "Die Zweitgeräte und Videorecorder wurden bei der Planung wohl nicht berücksichtigt."

Wenn am 1. August der letzte analoge Sender abgeschaltet ist, werden die Berliner 22 Programme digital über Antenne empfangen können. Sogar Pay-TV-Anbieter Premiere hat schon Interesse an einem Sendeplatz bekundet. Der Verlauf der Umstellung in Berlin wird darüber entscheiden, ob DVB-T flächendeckend in Deutschland eingeführt oder als gebührenfinanzierte Machbarkeitsstudie enden wird -- ein Schicksal, von dem DigitalRadio (DAB) nach Jahren der Einführung momentan akut bedroht ist. (sha)