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Datango übt sich im Beziehungsmanagement

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Was kann man im Internet nicht alles Schönes machen, was die Herzen von Marketingabteilungen höher schlagen lässt: Shoppen, buchen, einkaufen – E-Business rules. Doch mal abgesehen davon, dass das Netz ursprünglich zum Kommunizieren und nicht zum Bestellen in die Welt gesetzt wurde: Mit dem großen Reibach übers Netz wird es oft nichts, da einer Studie von Datamonitor zufolge rund 75 Prozent aller Transaktionen im Web von den Surfern abgebrochen werden. Mehr als 31 Sekunden verweilen die eiligen Klicker durchschnittlich nicht auf einem Angebot. "Nutzerfreundlichkeit wird auf vielen Sites nicht gerade groß geschrieben", erklärt Alexander Artopé dieses Phänomen. Der Vorstandssprecher des Berliner Startups Datango spricht aus Erfahrung, denn er ist selbst bei der Online-Buchung eines Flugs an der Formularvielfalt und verqueren Eingabemasken bereits gescheitert.

Nun würde Artopé allerdings öffentlich wohl kaum Bedienerunfreundlichkeit von Webangeboten, die vor allem Newbies zu schaffen macht, kritisieren, wenn er nicht Abhilfe parat hätte. Auf einer Pressekonferenz in Berlin stellte der Mitgründer des Startup-Vereins Silicon City am heutigen Donnerstag die für Unternehmenskunden konzipierte neueste Version der Navigations-Software von Datango vor. Die im Frühjahr 1999 gegründete Firma hat über ein Jahr lang ihre Lösung für multimediale Führungen über Websites im Konsumentenbereich getestet und im Sommer das Portal Webride eröffnet, auf dem Privatnutzer eigene Touren präsentieren können. Nun drängt das sechsköpfige Gründerteam in den Business-to-Business-Bereich (B2B) und vermarktet seine Dienste als Hilfsmittel fürs elektronische Customer Relationship Management (E-CRM), der virtuellen Form des Kundenservice.

Zu den ersten Webanbietern, die Datango für ihre neue "Navigation Suite" begeistern konnte, gehören neben Aral und der Hypovereinsbank auch Paybox und T-Online. Auf dem Portal des Onlinedienstes können die Nutzer sich seit dem heutigen Donnerstagmittag über Shopping-Möglichkeiten aufklären lassen: Klickt der Surfer auf den Tour-Button, wird der Datango-Player in Form eines unter Windows und Mac OS laufenden Java-Applets gestartet. Eine freundliche Stimme erläutert dann, wie leicht sich das Geld im Web in der T-Mall ausgeben lässt. Die mit visuellen Zoom-Effekten unterlegte Führung kann der Shopping-Interessent natürlich jederzeit unterbrechen und zur Tat schreiten.

Guido Weishaupt, Leiter des T-Online-Portals, hofft mit der neuen Hilfsfunktion "die Möglichkeiten des Internet zur vollen Geltung zu bringen". Nun ist es sicher nicht jedermanns Sache, das Netz wie eine Art Fernsehen zurückgelehnt im Sessel zu genießen. Aber Weishaupt verweist auf die 2,5 Millionen neuen Nutzer, die T-Online alleine im vergangenen Jahr gewonnen hat und die "keine technikverliebten Freaks mehr sind". Denen will der Manager nun mit Hilfe von Datango nicht nur die Tür zum Online-Shoppingparadies öffnen. Zeigen will er den Neueinsteigern demnächst auch die Web-Soap, die der Online-Dienst im vergangenen Jahr ins virtuelle Leben gerufen hat, oder ihnen erklären, "wie man von Tokio aus den Web-basierten E-Mail-Service nutzt".

Ein echter Fan von Datango ist auch Mathias Entenmann, Geschäftsführer des Bezahlsystems Paybox, mit dem sich Transaktionen übers Handy abwickeln lassen. Bei der Vorstellung des neuen Navigationsdienstes durch den Datango-Chef konnte sich Entenmann zwar ein Gähnen nicht verkneifen. Doch bei der Präsentation der ersten Ergebnisse eines seit November laufenden Tests seiner Webtour redete er sich warm: "Bei einem so komplexen Produkt wie unserem fragen sich die Leute, was man damit machen kann und wie es funktioniert." Über 100 wissbegierige Kunden würden daher täglich im Call-Center des Frankfurter Unternehmens auflaufen oder E-Mails senden. Die dadurch entstehenden Kosten will Entenmann mit dem vergleichsweise günstigen Tourenangebot drücken, das die Surfer direkt zur Simulation des Paybox-Dienstes führt.

Genaue Zahlen für die Datango-Implementierung wollte der Paybox-Chef allerdings nicht nennen. Artopé verriet nur, dass der Einstiegspreis bei 50.000 Mark liegt. Datango stellt Unternehmenskunden zwei Vertragsmodelle zur Wahl: Das aus dem Recorder, dem Player sowie einem Server bestehende Paket kann zum einen über eine klassische Lizenz erworben werden. Beim ASP-Modell (Application Service Providing) übernimmt Datango dagegen auch das Hosting der Webrides.

Mit der B2B-Lösung will das Softwarehaus in Zukunft seinen Kernumsatz erzielen: Datango plant, sich ein Stück vom Markt fürs E-CRM abzuschneiden. Dem prognostizieren die Auguren ein Wachstum von 2,8 Milliarden US-Dollar 2001 auf 5,6 Milliarden US-Dollar 2002.

Von der Startup-Krise und der Börseneiszeit, die bei immer mehr Unternehmen in der New Economy zu Entlassungen führt, sieht sich das junge Unternehmen nicht betroffen. "Wir sind nicht so schnell gewachsen wie andere Startups", sagt Karsten Ruwoldt, Marketingchef der Firma, die momentan 50 Mitarbeiter beschäftigt und Programmierer sowie Verkaufsexperten sucht. Mindestens bis zum Jahresende, schätzt Artopé, reichen zudem die 20 Millionen Mark Wagniskapital, die Atlas Ventures und der eBay-Mitbegründer Pierre Omidyar im Juni in Datango investiert haben. (Stefan Krempl) / (jk)