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Das Semantic Web auf dem Weg in die Praxis

Auf der Semantics 2005 in Wien haben Forscher und Unternehmen Anwendungsfelder semantischer Verfahren wie Ontologien (definierte Systeme von Konzepten und Relationen), der Beschreibungssprache RDF (Resource Description Framework) sowie Methoden zur Kopplung von Ontologien vorgestellt. "Wir wollen Experten aus unterschiedlichen Bereichen zusammenbringen und die Diskussion um das Semantic Web nicht rein technologisch führen," so Andreas Blumauer von der Semantic Web School, einem der Organisatoren des Kongresses. In einem semantischen Web sind Informationen nicht nur für Menschen lesbar, sondern auch in einer für Computer verständlichen Form gespeichert.

Vorgestellt wurden unter anderem die Projekte Adaptive Service Grid (ASG) und Data, Information and Process Integration (DIP). Das von der EU geförderte ASG-Projekt geht davon aus, dass semantische Verfahren nützlich für die Kopplung von Web Services sein könnten, und soll dazu eine Vermittlungsplattform zwischen einzelnen Anwendungen wie der Telematik oder der Telekommunikation bereitstellen. Sie verwendet Werkzeuge wie die Web Service Modelling Ontology, mit denen sie die Dienste semantisch beschreibt.

Josef Noll, beim norwegischen Netzanbieter und Projektpartner Telenor für Forschung und Entwicklung zuständig, hält zwar die Erstellung von Ontologien noch für sehr aufwendig, sieht aber in semantischen Verfahren die Chance für die klassischen Netzbetreiber, nicht überflüssig zu werden: "Wir müssen in Zukunft sehr viel stärker die Rolle von Servicebrokern einnehmen." Dabei denkt er beispielsweise an Dienste aus dem Telematikumfeld, die sich mit Verfahren des Semantic Web koppeln lassen. "Wir könnten beispielweise on the fly Verkehrsinformationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenfassen und die Routen von Navigationssystemen anpassen." Mit Verfahren des semantischen Web arbeitet auch Gnab, die von Empolis für Bertelsmann entwickelte Musikplattform, die vor kurzem auch an Medion lizenziert wurde.

Erfahrungen aus dem E-Government beschrieb Joseph Domingue, Chef des DIP-Projekts, das gerade ein Portal für den britischen County of Essex aufbaut. Ziel ist es, die Verwaltungsvorgänge zu vereinfachen. So sollen sich beispielsweise Personenstandsmeldungen einfacher zwischen unterschiedlichen Quellen austauschen lassen, natürlich unter Beachtung des Datenschutzes. "Allein bei einer Sterbemeldung müssen Informationen in 50 Quellen geändert werden," so Dominque. Ein Prototyp geht im März 2006 online.

In der Abschlussdebatte zu Rolloutszenarien des Semantic Web verwies Professor Steffen Staab von der Universität Koblenz/Landau auf die Stärken der Verfahren bei der Integration von Daten aus unterschiedlichen Quellen. Erste Erfolge bei der Zusammenführung autonomer Quellen zeige beispielsweise die Gene Ontology, ein Versuch, 600 Gendatenbanken mit Verfahren des Semantic Web so zu beschreiben, dass man sie einheitlich abfragen kann.

"Man muss aber klein anfangen", warnt Klaus Birkenbihl vom deutschen Büro des World Wide Web Consortium vor übezogenen Erwartungen. Ein erster Ansatz könnte etwa sein, Datumsfelder in Webanwendungen zu kennzeichnen. Dann wäre zumindest auf dieses Segment der Zugriff durch unterschiedliche Anwendungen wie Terminplaner oder Reiseportale möglich. Auf die Notwendigkeit der Normierung von Terminologien verwies Christian Gallinski von Termnet. "Wenn Daten so ausgetauscht werden, wie das Semantic Web dies vorsieht, muss es Autoritäten geben, die Repositories warten und die Zuverlässigkeit von Informationen sicherstellen." Für den Austausch von Informationen zwischen den Repositories fehlen derzeit aber noch die Standards. (Pia Grund-Ludwig) (Pia Grund-Ludwig) / (odi)

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