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Datenschützer duldet Microsoft Office 365 nun doch teilweise an Schulen

Hessens Datenschutzbeauftragter Michael Ronellenfitsch schwächt nach "intensiven Gesprächen mit Microsoft" seine Bedenken zu dem Büropaket ab.

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(Bild: Microsoft)

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Der hessische Datenschutzbeauftragte Michael Ronellenfitsch hatte zunächst die Ansicht vertreten, Microsoft Office 365 dürfe in der Standardkonfiguration an Schulen wegen Problemen für die Privatsphäre der Nutzer nicht verwendet werden. Einen Monat später hat er sie zum Teil zurückgenommen. Zumindest die Nutzung der Cloud-Anwendung des Büropakets ab Version 1904, also Office365 ProPlus, Office365 Online und Office365 Apps, durch Bildungsstätten, die diese bereits erworben haben, duldet Ronellenfitsch bis auf weiteres.

Dies gelte auch für Schulen, bei denen der Lizenzerwerb schon "haushaltsrechtlich gesichert ist", führt Ronellenfitsch aus. Das vorübergehende Zugeständnis beruhe auf "Vertrauenserwägungen". Schulen, die das Paket anschaffen wollten, könnten sich ebenfalls darauf berufen. Sie trügen aber das "finanzielle Risiko, falls die weitere Überprüfung zur Unzulässigkeit des Einsatzes von Office 365 in hessischen Schulen führen sollte". Hier käme der Vertrauensaspekt nämlich nicht in Betracht.

Ronellenfitsch hat nach eigenen Angaben seit seiner jüngsten Ansage zu dem Bereich "intensive Gespräche mit Microsoft über die Datenschutzkonformität der schulischen Anwendung von Office 365" geführt. Das Ergebnis sei eine "datenschutzrechtlich veränderte Einschätzung", da die Konzernvertreter "einen erheblichen Anteil der Bedenken entkräfteten".

Die Schulen müssen beim Einsatz der geduldeten Office-Versionen aber vorläufig "die Übermittlung jedweder Art von Diagnosedaten unterbinden". Die Datenschutzbehörde werde "zu gegebener Zeit weitere Vorgaben hinsichtlich der Parameter machen, die als Grundlage für die Nutzung der Cloud umzusetzen sind". Microsoft werde Schulen dafür auch eigene Handlungsanleitungen bereitstellen.

Generell sei die "außerordentlich komplexe und aufwendige" Überprüfung von Office 365 auch angesichts des bevorstehenden Schulbeginns in Hessen noch nicht abgeschlossen, unterstreicht der Experte. Einige Aspekte seien derzeit "noch nicht abschließend geklärt". Er werde sich mit den Gremien der Datenschutzaufsichtsbehörden eng abstimmen, um zu einer fundierten Entscheidung zu kommen.

Ronellenfitsch hatte im Juli vor allem gestört, dass über Office 365 "eine Fülle von Telemetrie-Daten an Microsoft übermittelt" werde und deren Inhalte Fragen offenließen. Es gelte hier auch, "die digitale Souveränität staatlicher Datenverarbeitung" zu gewährleisten. 2017 war Ronellenfitsch dagegen noch zum Schluss gekommen, dass Schulen das Paket unter gewissen Voraussetzungen datenschutzkonform in der damals von Microsoft noch gemeinsam mit der Deutschen Telekom betriebenen "Deutschland-Cloud" nutzen könnten. (anw)