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 | Technology Review

Das Geheimnis seines Erfolges: Obamas Wahlkampf 2.0

Wie wichtig war das Internet im US-Präsidentschaftswahlkampf? Das Technologiemagazin Technology Review hat die Online-Wahlstrategie des als besonders netzaffin geltenden Demokraten und künftigen US-Präsidenten Barack Obama analysiert und kommt zu dem Schluss, dass der Kandidat ohne den Einsatz des Netzes kaum so weit gekommen wäre. Eindrucksvoll wurde dies bereits im Nominierungswahlkampf deutlich, als der Senator aus Illinois am zweiten "Super Tuesday" im März Hillary Clinton deklassierte.

Clinton hatte im umkämpften Texas etwa 20.000 freiwillige Helfer. 104.000 Texaner aber hatten sich über Obamas Sozialnetz-Dienst MyBarackObama, kurz MyBO, als Unterstützer für Obama registriert. Obamas Team konnte seine vielen Helfer quasi mühelos mobilisieren. Die Datenbanken hinter MyBO gaben bereitwillig Listen der Freiwilligen in Texas aus, sortiert nach kleinsten geografischen Einheiten. So ließen sich die Helfer vor Ort dort einsetzen, wo sie am meisten ausrichten konnten. Auch an anderer Stelle feierte Obama dank seiner Website erstaunliche Erfolge. So brach er mit 55 Millionen Dollar in einem Monat mühelos einen Rekord im Auftreiben politischer Spenden.

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Die Technik hinter MyBO wurde allerdings nicht für Obama entwickelt, berichtet Technology Review weiter, sondern stammt ursprünglich aus dem Wahlkampf des 2004 gegen John Kerry gescheiterten demokratischen Kandidaten Howard Dean. Blue State Digital, ein von ehemaligen Dean-Campaignern gegründetes politisches Start-up, bohrte die Technik entsprechend auf. Die MyBO-Tools sind im Grunde nur eine aufpolierte Version der Technik, die schon bei Dean zum Einsatz kam, berichtet Zephyr Teachout, damals Deans Internet-Direktor und heute Gastprofessor an der Duke University: "Sämtliche Tools, die bei Obama verwendet werden, stammen von uns. Aber Blue State Digital hat eine Menge Arbeit hineingesteckt und aus unserer groben Sammlung ein komplettes Paket gemacht."

Blue State Digital reagiert dabei stets agil – so hatte die Firma beispielsweise nur neun Tage für den Umbau der Website, bevor Obama am 10. Februar 2007 seine Kandidatur bekannt gab. Unter anderem ging es dabei darum, auf hohe Zugriffszahlen vorbereitet zu sein. "Wir haben Prognosen gemacht für das Datenvolumen, Zahl der Beiträge und eingehender E-Mails, alles auf der Grundlage von Schätzungen von Leuten, die 2004 mit John Kerry und Dean gearbeitet hatten", erinnert sich Jascha Franklin-Hodge, Technikchef und Mitbegründer. Während Obamas Rede aber "sahen wir den Verkehr zunehmen und zunehmen".

Schnell wurde klar, dass die frühen Annahmen deutlich zu niedrig lagen. Das war schlecht für die Serverlast, doch gut für die Wahlkampfkasse: Bis Juli 2008 hatten eine Million Online-Spender rund 200 Millionen Dollar für Obama gegeben, alle Quellen zusammen kamen bis Ende Juni auf 340 Millionen Dollar. MyBO allein verzeichnete laut Blue State Digital gut eine Million registrierte Nutzer und hatte bei der Organisation von 75.000 lokalen Aktionen geholfen. Die Menge erhöhte sich bis zum Ende des Wahlkampfs noch deutlich.

Die gesamte Obama-Internet-Wahlkampf-Analyse in Technology Review online:

Siehe dazu auch::

(bsc)

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