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Data Days: Datenschutz so wichtig wie Umweltschutz

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In einer Welt von "Big Data" könnten Initiativen für den Erhalt der Privatsphäre genauso wichtig werden wie die Umweltschutzbewegung Ende des vergangenen Jahrhunderts, waren sich Referenten auf den Data Days einig. Diese hatte das Management der mit Cloud Computing, mobilem Internet und sozialen Netzwerken rasant wachsenden Datenbestände zum Thema.

Datenschutz werde bald die gleiche Bedeutung haben wie der Umweltschutz, erklärte Ashkan Soltani vom US-Forschungsprojekt Know Privacy am Montag in Berlin. "Umwelt- und Datenschutz gehen zusammen", befand auch Soeren Preibusch von der Universität Cambridge. So gebe es etwa eine hohe Korrelation zwischen Leuten, die bereit seien, für Bio-Lebensmittel oder eine bessere Sicherung der Privatsphäre mehr zu zahlen.

Preibusch ist der Ansicht, dass der Markt die mit Big Data wachsenden Datenschutzprobleme lösen kann. Um ein derzeit noch bestehendes Ungleichgewicht im Wissen der Handelspartner über den Umgang mit personenbezogenen Informationen auszumerzen, sei zwar mehr Transparenz nötig. Mit entsprechenden Auflagen seien Regulierer in der Lage, diesen Aufklärungsprozess der Kunden zu unterstützen, meint der Forscher. Generell könne Datenschutz dann ein Auslöser neuer Geschäftsmodelle für Nischenmärkte sein. So seien derzeit schon etwa ein Drittel der Handynutzer bereit, einen Extra-Obolus für die Nichtübertragung ihrer Nummer zu zahlen. Entscheidend sei es, Wahlmöglichkeiten für die Nutzer zu schaffen.

Marktkräfte allein bekämen weitreichende Datenschutzpannen, den damit verknüpften Vertrauensverlust sowie ein zunehmendes Unwohlsein vieler Bürger angesichts verstärkter Informationsanhäufungen nicht in den Griff, hielt Jan Schallaböck vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) dem entgegen. Es könne für ein Individuum bei der Nutzung eines Dienstes zwar durchaus hilfreich oder gar erforderlich sein, Daten preiszugeben. Mit den gesammelten personenbezogenen Informationen und Profilen seien Konzerne wie Facebook oder Google aber in der Lage, "demokratische Werte zu zerstören".

Schallaböck empfand es daher als richtig, dass staatliche Hüter der Privatsphäre der Bürger das ein oder andere auf "Big Data" basierende Geschäftsmodell verhindern könnten. "Innovation ist kein Zweck an sich", betonte der Datenkontrolleur. Es müsse vielmehr um Neuheiten gehen, die die Gesellschaft voranbrächten. Dabei sei eine gewisse Balance zwischen der Interessen aller Beteiligter zu finden.

Die im Publikum geäußerte Vermutung, dass Datenschützer hierzulande populistisch Angst schürten, um ihre Arbeitsplätze zu sichern, wies der ULD-Vertreter zurück. Datenschutzfreundlichen Technologien und Voreinstellungen attestierte er nur einen recht begrenzten Nutzen. So sei es etwa wenig praktikabel, die Annahme von Cookies im Browser standardmäßig zu verweigern, da dadurch das Einloggen in viele Dienste nicht mehr möglich sei. Beim neuen Datenschutzstandard "Do not Track", der das Verfolgen von Nutzerspuren und das Anlegen von Profilen verhindern soll, bezeichnete es der Datenschützer als äußerst schwierig, das Einhalten dieses Versprechens zu überprüfen.

Auf eine Reihe neuer Regulierungsideen, die mit der geplanten EU-Datenschutzverordnung verknüpft seien, verwies Philip Schütz vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI). Im Raum stehe etwa eine Verpflichtung für sämtliche Wirtschaftsbereiche, über Sicherheitslücken und Datenpannen aufklären. Zudem müssten Firmen und öffentliche Einrichtungen schon vor dem Einsatz neuer Technologien oder Produkte vorab Datenschutzabschätzungen durchführen, wenn es sich um sensitive Bereiche handle. Dazu kämen deutlich höhere Sanktionen, die bis zu zwei Prozent des Jahresumsatzes eines Konzern betragen könnten.

Insgesamt setze der Reformentwurf ein deutliches Zeichen, dass Firmen die Privatsphäre ihrer Kunden ernster nehmen müssten, führte Schütz aus. Statt von einer Innovationsverhinderung wollte er in diesem Zusammenhang von einem Qualitätsmerkmal für europäische Angebote sprechen, da viele US-Konzerne den Datenschutz noch nicht hinreichend beachteten. Angst könne zudem ein wichtiger Entwicklungsfaktor sein. So hätte die Furcht vor Kernkraft-Störfällen etwa das Feld der erneuerbaren Energien vorangetrieben. Daher sei es angemessen, eine Parallele zwischen Daten- und Umweltschutzbewegung zu ziehen. (Stefan Krempl) / (ssu)

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