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Datenbank für ‘Gene der Musik’

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Der kürzeste Weg zu neuer Lieblingsmusik führt über die Gene der Musik – behauptet die kalifornische Firma Savage Beast Technologies und hat deswegen das ‘Music Genome Project’ ausgerufen. Angelehnt an das Human Genome Projekt, das die Gene des Menschen kartiert, analysierten Profi-Musiker mehr als 250.000 Melodien. Sie bestimmten rund 400 Schlüsselelemente, darunter Rhythmus und Melodie, Synkopierung, typische Instrumente, aber auch die Art der Texte. Mit Hilfe dieser ‘genetischen’ Merkmale kann das Software-Datenbank-System gezielt Ähnlichkeiten aufspüren. Auf Nennung der eigenen Lieblingsmusik empfiehlt das System neue, auch unbekannte Stücke, die einem höchstwahrscheinlich auch gefallen.

Die ‘DNA-Analyse’ ist ein willkommenes Werkzeug für Musikhändler, egal ob im Online-Handel oder hinter der Ladentheke. Deren Umsatz beruht nämlich hauptsächlich auf einem winzigen Teil des Musikmarkts, nur 0,3 Prozent aller gepressten Musik-CDs machen mehr als die Hälfte der Verkäufe aus. Da liegt es nahe, den Käufern neue und noch unbekannte Stücke und Gruppen näherzubringen, ohne dass sie hunderte von Platten durchhören müssen. Die personalisierte Empfehlung überspringt auch Genre- und Stil-Grenzen, sie baut auf die größten Übereinstimmungen mit dem eigenen Geschmack. Neben einzelnen Song-Titeln oder Gruppennamen lassen sich auch persönliche Vorlieben eingeben, wie Trompetensolos, Art der Texte, Tanzbarkeit oder Typ der Stimme.

Auf der Website der Kalifornier lässt sich das System testen. Für den Online-Buchhändlier Barnes&Noble entwickelte die Firma das System Jazz Discovery, um im Rahmen der Jazzmusik seinem persönlichen Geschmack zu frönen. Savage Beasts Entwicklung erlaubt auch kleineren Musikverlagen, ihre Platten in die Datenbank mit einzubinden und so ihre Künstler bekannter zu machen. Inzwischen hat sogar die Musikindustrie Interesse angemeldet, dank ‘DNA-Analyse’ künftige Hits vorherzusagen. ‘Wir wurden von einer großen Plattenfirma gefragt, ihnen beim Heraussuchen von Singles aus mehreren kommenden Plattenveröffentlichungen zu helfen’, erklärt Carolyn Brown, Marketing Director von Savage Beast Technologies. Und die Firma hat offenbar noch ganz andere Pläne in der Schublade. Neben Music Genome Project hat sich die Firma gleich auch schon die Domains für Movie Genome Project und Book Genome Project gesichert. (Dörte Saße) / (wst)