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Datenschützer kritisieren Kundenkarten

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Bei den in Deutschland angebotenen Kundenkarten gibt es flächendeckende Verstöße gegen den Datenschutz. Dies ist das Ergebnis einer heute vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) veröffentlichten Studie, die das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein erstellt hat. Das vollständige Gutachten soll in den nächsten Tagen beim vzbv online gestellt werden. Zu den untersuchten Kundenkarten zählen unter anderem Payback, die bereits mit den Datenschützern vom FoeBuD im Clinch lagen, Happy Digits, Lufthansa Miles & More, Webmiles, Vodafone-Starts, zahlreiche City Cards, Shell ClubSmart, Bahn Comfort und Apothekenkarten.

Die Datenschützer kritisieren vor allem die mangelnde Transparenz bei den Teilnahmebedingungen. Fast alle Kundenbindungssysteme würden mehr Daten über den Kunden sammeln, als für das Durchführen eines Bonusprogramms notwendig sei -- bis hin zur Erstellung individueller Käuferprofile. Die sei nur dann rechtlich zulässig, wenn der Kunde dieser Speicherung und Weiterverarbeitung seiner Daten explizit zugestimmt habe. Die in der Praxis verwendeten Einwilligungserklärungen seien jedoch "praktisch in allen Fällen mit Mängeln behaftet", heißt es in der Studie.

Durch besondere Intransparenz zeichne sich beispielsweise Happy Digits aus: So lägen dem Antragsformular von Happy Digits keine Teilnahmebedingungen bei, es erfolge lediglich der Hinweis, dass die Teilnahmebedingungen mit dem Versand der Karte zugestellt werden oder per Faxabruf angefordert werden können. Auch eine "Verletzung des Kopplungsverbots" sehen die Datenschützer als schwerwiegenden Mangel an. Die Verbraucher müssten die Möglichkeit haben, der Nutzung und Weiterverwendung ihrer Daten "aus freien Stücken" zuzustimmen. Sowohl das Bonusprogramm Vodafone Stars als auch das Programm S-Points der Sparkassen Wuppertal, Essen und Bonn machten dagegen die Teilnahme der Kunden an dem Bonussystem von seiner Einwilligung in die Nutzung von personenbezogenen Daten zu Werbe- und Marktforschungszwecken abhängig. Von einer freiwilligen Einwilligung könne "hier keine Rede mehr sein".

vzbv-Vorstand Edda Müller rief die Unternehmen zu einem "Wettbewerb für mehr Verbraucherschutz und Datenschutz bei den Kundenkarten" auf. "Wer für seine Kundenprofile speichern will, wenn ein Kunde Schmerzmittel, Kondome oder Diätprodukte kauft, der soll es offen sagen -- oder sein lassen." Der vzbv sei bereit, mit Unternehmen und den Datenschutzbehörden Strategien für verbraucherfreundliche Kundenkarten zu erarbeiten. Die Studie verstehe sich nicht nur als Kritik an der bestehenden Praxis sondern auch als "Fundus für Verbesserungsideen im Sinne der Verbraucher". (wst)

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