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Datenklau: Uber informierte erst potenziellen Investor – Nutzer blieben im Dunkeln

Uber hat einen potenziellen Großinvestor deutlich früher über den immensen Datenklau informiert als die Öffentlichkeit beziehungsweise die eigenen Kunden. Man habe erst die Ergebnisse einer Untersuchung abwarten wollen, erklärt das Unternehmen.

Uber informierte erst potenziellen Investor Softbank über Datenklau

(Bild: freestocks-photos)

Uber hat sich auch nach dem Wechsel des Chefs Zeit damit gelassen, Behörden und Betroffene über den ein Jahr zurückliegenden großen Datendiebstahl zu informieren. Zunächst sei der potenzielle Investor Softbank im Zuge der Verhandlungen unterrichtet worden, bestätigte der Fahrdienst-Vermittler dem Finanzdienst Bloomberg. Der neue Uber-Chef Dara Khosrowshahi habe rund zwei Wochen nach seinem Amtsantritt am 5. September von dem Vorfall erfahren, schrieb das Wall Street Journal am späten Donnerstag. Er habe eine Untersuchung angeordnete und erst ihr Ergebnis abwarten wollen, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

Hacker hatten sich im Oktober 2016 über eine Sicherheitslücke Zugriff auf Daten von 50 Millionen Passagieren und 7 Millionen Fahrern verschafft. Laut Uber geht es um Namen, E-Mail-Adressen und Telefonnummern von Nutzern weltweit. Bei 600.000 Fahrern in den USA sei auch die Führerschein-Nummer betroffen. Bei der Attacke seien nach bisherigen Erkenntnissen aber keine Kreditkarten-Daten oder Informationen zu Fahrten gestohlen worden, betonte die Firma.

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Statt Behörden und Betroffene zu benachrichtigen, bezahlte Uber den Hackern 100.000 Dollar (aktuell rund 85.000 Euro), damit sie die gestohlenen Daten vernichten. Khosrowshahi gab den Datenklau erst diese Woche bekannt und erklärte, er selbst habe erst kürzlich davon erfahren. Einen genauen Zeitraum nannte er nicht. Die New Yorker Staatsanwaltschaft und Datenschützer in mehreren Ländern leiteten nach dem Eingeständnis des Hacks Ermittlungen ein. Wie The Daily Beast meldet, gibt es inzwischen schon täuschend echt aussehende Phishing-Mails, die sich die schlechte Informationspolitik von Uber zunutze machen und potenzielle Nutzer zur Preisgabe ihrer Passwörter bringen sollen.

Softbank wurde nach Informationen des Wall Street Journal vor rund drei Wochen unterrichtet. Der japanische Technologiekonzern erwägt, rund zehn Milliarden US-Dollar in Uber-Aktien zu stecken. Dabei sollen nach bisherigen Angaben direkt bei Uber Anteile für eine Milliarde Dollar erworben werden – zu der bisherigen Firmenbewertung von rund 68 Milliarden US-Dollar, die nach den jüngsten Skandalen immer mehr angezweifelt wurde. Insofern ist es für Uber sehr wichtig, dass dieser Deal gelingt. (mit Material der dpa) / (mho)

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