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Das globale Geschäft mit Musik schrumpft weiter

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Die Umsätze der Plattenlabels weltweit sind 2007 weiter zurückgegangen. Insgesamt setzte die Branche im vergangenen Jahr 19,4 Milliarden US-Dollar (12,5 Milliarden Euro) um und damit 8 Prozent weniger als noch 2006. Das geht aus dem Jahresbericht "Recorded Music Sales 2008" des internationalen Verbandes der Phonographischen Industrie (IFPI) hervor, der in London vorgestellt wurde. Das gesamte Handelsvolumen mit Musik unter Berücksichtigung von Handelsmargen, Vertriebskosten und Umsatzsteuer beziffert die IFPI auf knapp 30 Milliarden US-Dollar.

Die Branche beklagt den steten Rückgang bei Tonträgern, den auch das deutliche Wachstum des digitalen Vertriebs nicht ganz kompensieren kann. 2007 entfielen 82 Prozent der globalen Einnahmen auf Tonträger, deren Umsatz um 13 Prozent auf 15,9 Milliarden US-Dollar zurückging. Der Digitalbereich wuchs den Angaben zufolge um 34 Prozent auf 2,9 Milliarden US-Dollar. Weitere 660 Millionen US-Dollar spülten Aufführungsrechte in die Kassen der Labels.

Den Tonträgerbereich dominiert mit 87 Prozent weiterhin die CD; Musik-DVDs haben einen Anteil von 8 Prozent. Auf den beiden wichtigsten Märkten USA und Großbritannien brach der Tonträgerabsatz überdurchschnittlich stark ein (18 respektive 16 Prozent). In Europa betrug der Umsatzrückgang bei Tonträgern im Schnitt 12 Prozent, wobei Deutschland mit dem geringsten Rückgang bei CDs nur gemäßigt zum allgemeinen Schwund beitrug.

Mobile Plattformen (47 Prozent) und das Internet (48 Prozent) waren auch 2007 die wesentlichen Kanäle des digitalen Vertriebs. Weitere 5 Prozent entfielen auf Abo-Modelle. Der Digital-Bereich sorgt inzwischen für 15 Prozent des Gesamtumsatzes; 2006 lag der Anteil noch bei 11 Prozent. Dabei konnte das Internet mit 46 Prozent stärker wachsen als der Mobilvertrieb mit 26 Prozent. In Deutschland nahm der Anteil des Mobilvertriebs am gesamten Digitalgeschäft wieder deutlich ab und lag 2007 noch bei 20 Prozent (Vorjahr: 39 Prozent).

Für den nach USA, Großbritannien und Japan weltweit viertgrößten Markt Deutschland notierte die IFPI einen um 4 Prozent geschrumpften Gesamtumsatz im Wert von 1,56 Milliarden US-Dollar. Hierzulande entfielen 89 Prozent des Umsatzes auf das klassische Tonträgergeschäft und 6 Prozent auf den Digitalvertrieb. In Deutschland herrsche noch eine starke "Scheibenkultur", bemerkt der Branchenverband und attestiert der hiesigen Branche einen der europaweit niedrigsten Werte beim Rückgang der CD-Verkäufe.

Die IFPI betont die wichtige Rolle der Plattenindustrie für andere Branchenmitglieder. Der wirtschaftliche Effekt der Labels werde gesellschaftlich oft nicht anerkannt, beklagt IFPI-Chef John Kennedy in der Einführung des Jahresberichts. Andere Branchenzweige wie Musikverlage, Konzertveranstalter und die Unterhaltungselektronik erfreuten sich auch dank der Arbeit der Labels wachsender Umsätze.

Als eine der wichtigsten Aufgaben im Hinblick auf die digitale Zukunft der Branche nennt Kennedy die Bekämpfung der Verbreitung illegaler Kopien. Die oft gehörte Kritik, die Branche sollte weniger in den "Kampf gegen Piraterie" und mehr in zukunftsfähige Geschäftsmodelle investieren, bezeichnet Kennedy als "fehlgeleitet". Selbst die innovativsten Ideen würden durch illegale Musikkopien untergraben. Insgesamt beziffert die IFPI die Zahl illegaler Musikdownloads für 2007 auf 30 Milliarden. Das wirke sich direkt negativ auf die Umsätze aus.

Deutschland weist nach IFPI-Angaben die geringste illegale P2P-Nutzung in Europa auf. Zwar betrage der Anteil illegaler Musikdownloads am Gesamtvolumen hierzulande immer noch 77 Prozent, doch seien illegale Musikdownloads aus P2P-Netzen im vergangenen Jahr um fast 17 Prozent zurückgegangen. Die IFPI führt das auch auf die verschärfte Verfolgung zurück; Deutschland sei das Land mit den meisten Verfahren wegen illegaler Downloads.

Bei der Verfolgung sollen künftig auch die Internet-Provider assistieren. Entsprechende Regeln stehen ganz oben auf der Wunschliste der Musikbranche. Die Lobbyarbeit der Verbände hat dabei auch hierzulande schon Früchte getragen. Zuletzt forderten die Justizminister der Bundesländer einen zivilrechtlichem Auskunftsanspruch für Rechteinhaber gegenüber Providern. Dies auch, um die Staatsanwaltschaften zu entlasten, wie es hieß. Die Strafverfolger ächzen unter der Last der zahlreichen von Musik-, Film- und Pornobranche angestrengten Ermittlungsverfahren. Bei den Staatsanwälten regt sich zunehmender Widerstand gegen die Flut der Verfahren. (vbr)