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Daten und Taten: Das war 2019 - der nicht so besinnliche Jahresrückblick

Wieder ein nicht ganz so besinnlichen Jahresrückblick? Ordentlich gesteigert müsste diesmal der besinnungslose Rückblick folgen, denn 2019 hatte es in sich.

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(Bild: Sergey Peterman / shutterstock.com)

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Verglichen mit dem im November 2019 spielenden Film "Blade Runner" war 2019 eigentlich ein ganz ordentliches Jahr. Es war sehr heiß (Klimawandel), während es im Film ständig regnet, es wurde heiß diskutiert und viel demonstriert. 300.000 gingen gegen die Einführung von Upload-Filtern auf die Straße, Millionen junger Menschen waren bei den Freitagsdemonstrationen dabei. Film und Realität stimmten eigentlich nur bei den Captchas überein, mit denen Replikanten und echte Menschen unterschieden werden können. Letztere feierten den Geburtstag der Mondlandung und trauerten um eine Katze, die missmutig aus dem Netz guckte.

Betrachtet man 2019 und die gesammelten Meldungen von heise online aus der Perspektive des Statistikers, so ergeben sich unerwartete Einblicke. Neben den üblichen Meldungen von Apple, Microsoft und Co war es diesmal die chinesische Firma Huawei, die 2019 für die meistdiskutierten Meldungen sorgte. Das lag einmal daran, dass Politiker aller Parteien sowie die amtierenden und ehemaligen Leiter der Geheimdienste sich über die Gefährlichkeit dieses Konzerns äußerten, der nicht nur in China, sondern auch in Russland und in in Nordkorea beim Aufbau des 5G-Netzes mit von der Partie ist. Dazu kamen Meldungen, dass Huawei auch in Großbritannien und den USA umstritten ist, wo der große Trumpinator gegen die Firma wetterte. Zum anderen lag es an der meistgelesenen Meldung des Jahres, nach der Google Huawei vom Android-Ökosystem aussperrt, auf die zahlreiche Meldungen folgten, wie Huawei mit dem Ausschluss umgehen wird.

Mitunter hilft die schönste Statistik nicht weiter. So kann die Frage nicht beantwortet werden, welcher Politiker den Leserinnen und Lesern im Jahre 2019 am meisten ans Herz gewachsen ist. Mit Horst Seehofer und Andreas Scheuer haben sich zwei CSU-Größen ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Eigentlich lag Horst Seehofer, der wegen Huawei sogar das Telekommunikationsgesetz ändern will, mit vielen Vorschlägen uneinholbar vorne. Man denke nur an seine Vorschläge, dem BND die Nutzung von Trojanern im Inland zu gestatten, Messenger zur Entschlüsselung zu zwingen und den Zugriff auf Alexa durch Polizei und Geheimdienste. Die personifizierte Abrissbirne für unser Grundgesetz geriet aber mit der Entscheidung des europäischen Gerichtshofes zur PKW-Maut am 17. Juni ins Hintertreffen.

Danach trumpfte der Minister für die digitale Infrastruktur groß auf. Das lag vor allem daran, dass Andreas Scheuer zunächst an der Maut festhalten wollte, weil er längst Verträge für das Mautsystem unterschrieben hatte. Anschließend versprach er mehrmals größtmögliche Transparenz bei der Aufklärung zur Auftragsvergabe und verteidigte sein Vorgehen stur. So beschäftigt uns die LKW-Maut noch am Jahresende. Zusammen mit dem sanften Vorgehen beim Abgasbetrug, einem halbgaren Funkmastenplan und der Bezeichnung der Demonstranten von Fridays for Future als rückwärtsgewandte Protestierer sorgte Scheuer dafür, dass sein Name einen bleibenden Eindruck hinterließ.

Womit wir bei der Chronologie der laufenden Ereignisse sind. Denn 2019 begann genau so, wie 2018 aufgehört hatte, mit Angriffen von Emotet, diesmal in Rechnungsmails. Der Schädling befiel in der Folge noch die Medizinische Hochschule Hannover, das Berliner Kammergericht und die Neustädter Stadtverwaltung. Weil auch der Heise-Verlag betroffen war, lautet die Devise für 2020 aus den Fehlern lernen. Ob Emotet inmitten aller Reden über die Digitalisierung ein Warndreieck vor der digitalen Hilflosigkeit der Bürger ist, wird noch diskutiert. Kein Schädling, sondern die zum Jahreswechsel bekannt gewordene Schandtat des Massen-Doxxing beschäftigte die Gemüter und rief die Datenschützer auf den Plan, die den Einsatz starker Passwörter forderten.

Richtig laut wurde es im Forum mit der Nachricht vom Bundesverfassungsgericht und dem Urteil, dass Mail-Provider die IP-Adressen herausgeben müssen. Über die Sinnhaftigkeit dieser Vorgabe wurde das Jahr über diskutiert. Sie gipfelte zum Schluss in einen Gesetzentwurf, der die Herausgabe von IP-Adressen und von Passwörtern zum Ziel hat: Die Abrissbirne für das Grundgesetz kann auch in einem SPD-geführten Ministerium geschwungen werden. Im Januar begann überdies die Dauer-Berichterstattung über die 5G-Auktion, die im Juni beendet wurde und Einnahmen von 6,55 Milliarden generierte.