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Das neue Windows 10 S: viel Pro, etwas RT, etwas (festgenageltes) Bing

In einem FAQ-Dokument zeigt Microsoft Unterschiede der neuen Ausgabe Windows 10 S zu den bekannten Editionen Home und Pro.

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Der seltsame Feature-Mix des Windows 10 S

(Bild: dpa, Matthias Balk)

Microsoft hat eine FAQ-Seite zur jüngst vorgestellten Betriebssystem-Version Windows 10 S ins Netz gestellt. Dort sind auch die Unterschiede zu den Editionen Home und Pro aufgelistet. Auffällig ist, dass die S-Edition sich im Funktionsumfang prinzipiell an Windows 10 Pro orientiert.

Die Beschränkung auf Store-Apps erinnert stark an den Rohrkrepierer Windows RT, hat technisch aber nichts damit zu tun: Während Windows RT im Prinzip ein für die ARM-Prozessorarchitektur kompiliertes Windows 8 war und auch entsprechende Apps vorausgesetzt hat – technisch also gar nicht in der Lage war, reguläre Win32-Progamme auszuführen – handelt es sich bei Windows 10 S um ein Pro-System für x86-Prozessoren, dessen Funktionen hier und dort gezielt eingeschränkt sind.

Microsoft vergleicht Windows 10 S, Home und Pro

(Bild: Microsoft)

Neben dem Ausschluss von Nicht-Store-Programmen fällt auf, dass der Standardbrowser auf Microsofts eigenen Edge und der Suchanbieter auf Bing festgenagelt ist. Andere Browser lassen sich zwar installieren, sofern sie im Store verfügbar sind, aber nicht als Standard-App zum Öffnen von HTML-Dokumenten festlegen. Die Einschränkung erinnert an "Windows 8.1 mit Bing", eine preisreduzierte Ausgabe von Windows 8.1, die Microsoft seinerzeit für Billig-Geräte an OEMs verkauft hat. Anders als jetzt ließ sich der Suchanbieter in der Bing-Edition aber durchaus ändern; OEMs mussten sich lediglich verpflichten, als Voreinstellung Bing zu verwenden.

In puncto Domänen unterstützt Windows 10 S zudem lediglich den Beitritt in Azure-AD-Domains; klassische lokale Domänen bleiben der Pro-Ausgabe vorbehalten. Ansonsten sind diverse Features zu finden, die bislang ebenfalls Windows 10 Pro und höheren Versionen vorbehalten waren: Bitlocker ist ebenso verfügbar wie Windows Update for Business und Windows Store for Business.

In den FAQ räumt Microsoft ein, dass Peripheriegeräte, der derzeit problemlos mit anderen Editionen von Windows 10 laufen, in der Funktion eventuell eingeschränkt sind. Das dürfte immer dann zutreffen, wenn für den Betrieb Zusatz-Software nötig ist, wie zum Beispiel Drucker- oder Scanner-Tools, die nicht automatisch über Windows Update installiert werden, sondern separat beim Hersteller heruntergeladen werden müssen.

Anwendern, die auf Hilfstechnologien angewiesen sind – also etwa spezielle Software für Braille-Zeilen, Sprachausgabe und ähnliches – empfiehlt Microsoft, vorher genau zu prüfen, ob diese tatsächlich mit Windows 10 S kompatibel sind. Skurrilerweise möchte Microsoft nicht einmal garantieren, dass bereits gekaufte Store-Apps auch mit Windows 10 S kompatibel sind und schreibt: "Wenn Sie eine App aus dem Windows Store auf einem anderen Windows 10-PC installiert haben, sollten Sie in der Mehrzahl der Fälle in der Lage sein, sie auf einem Windows 10 S-PC zu installieren, solange Sie sich mit demselben Microsoft-Konto anmelden."

Offen ist, ob es Windows 10 S auch als eigenständiges Produkt bzw. in Volumenlizenzverträgen zu kaufen oder mieten geben wird oder zumindest entsprechende Installationsmedien via MSDN, TechNet oder Media Creation Tool erhältlich sein werden – auf eine entsprechende Anfrage von heise online hat Microsoft bislang nicht reagiert. (jss)

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