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Das World Wide Web wird 30: (K)ein Grund zum Feiern

Das World Wide Web wird 30. Eigentlich müsste alles gut sein, doch ausgerechnet WWW-Erfinder Sir Tim Berners-Lee sieht wenig Grund zum Feiern.

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Im März 1989 legte Sir Tim Berners-Lee den Grundstein für das World Wide Web an der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) gelegt. Vor genau 30 Jahren hat der britische Physiker sein Papier "Informationsmanagement: Ein Vorschlag" eingereicht. Sein Ziel: Den Informationsaustausch zwischen Wissenschaftlern und Universitäten zu verbessern. "Vage, aber interessant", schrieb sein Vorgesetzter auf den WWW-Entwurf von Berners-Lee.

Bis das World Wide Web zu dem öffentlichen Netz für alle wurde, vergingen allerdings einige Jahre. Zunächst mussten die Basis-Techniken wie http, HTML, URL, ein erster Webbrowser und Server-Software entwickelt werden. Der erste Webserver info.cern.ch lief 1990 auf einem NeXT Computer am CERN. Die erste Webseite enthielt Informationen zum Word-Wide-Web-Projekt.

Zunächst wurden Web-Server im akademischen Umfeld aufgebaut. Deren Zahl wuchs langsam aber stetig. Der Mosaic Browser für Unix- und Windows-Systeme erschien im Januar 1993 und wurde der erste "populäre" Browser. 1993 ging das World Wide Web in die Public Domain über, um es als offenen Standard zu etablieren und seine Verbreitung zu fördern. Im Oktober 1994 gründete Berners-Lee dann das World Wide Web Consortium (W3C), dessen Direktor er wurde. Bis dahin waren bereits mehr als 10.000 Webserver online, bei 2000 davon handelte es sich um kommerzielle Server.

Heute ist die Hälfte der Weltbevölkerung online und Berners-Lee, der bei der Erfindung des WWW grenzenlos begeistert war, warnt heute vor dessen Missbrauch. "Der Kampf für das Web ist eines der wichtigsten Anliegen unserer Zeit" schrieb Berners-Lee am Montagabend in einem offenen Brief. Am Dienstag nimmt er am CERN in Genf an einer 30-Jahr-Feier teil. "Angesichts der Artikel über den Missbrauch des Webs ist es verständlich, dass viele Leute sich sorgen und unsicher sind, ob das Web wirklich einen positiven Einfluss hat", schrieb Berners-Lee. "Aber es wäre defätistisch und einfallslos anzunehmen, dass das Web in seiner heutigen Form in den nächsten 30 Jahren nicht zum Besseren verändert werden kann."

Berners-Lee warnt in seinem Brief vor Datenmissbrauch, Desinformationen, Hassreden und Zensur. Absichtlich verbreiteten böswilligen Inhalten könne mit Gesetzen und Computercode entgegengewirkt werden. Geschäftsmodelle, die die Weiterverbreitung von Falschinformationen fördern, könnten unterbunden werden. "Unternehmen müssen mehr tun, um sicherzustellen, dass ihr Gewinnstreben nicht auf Kosten von Menschenrechten, Demokratie, wissenschaftlichen Fakten und öffentlicher Sicherheit geht", schrieb Berners-Lee. Er wirbt mit seiner Stiftung (Web Foundation) dafür, das Firmen, Regierungen und die Zivilgesellschaft einen Vertrag für ein besseres Web ausarbeiten. Im Oktober 2018 wies Berners-Lee auf dem Web Summit in Lissabon darauf hin, dass die vielen Probleme des Internet angegangen werden müssten. "Wir brauchen einen neuen Vertrag für das Internet", sagte er plakativ.

Untätig bleibt er dabei nicht und überlässt es nicht nur anderen, das Web zu verbessern. Stattdessen setzt er auf die aus einem MIT-Forschungsprojekt hervorgegangene und von Inrupt entwickelte Open-Source-Plattform Solid. Ein Solid-POD, einem Personal Online Data Store, soll als Daten-Safe persönliche Daten aufnehmen. Das können beispielsweise Social-Web-Funktionen wie Likes, Sharing und Kommentarfunktionen sein. Web-Dienste erhalten darauf die Lese- und Schreibrechte, die der Nutzer ihnen dann gewährt.

Das CERN feiert heute den 30-jährigen Geburtstag des WWW mit einer eigens dafür eingerichteten Webseite web@30. Ein erster Webcast zur Ehrung des WWW und seines Erfinders Tim Berners-Lee in einer Diskussionsrunde lief am heutigen Vormittag zwischen 7:50 und 10:00 Uhr. Weitere Webcasts sind über den Tag hinweg geplant und sollen dann live abrufbar sein. (olb)