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Datenschützer: Zalando soll auf Zonar vorerst verzichten

Berliner Datenschützer empfehlen Zalando, vorläufig auf das Angestellten-Bewertungstool Zonar zu verzichten. Zalando sieht das anders.

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(Bild: dpa, Daniel Bockwoldt)

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Die Berliner Datenschutzbehörde empfiehlt dem Online-Versandhändler Zalando, auf seine umstrittene Personal-Bewertungssoftware Zonar zu verzichten, bis eine Datenschutzprüfung abgeschlossen ist. Das teilte die Berliner Datenschutzbehörde am Dienstag auf Nachfrage von heise online mit, nachdem die Süddeutsche Zeitung zuerst darüber berichtet hatte. Ende vergangener Woche hatten die Datenschützer eine Überprüfung des Scoring-Tools angekündigt, nachdem Kritik an einer angeblichen "360-Grad-Überwachung" der Angestellten laut geworden war und eine Studie Zalando dabei Datenschutzverstöße vorgeworfen hatte.

Nach Angaben der Datenschutzbehörde werfen erste Informationen zu dem Bewertungstool "datenschutzrechtliche Fragen" auf, weshalb sie eine aufsichtsrechtliche Prüfung eingeleitet habe; Zonar wolle man nun sowohl in rechtlicher als auch technischer Hinsicht unter die Lupe nehmen. Zalando hatte die Datenschutzbehörde erst zu Beginn der vergangenen Woche über den Einsatz von Zonar informiert, kurz vor den ersten Medienberichten. "Wann mit Ergebnissen der Prüfung zu rechnen ist, lässt sich derzeit schwer einschätzen", erklärte eine Sprecherin der Datenschutzbehörde. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung dürfte das Verfahren mindestens bis Anfang 2020 dauern, es sei auch geplant, Mitarbeiter der Datenschutzbeauftragten zur Prüfung zu dem Online-Versandhändler zu schicken.

Die Empfehlung, den Einsatz der Software bis auf Weiteres ruhen zu lassen, ist jedoch unverbindlich. Auf Nachfrage von heise online erklärte eine Sprecherin von Zalando, man habe nicht vor, bis zum Abschluss der Prüfung auf das Tool zu verzichten und habe der Datenschutzbehörde auch die Gründe dafür dargelegt. Eine genauere Stellungnahme stand bei Veröffentlichung dieses Artikels noch aus.

Eine vergangene Woche veröffentlichte Studie von zwei Forschern der Humboldt-Universität Berlin hatte neben verschiedenen anderen Kritikpunkten bemängelt, die Angestellten seien nicht ausreichend über das Tool und die Funktionsweise seines Algorithmus informiert worden. Zalando hatte bereits in einer früheren Stellungnahme die Vorwürfe zurückgewiesen und betont, man setze Zonar in Übereinstimmung mit der Datenschutzgrundverordnung ein.

Mit Zonar sollen rund 5000 der 14.000 Beschäftigten bei Zalando die Leistung von Kolleginnen und Kollegen regelmäßig bewerten, dazu kommen Beurteilungen durch Vorgesetzte. Ein daraus ermittelter Score teilt die Angestellten dann in drei Performance-Kategorien ein und beinflusst unter anderem Gehaltserhöhungen und Aufstiegschancen.

Die Studie im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hatte außerdem kritisiert, die Bewertungssoftware habe "Effekte wie eine Verschlechterung des Betriebsklimas, Stress und psychologische Belastungen auf Seiten der Beschäftigten." Die Forscher hatten dafür Beschäftigte interviewt, die eine permanente "360-Grad-Überwachung" und "Stasi-Methoden" beklagt hatten. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte den Einsatz von Zonar daraufhin als "arbeitnehmerfeindlich". Auch Politiker wie Norbert Walter-Borjans, Kandidat für den SPD-Vorsitz, hatten Zalando vorgeworfen, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu missbrauchen. So würde ein "System von Beobachtung, Kontrolle und Bewertung" in der Arbeitswelt etabliert werden, sagte Walter-Borjans der Süddeutschen Zeitung.

Zalando widersprach den Vorwürfen und betonte, die Zahl von nur 10 Befragten für die Studie sei keineswegs repräsentativ. Zonar helfe mit "360-Grad-Feedback" bei der "persönlichen Karriereentwicklung" der Beschäftigten und sei fairer im Gegensatz zu Bewertungen nur durch Vorgesetzte. "Bei Zalando ist Transparenz und eine offene Feedbackkultur seit jeher gelebte Realität", so das Berliner Unternehmen in einer Pressemitteilung. (siko)